Die sollen doch froh sein, dass sie ein Dach über dem Kopf haben und in Sicherheit sind. Was gibt es da zu jammern, schliesslich haben wir im Militär auch im Bunker gelebt – solche Kommentare liest man häufig, wenn es um unterirdische Asylunterkünfte geht. Doch der Vergleich hinkt: Wehrmänner verbringen in Rekrutenschulen oder Wiederholungskursen allenfalls ein paar Wochen unter dem Boden, bei Asylsuchenden kann sich dies über Monate hinziehen, weil die Verfahren so lange dauern.

In dieser Zeit ist nicht klar, ob sie in der Schweiz bleiben können oder das Land wieder verlassen müssen – diese ungewisse Zukunftsperspektive schafft Probleme. Anders als die Soldaten, die im Bunker einen geregelten Tagesablauf haben, ihre Übungen absolvieren, am Abend in den Ausgang gehen und nach geleistetem Dienst wieder nach Hause, fehlt den Asylsuchenden eine solche Struktur. Man mag sich über Sinn und Unsinn gewisser Militärübungen streiten, die Zeit im Bunker ist bei vielen Soldaten unbeliebt – dennoch ist für sie die Rückkehr ins zivile Leben absehbar.

Ob der Iraner, der am Samstag einen Landsmann erstochen hat, unter dem sogenannten Bunkerkoller litt, ist nicht bestätigt. Es wäre unseriös, darüber zu spekulieren, ob dies ein möglicher Auslöser seiner Tat gewesen sein könnte. Temporär mag ein unterirdisches Asylzentrum zumutbar sein, zur dauerhaften Lösung darf es aber nicht werden. Natürlich können nicht alle 400 Menschen, die momentan in Notspitälern einquartiert sind, oberirdisch platziert werden. Zu prüfen wäre allerdings ein Rotationssystem, damit Asylsuchende nicht monatelang in Notspitälern oder Zivilschutzanlagen leben müssen.