Aarau

Die Aarauer Bezirksschule ist jetzt unbewaffnet

Für spezielle Waffen, etwa zu Luftgewehren umgebaute ehemalige Versuchskarabiner der Armee, wurden über 400 Franken gelöst.

Für spezielle Waffen, etwa zu Luftgewehren umgebaute ehemalige Versuchskarabiner der Armee, wurden über 400 Franken gelöst.

Das ehemalige Waffendepot des Kadettenkorps Aarau ist nach einer Versteigerung geräumt. Nachdem die Kadettenkorps von Lenzburg und Seengen je 50 Gewehre gekauft hatten, waren am Mittwochabend noch 130 Waffen feil. Sie fanden alle eine neuen Besitzer.

«Ich werde es an eine Wand hängen, als Erinnerung an meine Zeit im Kadettenkorps». – Auch der 83-jährige Otto Schmid hat sich am Mittwochabend in der Aula der Bezirksschule eines der 130 ehemaligen Kadettengewehre gesichert, die dort von Auktionator Werner Kessler versteigert wurden.

«Es ist nicht genau jenes Gewehr, das ich damals mit mir herumschleppen musste», erklärt Schmid. Aber es sei immerhin aus der gleichen Serie, nur wenige Nummern daneben.

Er könne sich noch gut erinnern, wie die Kadetten ihre Gewehre im Sommer 1944 nach Lenzerheide in die Lagerwoche hätten mitnehmen müssen: «Unser Zug hat sich vergeblich dagegen gewehrt, es gab kein Pardon.

Wir mussten es dann auch auf einer zweitägigen Wanderung tragen, neben Rucksack und Wolldecke. Das war ziemlich unbequem. Ich hätte es am liebsten in einen Fluss geschmissen», sagt Schmid und lacht.

«Jetzt muss ich mir erst noch einen Strafregisterauszug besorgen, damit ich diese Waffe kaufen kann. So etwas habe ich in meinem ganzen bisherigen Leben noch nie gebraucht.»

Streng nach Waffengesetz

Obwohl die alten Waffen – sie stammen zum Teil noch aus dem vorletzten Jahrhundert – nicht schiesstauglich sind, weil es keine Munition mehr dafür gibt, wurde die Versteigerung streng nach dem Waffengesetz durchgeführt. Dabei musste nicht nur der Besitzerwechsel exakt protokolliert werden.

Wer eine Waffe erwerben wollte, musste einen aktuellen, blütenweissen Strafregisterauszug vorlegen können.

«Ein Witz», fand ein Waffenliebhaber, der am Mittwoch gleich mehrere Waffen gezielt ersteigerte. Er ergänzt damit seine Sammlung, die er als kulturell wertvoll erachtet, weil sie ein Stück weit die Schweizer Armee- und Waffengeschichte abbilde. «Kriminelle kommen trotzdem leicht an Waffen. Die Schweiz ist nicht sicherer geworden.»

Einen Vorteil habe das neue Waffengesetz: «Früher hätte ich für solche Gewehre 800 bis 1000 Franken bezahlen müssen. Jetzt bekomme ich sie für 100 bis 200 Franken, wie man heute Abend sieht.» Tatsächlich haben jene 200 Kadettengewehre, die schon 1985 versteigert worden sind, Höchstpreise erzielt.

«Wir rechneten damals mit einem Erlös von 10 000 bis 20 000 Franken, am Schluss waren es über 100 000 Franken», erinnert sich Peter Roschi, Sicherheitsbeauftragter der Bezirksschule Aarau.

Rund 20 000 Franken netto dürften nach Abzug aller Unkosten nach der jüngsten und letzten Auktion in der Kasse bleiben. Die angebotenen 130 Gewehre gingen alle weg, und auch verschiedene alte Musikinstrumente fanden neue Besitzer.

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