Aarau
Der «Zoo Club» sucht immer noch nach einer neuen Bleibe

Seit Ende September ist der «Zoo Club» heimatlos, die Suche nach einer Location ist erfolglos geblieben. Jetzt senden die Gründer ein Lebenszeichen aus einem Zufluchtsort.

Katja Schlegel
Merken
Drucken
Teilen
Dominic Zimmerli und Giuseppe Guarino wollen den «Zoo Club» nicht sterben lassen und suchen weiter.

Dominic Zimmerli und Giuseppe Guarino wollen den «Zoo Club» nicht sterben lassen und suchen weiter.

Pascal Meier

Das Ende kam Knall auf Fall: Anfang September war der Räumungsbefehl hereingeflattert und vier Wochen später feierte der «Zoo Club» statt des Saisonauftakts seine Abschiedsparty. Zwar war den Betreibern immer bewusst, dass der Mietvertrag für die Abbruchliegenschaft im Torfeld Süd nur befristet war. Wegen der Beschwerde gegen die Stadion-Baubewilligung hatten sie aber gehofft, dass die Galgenfrist etwas verlängert würde.

Knapp fünf Monate später steht die Liegenschaft noch immer, abgeriegelt mit hohen Zäunen, der Strom ist abgestellt – und Dominic Zimmerli und Giuseppe Guarino, die den «Zoo Club» vor über drei Jahren gemeinsam mit weiteren Aktivisten als Verein gegründet haben, sind noch immer auf der Suche nach einer Ersatzlocation.

«Die Schliessung ist im dümmsten Moment gekommen», sagt Guarino. Nach jahrelangem Aufbau sei man endlich so weit gewesen, dass die Events eine gewisse Eigendynamik entwickelt hatten. Die Abläufe hatten sich eingespielt, die Crews funktionierten, die Gäste kamen. «Das Gerüst stand, wir hätten uns endlich auf das Wesentliche, auf den Sound konzentrieren können», sagt Guarino. «Die Heimatlosigkeit hat uns auf dem falschen Bein erwischt.»

Das immer gleiche Klagelied

Auf der Suche nach einer Ersatzlocation waren die Zoo-Leute schon lange vor dem Eintreffen des Räumungsbefehls. Aber es ist das gleiche Klagelied, das alle Vertriebenen singen, egal ob Club, Verein oder Kunstschaffende: Günstiger Raum ist im Raum Aarau kaum zu finden. Schon gar nicht Raum, in dessen Umfeld auch Lärm nicht stört. «Kein Vermieter will in Sachen Lärmemissionen ein Risiko eingehen», sagt Zimmerli und schiebt das grosse Aber hinterher: «Es kann doch nicht sein, dass in einer Stadt mit 20 000 Einwohnern ein einziger Club in einem Altstadtkeller zur Verfügung steht.»

Die Nachfrage nach einem Club sei da. «Dieser Generation muss man genauso gerecht werden», sagt Zimmerli. Und das sei mit ein paar Bars nun einmal nicht getan. «Diverse Gastronomen klagen, dass seit der Club-Flaute die Leute noch nicht einmal mehr in der Stadt etwas trinken gehen und lieber daheim bleiben oder gleich nach Zürich gehen. Wir wollen aber nicht jammern, wir wollen handeln.»

Bei wem liegt also der Ball? Etwa bei der Stadt? Zimmerli und Guarino schütteln die Köpfe. «Die Stadt kann nicht für uns auf die Suche nach einer Location gehen. Das ist nicht ihre Aufgabe und würde unsere Unabhängigkeit einschränken», sagt Zimmerli. Er fordert vielmehr, dass sich die Stadt positioniert und sagt, was in kulturellen Belangen Sache sein soll. «Entweder man entscheidet sich für den Ballenberg-Charakter und erstickt allen Lärm im Keim. Oder man entscheidet sich dafür, dass die Stadt lebt und damit auch Raum für Lärm braucht und vertritt das entsprechend nach aussen.»

Auch wenn sich die Suche harzig gestaltet, aufgeben wollen Zimmerli und Guarino nicht. Sie durchkämmen nach wie vor die Immobilienportale und putzen die Klinken der Gebäudebesitzer in Aarau und der Agglomeration. In Aarau bestehe beispielsweise die Option Torfeld Nord mit dem Zeughaus. Diese Option aber stehe und falle damit, wie rasch sich das Militär zurückzieht und wie viel von der kantonalen Verwaltung übernommen wird.

Ein Lichtblick am Zoo-Himmel ist das Wochenende vom Freitag, 6. und Samstag, 7. März. Dann nämlich finden die «Tiere», wie die Zoo-Crew ihre Gäste liebevoll nennt, Zuflucht an dem Ort, an dem Zimmerli und Guarino vor 25 Jahren das Partymachen entdeckten: im Jugendkulturhaus Flösserplatz. Unter dem Motto «ZOOflucht» dürfen sie das Flössi in Beschlag nehmen. «Wir organisieren alles so, dass sich unsere lieben Tiere wohlfühlen können. So, wie sie es sich gewohnt sind aus vergangenen Tagen», sagt Zimmerli. Auch das Mindestalter für beide Abende wurde auf 21 Jahre festgelegt. Ein Zoo-Partywochenende, wie damals im Torfeld Süd. «Wir müssen zeigen, dass wir noch leben. Und vielleicht rütteln wir mit dieser Aktion ein paar Leute auf, damit endlich etwas geschieht.»