Gränichen

Der WSB-Schalter ist wohl nicht zu retten

Die Verkaufsstelle im Bahnhof Gränichen soll geschlossen werden. (Archiv)

Die Gemeinde Gränichen sieht «eigentlich keine Möglichkeit», den Verlust des Kiosks zu verhindern.

Aargau Verkehr (AVA) hat angekündigt, dass die bedienten Verkaufsstellen Gränichen und Oberentfelden Engelplatz per Ende Jahr geschlossen werden, weil die Verkaufszahlen trotz der Ausweitung des Sortiments gesunken seien. Mit der zunehmenden Verlagerung auf die digitalen Kanäle gehe eine rasante Abnahme der Schaltertätigkeit einher. An verschiedenen Orten waren in den letzten Jahren auf dem WSB-Netz die Verkaufsstellen in eine Art Gemischtwarenläden umgewandelt worden. Nach der Schliessung der Kioske in Oberentfelden und Gränichen wird dieses Konzept zur Rettung der Bahnschalter im Wynen- und Suhrental noch in Muhen, Schöftland, Suhr, Reinach und Menziken aufrechterhalten.

Zumindest in Gränichen ist die Abbau-Ankündigung nicht unwidersprochen geblieben. In einem Leserbrief tat alt Gemeinderat Ruedi Gautschi seinen Unmut über die geplante Massnahme kund. Gautschi kündigte an, dass er via Unterschriftensammlung versuchen werde, die Schliessung zu verhindern.

Gemeinde zahlt 10'000 Franken

Nun stellt sich aber auch die Frage nach der Haltung der Gemeinde Gränichen. Schliesslich hat die WSB-Verkaufsstelle diese über Jahre hinweg beschäftigt. Der frühere Gemeindepräsident Rolf Arber sprach seinerzeit von vierjährigen Verhandlungen mit dem Bahnunternehmen. Gränichen hat dann – nach einem entsprechenden Beschluss der Gemeindeversammlung vom 28. November 2016 – den Kiosk mit 10'000 Franken pro Jahr subventioniert. Wie also stellt sich der Gränicher Gemeinderat zu den Plänen von Aargau Verkehr? Gibt es allenfalls auch einen offiziellen Versuch, die Bahn von den Schliessungsplänen abzuhalten?

Gemeindeammann Peter Stirnemann ist Realist. Zum einen stellt er klar fest: «Für unser Dorf und unsere Bevölkerung ist diese Schliessung sicher ein Verlust.» Und: «Wir bedauern diesen überraschenden Schritt der AVA.» Aus wirtschaftlichen Gründen, fügt Stir- nemann bei, könne der Gemeinderat den Entscheid aber nachvollziehen. Leider vermöge der seit drei Jahren von der Gemeinde subventionierte Schalterbetrieb mit Kiosk nicht den notwendigen Ertrag beziehungsweise eine grössere Kundenfrequenz mit entsprechenden Einnahmen zu generieren. «Mögliche Lösungsansätze, damit der Schalterdienst weiterhin aufrechterhalten werden könnte», sagt der Gemeindeammann, «wurden diskutiert.» Offenbar ergebnislos. Und die fehlende Wirtschaftlichkeit der bestehenden Dienstleistung sei belegt.

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Dass die Gemeinde den Subventionsbeitrag erhöhen könnte, um den Ertrag zu verbessern, schliesst Stirnemann aus: Aus naheliegenden Gründen: «Der Gemeinderat hat sich anlässlich der Klausurtagung das Ziel gesetzt, das Budget 2020 der Bevölkerung ausgeglichen zu präsentieren. Die entsprechenden Forderungen wurden anlässlich der Einwohnergemeindeversammlung vom vergangenen November 2018 von mehreren Stimmbürgern geäussert.» Um das Ziel zu erreichen, so Stirnemann, sei ein konsequentes Handeln notwendig. Das heisse, dass keine neuen oder höheren Ausgaben als bisher getätigt würden. «Deshalb ist eine Erhöhung der finanziellen Beteiligung an den Kosten der Verkaufsstelle AVA für uns auch keine Option.»

Peter Stirnemann zieht zwangsläufig ein nüchternes Fazit: «Da wir ja nicht als einzige Gemeinde von diesem Leistungsabbau der AVA betroffen sind, sehen wir eigentlich keine Möglichkeit, die Schliessung zu verhindern.» Bemühungen in diese Richtung habe es beispielsweise auch bei verschiedenen Bankschalter-Schliessungen gegeben, lässt Stirnemann durchblicken. Auch sie hätten nichts gefruchtet. Der Gemeinderat hoffe aber, dass die Bahn rechtzeitig die notwendigen Schritte einleite, um die Einwohnerschaft bestmöglichst auf die neue Situation – ohne persönliche Schalterbedienung – vorzubereiten.

Gränichen ist nicht die einzige Gemeinde, die in den letzten Jahren regelmässig Geld in die WSB-Verkaufsstelle gesteckt hat. Suhr lässt sich diese jährlich 25'000 Franken kosten. Muhen, wo eine Postagentur in den Kiosk integriert ist, lässt 15'000 Franken springen. Reinach steuert 7500 Franken bei. In Menziken dagegen lehnte die Wintergmeind 2016 eine Beteiligung in der Höhe von 10'000 Franken pro Jahr grossmehrheitlich ab. Nichts an «ihre» Verkaufsstellen zahlen auch die Gemeinden Oberentfelden und Schöftland.

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