Zuerst eine Motion, jetzt ein Postulat. Der Aarauer SP-Fraktionspräsident Oliver Bachmann lässt nicht locker: Er möchte, dass das Militär aus der Kaserne mitten in Aarau auszieht. Dass die Armee laut dem Entwurf ihres Immobilien-Konzeptes «Interesse und Bedürfnis für den Waffenplatz Aarau» hat, ist für Bachmann kein Grund vorzeitig die Segel zu streichen. Offenbar nach dem Motto «Jetzt erst recht» hat er zusammen mit Parlamentariern aus fünf anderen Parteien nun beim Ratsbüro des Einwohnerrates Aarau das Postulat «Aarau will das Rekrutierungszentrum nicht» eingereicht.

Aarauer wollen kein Rekrutierungszentrum in der Kaserne

Aarauer wollen kein Rekrutierungszentrum in der Kaserne

Vertreten sind SP, CVP, Grünliberale, Grüne, EVP und Pro Aarau. Ihre Absicht: «Wir möchten das Kasernenareal künftig zivil nutzen, um die Stadt Aarau weiterentwickeln zu können.»

Eigentlich hat Aarau nichts zu sagen

Das Postulat soll dringlich an der ersten Einwohnerratssitzung im Januar behandelt werden, denn die Verhandlungen zwischen Kanton und Bund dauern nur noch bis Ende Januar. Doch vermag ein Einwohnerrats-Postulat überhaupt etwas zu bewirken? Wird es überwiesen, bekommt der Stadtrat den Auftrag «sich in der Vernehmlassung gegen den Standort auszusprechen». Das kann die Stadt aber eigentlich gar nicht. Ein Mitspracherecht hat sie nicht. Beat Krättli von der SVP findet deshalb: «Sicherheitspolitik wird noch immer von Bund und Kanton gemacht, da ändert eine politische Schaumschlägerei im Einwohnerrat nichts daran. Das ist kein Kommunalthema.» Man diskutiere bloss über «ungelegte Eier».

Oliver Bachmann hält dagegen: «Es kann der Kantonsregierung nicht egal sein, was die Stadt meint.» Er könne sich durch die Stellungnahme der Stadt durchaus eine Haltungsänderung beim Kanton vorstellen. Krättli stellt infrage, ob das Postulat, auch wenn es im Einwohnerrat breit abgestützt sei, die Meinung der Bevölkerung widerspiegele.

Argumente gegen den Standort

Untermauert wird das Postulat immerhin durch drei Fakten: Die Infanterie-Durchdiener sollen laut dem Verteidigungsdepartement VBS Aarau verlassen. Damit wird der Schiessplatz Gehren in Erlinsbach obsolet – die Militärmusik würde ihn kaum noch benötigen.

Einziehen soll – das ist das zweite Argument für die Aufhebung des Standortes – das Rekrutierungszentrum von Windisch, obwohl die Windischer es gerne behalten würden.

Der Brugger Stadtammann Daniel Moser und Heidi Ammon, Gemeindeammann von Windisch, wollen sich ihrerseits für die Beibehaltung des Militärstandorts Windisch einsetzen. Moser sagt: «Ich habe mein Anliegen bei der Regierung bereits mündlich platziert.» Dass sich nun Aarauer Einwohnerräte gegen die Verschiebung aussprechen, ist für Moser ein wichtiges Puzzleteil.«Es wäre eine Win-Win Situation, würde das Rekrutierungszentrum in Windisch bleiben», sagt er.

«Intakte Infrastruktur in Windisch»

Auch Heidi Ammon fragt sich, ob eine Verschiebung nach Aarau sinnvoll wäre. Damit die Kaserne Aarau zum Rekrutierungszentrum umfunktioniert werden kann, müssen wahrscheinlich Investitionen getätigt werden. «Eine intakte Infrastruktur zu verlassen und in Aarau Gelder in einen neuen Ausbau zu investieren, ist aus Sicht einer nachhaltigen Finanzpolitik Geldverschwendung», so Ammon. «Der Vorstoss der Aarauer Einwohnerräte stärkt unsere Ausgangslage.» Anfang Januar werde der Gemeinderat Windisch eine Stellungnahme beim Regierungsrat deponieren.

Guignard: «Nicht zwingend»

Der abtretende Aarauer Stadtammann Marcel Guignard sagte nach der Bekanntgabe des VBS-Konzeptes Ende November, man sei davon ausgegangen, dass Aarau entweder ein Standort mit militärischer Ausbildung bleibe oder aufgegeben werde. Jetzt stehe man vor einer ganz neuen Ausgangslage: «Ein Rekrutierungszentrum an dieser zentralen Lage ist zumindest nicht zwingend.» Ein dritter Fakt spricht ebenfalls nicht für die Beibehaltung: Laut dem Bund will das VBS nur an Aarau festhalten, wenn der Kanton die Immobilien saniert und umbaut.

Für die Unterzeichner des Postulates zählt anderes: «Das Kasernenareal ist Aaraus wichtigster Entwicklungsraum. Mit einer Freigabe für eine zivile Nutzung kann die Achse Bahnhof–City-Märt–Altstadt zu einer urbanen Innenstadt wachsen.»