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Der viele Regen gefährdet Mais und Kartoffeln – Bauern hoffen auf Petrus

Bauer Christian Hauri betrachtet die dunklen Regenwolken, welche über einem seiner Weizenfelder in der Nähe von Seon aufziehen.

Bauer Christian Hauri betrachtet die dunklen Regenwolken, welche über einem seiner Weizenfelder in der Nähe von Seon aufziehen.

Das schlechte Wetter in den letzten Wochen und Monaten bringt Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben in Gefahr. Dafür freut der Regen die Schnecken, die es vorwiegend auf Jungpflanzen abgesehen haben.

Die Bauern wollen nicht jammern, aber sie wünschen sich besseres Wetter. Denn die starken Regenfälle von Anfang Mai haben die Böden durchnässt. Und jetzt fällt auch Pfingsten ins Wasser. «Es hat keine Luft mehr im Boden, den Wurzeln fehlt der Sauerstoff», sagt Andreas Distel, Leiter Pflanzenschutzdienst beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen.

Daran änderte auch das schöne Wetter über die Auffahrtstage nichts, denn das Wasser verdunstete nur an der Oberfläche – wenn überhaupt. «Viele Äcker standen unter Wasser. Gesetzte Kartoffeln sind deshalb regelrecht abgesoffen und verfaulen nun. Und der ausgesäte Mais keimt nicht mehr», sagt Distel.

Landwirt Christian Hauri aus Seon wartete deshalb mit seiner Mais-Saat bis Anfang Woche zu: «Der Boden war zu nass, um ihn befahren zu können. Dieses Jahr braucht es viel Geduld. Man läuft Gefahr, den feuchten Boden mit dem Traktor noch mehr zu verdichten.»

Einige seiner Kollegen haben bereits Mais- und Zuckerrüben-Saaten verloren: «Manche Parzellen wurden richtiggehend abgeschwemmt.» So auch der Kartoffelacker eines Seoner Kollegen von Hauri. Die für Kartoffelfelder typischen Furchen sind nicht mehr zu erkennen.

«Schneckendruck ist massiv»

Neben dem vielen Regen waren auch die tiefen Temperaturen im März und im April ein Problem: «Deshalb fielen einige Rübensaaten aus», sagt Andreas Distel. Auch die Maispflanze liebt Wärme. Ist es kälter als üblich, keimt der Mais langsamer und bleibt länger klein. Das freut die Schnecken, die es vor allem auf Jungpflanzen abgesehen haben. «Der Schneckendruck ist massiv», sagt Andreas Distel, der den Bauern aufgrund von Krankheitsprognosen Empfehlungen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gibt.

Gegen die Schnecken streuen die Bauern Schneckenkörner aus – der gleiche Wirkstoff wie in den Hausgärten, aber auf grösseren Flächen. Für Getreidefelder empfehlen die Experten von der Liebegg Fungizide. «Das feuchte Wetter begünstigt verschiedene Pilzkrankheiten», sagt Andreas Distel. So zum Beispiel die Krautfäule, die vor allem für Kartoffeln eine Gefahr darstellt. «Aus der Westschweiz, Bern und St. Gallen erreichten uns bereits Meldungen von befallenen Frühkartoffeln.»

Die im Oktober gesäten Winterweizenfelder sind bei Christian Hauri schon hüfthoch. Doch sie haben neben Pilzkrankheiten mit den Larven des Getreidehähnchens zu kämpfen. Diese fressen Löcher in die Blätter, die Pflanze kann so nicht mehr genug Energie gewinnen. Auf seinen Rundgängen durch die Weizenfelder hat Hauri dieses Jahr bereits einige der gefrässigen Larven entdeckt, die später zu sechsbeinigen Käfer werden, kaum grösser als ein Buchstabe dieser Zeitung. «Die Getreidehähnchen kommen jedes Jahr, ob es viel regnet oder nicht», sagt Hauri.

Viel Futtergras fürs Vieh

Auch die biologische Landwirtschaft hat mit dem schlechten Wetter zu kämpfen. «Das Pilzwetter ist für Biobauern eine grosse Herausforderung, gerade für empfindliche Kulturen wie zum Beispiel Erdbeeren. Biobauern können nicht in die Trickkiste der chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel greifen», sagt Georg Dällenbach aus Uerkheim. Er betreibt einen Demeter-Hof und ist Vorstandsmitglied von Bio Aargau.

Beim zurzeit schlechten Wetter überwiegen für ihn als Fleischproduzenten aber die Vorteile: Es wächst viel Futter. «Das Gras ist dieses Jahr besonders wüchsig», sagen gleich mehrere Bauern auf Anfrage. Allerdings ist auch dieser Futteranbau auf Sonne angewiesen, um das Gras zu schneiden und auf den Hof zu bringen. «Das schöne Wetter von 9. bis 12. Mai war darum Gold wert, die Bauern schnitten so viel, wie nur ging», sagt Tobias Beeler, Fachspezialist Futterbau an der Liebegg. Trotz den guten Wachstumsbedingungen birgt der Regen auch für den Futterbau eine Gefahr – wenn man mit dem Schnitt zu lange zuwarten muss. «Je älter das Gras, desto schlechter seine Qualität», sagt Christian Hauri.

Obstbauern müssen aufpassen

Der Demeter-Landwirt Fritz Graf aus Kirchleerau leidet noch nicht unter dem schlechten Wetter, da er vor allem Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen anbaut. «Wir spüren bis jetzt keine Auswirkung, müssen aber wegen des Wetters genauer aufpassen, damit nicht der Schorfpilz die Bäume befällt», sagt Graf. Dafür setzt er Tonerde-Schwefel-Mischungen und Demeter-Präparate ein. Ob seine Kulturen vom Schorf verschont bleiben, sieht er in den nächsten Tagen, wenn sich der erste Befall auf den Blättern zeigen sollte.

Trotz den misslichen Umständen geben die Bauern nicht auf: Jammern ist frühestens im Herbst erlaubt. «Noch ist es verfrüht, zu sagen, dass 2015 ein schlechtes Erntejahr wird. Aber bis jetzt hatte die Landwirtschaft schon mit einigen Problemen zu kämpfen», sagt Andreas Distel. Und nicht nur ihnen geht das schlechte Wetter langsam auf den Keks.

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