Unterentfelden

Der Vorkämpfer gegen Gross-Aarau: «Wir haben einen eigenen Charakter»

«Ich war am Anfang etwas blauäugig»: Bäcker Stefan Röösli (37) über seine Erfahrungen als Initiant eines Referendums.

«Ich war am Anfang etwas blauäugig»: Bäcker Stefan Röösli (37) über seine Erfahrungen als Initiant eines Referendums.

Bäcker Stefan Röösli steckt hinter dem Referendum gegen den Zukunftsraum. Er ergriff es in Einzelinitiative. «Ich dachte, ich probiere es einfach einmal», sagt er.

Am Schluss war es extrem knapp: Mit nur drei Unterschriften Reserve kam in Unterentfelden das Referendum gegen den Kredit für das Projekt Zukunftsraum Aarau zustande. Damit hat Stefan Röösli (37) einen ersten Grosserfolg erzielt.

Ob er es auch schaffen wird, dass der Unterentfelder Souverän am 21. Mai aus dem Fusionsvorhaben aussteigt, wird sich weisen. Für den Bäcker ist der Fall klar: «Ich möchte nicht unbedingt ein Aarauer werden. Wir Unterentfelder haben einen eigenen Charakter.»

Eigentlich müsste er sagen, wir Entfelder. Denn er ist zwar in Unterentfelden geboren und wohnt jetzt auch wieder dort, hat aber 30 Jahre in Oberentfelden gelebt. Und dort ist er auch unternehmerisch tätig: Auf den Jahreswechsel hat Stefan Röösli die an der Suhrerstrasse gelegene Bäckerei seiner Eltern übernommen. Ein Betrieb mit vier ausgelernten Bäckern und vier Teilzeit-Verkäuferinnen. 1963 gegründet von Stefans Grosseltern.

Er probierte es einfach

Röösli ist kein animal politique. Er sagt von sich, er sei parteilos und habe Sympathien «für die grüne Linie». An der Gemeindeversammlung, an der die Unterentfelder mit 113 zu 44 Stimmen Ja sagten zum Zukunftsraum, war er nicht dabei. Das hat berufliche Gründe: Als Beck ist er ab 3 Uhr nachts aktiv – da muss er abends schlafen.

Wie ist er dazu gekommen, als Einzelmaske das Referendum zu ergreifen? «Ich dachte, ich probiere es einfach einmal.» Und: «Ich wollte wissen, ob eine Person in einem Dorf etwas bewegen kann.» Fürs Erste ist ihm das gelungen: Im Zukunftsraum-Prozess gibt es ein Timeout bis die Unterentfelder entschieden haben (siehe Box unten).

Röösli gibt zu, dass er sich das Unterschriftensammeln etwas einfacher vorgestellt hatte: «Ich war am Anfang etwas blauäugig und dachte, das schaffe ich alleine. Aber ohne Hilfe hätte es nicht geklappt.» Unterstützung erhielt er von drei, vier SVP-nahen Personen.

Bäcker Röösli ging von Haus zu Haus. An acht Abenden und zwei Sonntagen. «Dass Abklappern von Türen brauchte schon etwas Überwindung», berichtet Röösli. Gesamthaft sei er 12 bis 13 Stunden unterwegs gewesen und habe dabei etwa 110 der über 250 Unterschriften gesammelt.

Röösli ist in Entfelden gut vernetzt. Er war 14 Jahre lang aktiver Leiter und ein Jahr lang Präsident der Jungschar Cevi. Und er gehörte zehn Jahre der Feuerwehr Oberentfelden an – bis diese fusioniert wurde, was ihm in der praktizierten Form nicht passte. Dass eine Einzelmaske mit einem Referendum durchaus Erfolg haben kann, hat zuletzt im Oktober in Hunzenschwil der Metallbau-Monteur Andreas Pfenninger (56) bewiesen. Auch er störte sich daran, dass an Gemeindeversammlungen die Stimmbeteiligungen extrem tief sind. In Unterentfelden lag sie Ende November bei 6,5 Prozent. An die Urne gehen deutlich mehr Stimmbürger – was Stefan Röösli hoffen lässt.

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