Küttigen
Die 400 Jahre alte Mühle entpuppte sich als Wundertüte

Als Kurt Fasnacht vor zweieinhalb Jahren seine Mühle sanierte, ahnte er nicht, welche Überraschungen er erleben sollte. Das Haus stand bereits seit 1946 unter Denkmalschutz, doch die Geheimnisse, die es barg, überraschten selbst den kantonalen Denkmalpfleger Reto Nussbaumer.

Hubert Keller
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Unter den später aufgetragenen Farb- und Materialstrichen legte Restauratorin Ina Link hochstehende Dekorationsmalerei frei, die den Denkmalpfleger schwärmen liess: «Die spätbarocke Deckenbemalung braucht den Vergleich mit dem Rittersaal im Schloss Wildegg nicht zu scheuen.»

Die Renovation der 400 Jahre alten Mühle wird Kurt Fasnacht noch einige Zeit beanspruchen. Doch sind die Restauration der Wand- und Deckenmalereien, die Renovation der Wohnung und der Scheune so weit fortgeschritten, dass Kurt Fasnacht die Bevölkerung zu einer Besichtigung einladen möchte. Am nächsten Samstag, 13. Oktober, führen er und Restauratorin Ina Link durch das geschichtsträchtige Gebäude.

404 Jahre alt

Einen Abriss zur Geschichte der Küttiger Wirtschafts- und Mühlengeschichte hat 1991 Alfred Lüthi geschrieben. Er geht davon aus, dass das aus dem Jahre 1608 stammende Mühle- und Wohngebäude von der Familie Bircher erbaut worden ist. Gemäss Lüthi blieb die Liegenschaft – zusammen mit einer zweiten, 1689 erstmals erwähnten Mühle an der Trottengasse – bis 1773 im Besitz dieser Müllersdynastie. Die in der Hauptstube im Obergeschoss entdeckten Wandmalereien mit der Inschrift «Anderes Blatner Anno 1662» bezeugen aber, dass das Gebäude in dieser Zeitspanne nicht immer den Bircher gehörte. 1783 gelangte die Mühle an Untervogt Hans Blattner.

Die Wohnung im Obergeschoss mit den wertvollen Malereien hat ein junges Paar, Sonja und Pascal Müller, geschmackvoll eingerichtet. Die modernen Möbel vertragen sich gut mit dem alten Gebälk. Pascal Müller ist als erfolgreicher Langstrecken-Biker.

Überhastetes Vorgehen schadet

Die eigenen vier Wände im Erdgeschoss (Hochparterre) hat Kurt Fasnacht vorerst nur «bewohnbar gemacht», wie er sagt. Zu sehr war und ist er mit den anderen Gebäudeteilen beschäftigt. «Eine derart aufwendige Renovation braucht Zeit und Geduld. Ein überhastetes Vorgehen schadet nur», sagt er.

Die Scheune ist ein veritables Schmuckstück geworden, mit dem der Elternverein Rombach-Küttigen eine neue Bleibe gefunden hat. Spielgruppe, Mittagstisch, Kinderkafi sind hier ideal untergebracht. Ebenerdig betreibt Fasnacht einen Mühleladen mit Produkten rund ums Korn. Die eigentliche Mühle hat er von altem Gerümpel befreit und will sie in ihrem jetzigen Zustand belassen.

Kurt Fasnacht, vor bald acht Jahren von Zürich her nach Küttigen gezogen, hatte die alte Mühle gekauft, um ein Zuhause zu haben, das zu seinem Beruf passt. Fasnacht nennt sich nämlich Mühlendoktor (www.muehlendoktor.ch) und hat sich als gelernter Müller und Schreiner auf die Restauration von alten Mühlen spezialisiert. Immer mehr ist er als Experte und Berater gefragt.