Das eigentlich bewilligte Bauprojekt für das neue Fussballstadion in Aarau wurde noch einmal komplett überarbeitet. Der Grund dafür: Nicht nur sind die Kosten für das ursprüngliche Projekt um 20 Millionen Franken gestiegen, das geplante Einkaufszentrum, mit dem das Stadion querfinanziert werden sollte, könne kaum rentabel betrieben werden – sagt die Bauherrin HRS Real Estate. 

Für Thomas Hochreutener, Detailhandelsexperte beim Forschungsinstitut GfK, kommt der Entscheid nicht überraschend. «Seit Jahren sagen wir, wir haben eigentlich genügend Shoppingcenter, wir haben in der Schweiz bereits 197», so der Experte gegenüber Radio SRF.

Die Verkaufsfläche reiche vollkommen aus, insbesondere unter der Berücksichtigung der aktuellen Trends, die gegen einen Ausbau der Verkaufsflächen sprächen: «Das sind zum einen die Online-Umsätze, die stetig zunehmen, ebenso die Auslandeinkäufe.» Der Detailhandel sei in den letzten zwei Jahren um vier Milliarden Franken geschrumpft. «Also gibt es gegenwärtig eher genügend Verkaufsfläche, es findet eher eine Flurbereinigung statt.»

Wohntürme statt Einkaufszentrum: Plan B fürs neue FC-Aarau-Stadion

Wohntürme statt Einkaufszentrum: Plan B fürs neue FC-Aarau-Stadion

Das Aarauer Projekt sieht ein Einkaufszentrum und Kino vor. Weil das zu teuer ist, plant die Stadt nun Wohnungen. Es droht eine weitere Abstimmung.

Sind die zahlreichen Shoppingcenter-Projekte in der Schweiz, wozu auch der Plan A des Aarauer Stadionprojekts gehört, also Fehlinvestitionen? «Das ist schwierig vorauszusagen, wenn es sich an einer Top-Lage befindet, kann das schon funktionieren», so der Experte. Allerdings hätten sich die Rahmenbedingungen in den letzten zehn Jahren wirklich verändert. «Vor fünf, sechs Jahren war die Baugenehmigung der Knackpunkt – heute ist es, genügend Mieter zu finden.»

Die Zurückhaltung der potentiellen Mieter begründet Hochreutener mit den gesättigten und rückläufigen Märkten. Auch brauche der Onlinekonsum keinerlei Flächen. «Betrachtet man den Fashion-Markt, sieht man, dass in den letzten zehn bis zwanzig Jahren nur expandiert und expandiert wurde – hier ist nun eine Flächen- resp. Kaufstellen-Bereinigung im Gange.»

Den Zenit als überschritten sieht Thomas Hochreutener nicht nur bei den Shoppingcentern sondern auch bei der Verkaufsfläche allgemein. Er zieht hier den Vergleich zu den Banken und den Lebensmittelgeschäften: «Noch vor 10, 15 Jahren hatten wir in Dörfern zahlreiche Banken, heute haben vielleicht noch zwei bis drei überlebt.» Ebenso habe es sich mit dem Lädeli-Sterben verhalten.

Hochreutener prognostiziert: «Nun kommt diese Entwicklung auch bei den Nonfood-Märkten.

(edi)

Stadtrat Lukas Pfisterer über die neuen Stadionpläne

Der Aarauer Stadtrat Lukas Pfisterer über die neuen Stadionpläne.

 

Cards: FCA-Stadion Chronologie