Aarau

Der Verein Trittbrett dient den Eltern und den Kindern

Der Verein Trittbrett bietet Familien mit behinderten Kindern jeden Monat eine kurze Auszeit von der Betreuungsarbeit. Im Sommer 2008 haben Doris Hauri und Brigitte Tuchschmid, beides Mütter von Buben mit einer Behinderung, den Verein gegründet.

«Der Tag geht schnell vorbei», sagt Caroline Schmid aus Hirschthal, Mutter des behinderten zehnjährigen Rico. Kein Wunder bei diesem Programm: Während Rico den Samstag beim Trittbrett in der Heilpädagogischen Schule Aarau verbringt, kann sie zum Coiffeur und mit der Kollegin für ihre Gesundheitspraxis ein Fotoshooting durchführen.

Nachmittags gehts nach Reinach, wo die Tochter an einem Geräteturnwettkampf mitmacht.

Spahettata mit drei Saucen

Im Sommer 2008 haben Doris Hauri und Brigitte Tuchschmid, beides Mütter von Buben mit einer Behinderung, den Verein Trittbrett gegründet. Er lebt von Mitgliederbeiträgen und Gönnern. Doris Hauri organisiert den Samstag, macht Programm und Einsatzplan, ist auch für Znüni und Zvieri zuständig. Brigitte Tuchschmid übernimmt das Mittagessen.

Heute gibt es eine Spaghettata: Mit Pesto-, Cinque Pi- und Pouletsauce. Jan und Alessandra schneiden Rüebli und Salat; Gioya macht die Salatsauce.

14 Kinder mit Behinderungen, teils im Rollstuhl, sind am Samstag im Trittbrett. In die Betreuung teilen sich 12 Stammkräfte und zwei Praktikanten. Doris Hauri ist immer dabei; ihr Sohn Sascha leidet an frühkindlichem Autismus. Bei Krisen – Aggressionsschübe, Verweigerung – übernimmt sie.

Das Personal ist nicht speziell ausgebildet, doch Doris Hauri achtet auf Eignung. Darum sind im Hinblick auf das diesjährige Lager in Lungern die Kantischüler Mike Büchler aus Brittnau und Nadja Ulmann aus Egliswil am Schnuppern. Nadja macht im Sommer die Matura und möchte Heilpädagogin werden; an der HPS Lenzburg wird sie ihr Jahrespraktikum machen.

Kieselsteine, Schaukel, Ball

Nach dem Znüni haben Alessandra, Noah und Timo Lust zu malen. Aline Leitner sorgt dafür, dass alle zu ihren Farben kommen. «Um zehn Uhr ist Abmarsch zum Stauwehr, alle Kinder sollen noch schnell go bisle», ruft Doris Hauri.

Eine Gruppe bleibt bei den Spielgeräten im Hof der Schule; die andere spaziert zum Stauwehr Rüchlig, wo drei Buben Fussball spielen und die anderen sich auf Schaukelgeräten und mit den Kieselsteinen vergnügen. Céline lacht, wenn Betreuer Alain Nyfeler aus Gränichen den Clown macht. Am Nachmittag gehts in den Kleintierzoo.

Für Célines Vater Jérôme Hunziker aus Oberentfelden ist der Trittbrett-Tag ein Ritual, das einerseits das Einkaufen erleichtert, anderseits der Elfjährigen im Rollstuhl «Kontaktmöglichkeiten und eine Abwechslung» bietet.

Was für Eltern und Kinder gilt, gilt auch für die Betreuenden, die für ihren samstäglichen Einsatz 200 Franken erhalten. Kantischüler Tim Rohr aus Entfelden kennt die Arbeit mit Kindern mit Behinderung: Sein Bruder Jan ist auch da. Tim geniesst den Tag und schätzt es, «etwas Gutes zu tun fürs Geld.»

Für Alain Nyfeler ist die Trittbrett-Arbeit ein schöner Ausgleich zum Beruf: Menschlichkeit statt Bürokram. www.trittbrettaarau.ch

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