Aarau
Der Verein Altstadtbewohner nimmt Einwohnerratskandidaten unter der Lupe

Der Verein Altstadtbewohner Aarau (VAA) will in einer Umfrage von den Einwohnerratskandidaten wissen, was sie mit der Altstadt vorhaben. Einige Parteien monieren suggestive Fragen. Auch rät der VAA von der Wahl gewisser Kandidaten ab.

Janine Müller
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In Aaraus Altstadt sollte es nach Mitternacht ruhig sein, wünscht sich der VAA.

In Aaraus Altstadt sollte es nach Mitternacht ruhig sein, wünscht sich der VAA.

Chris Iseli/ AZ

In den letzten Tagen ist bei den Bewohnern der Altstadt eine Wahlempfehlung für die Einwohnerratswahlen vom 24. November in den Briefkasten geflattert. Der Verein Altstadtbewohner Aarau (VAA) um Präsident Bruno Nüsperli war erneut aktiv.

Im Visier: die Einwohnerratskandidaten. Der VAA schickte den Kandidierenden einen Umfragebogen mit Fragen zum Thema Altstadt. Dass der VAA sich vehement für eine ruhige Altstadt (vor allem nach Mitternacht) einsetzt, ist bekannt. Folglich dreht sich auch die Umfrage genau um diese Themen. Eine Frage lautet beispielsweise: «Wie sollen Lärm, Littering und Vandalismus verhindert werden?» Die möglichen Antworten darauf: Mit Verboten und strenger Polizeikontrolle, mit Selbsthilfe von Anwohnern und Wirten, keine Massnahmen – absolute Freiheit für alle. Ein Kästchen lässt Platz für eine eigene Antwort.

Umfrage sei tendenziös

Mit dieser Art und Weise, Fragen zu stellen, bekundeten einige Parteien Mühe. Die SP lässt verlauten, dass die meisten Kandidaten «der tendenziösen Umfrage des VAA und seines Präsidenten Bruno Nüsperli skeptisch gegenüberstehen». Und auch Pro Aarau findet, dass Fragen in einer solchen Umfrage optimal formuliert sein müssten. «Sie dürfen keine herrschende Meinung der Verfasser implementieren», schreibt Parteipräsident Ueli Hertig. Weil die Umfrage des VAA methodische Mängel aufweise, habe sich Pro Aarau dazu entschlossen, nicht darauf einzugehen. Nüsperli wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Man kann machen, was man will. Die Parteien, die jetzt nörgeln, sind natürlich betroffen.» Die SVP stellt sich hinter die Umfrage und findet, dass es «einfache Fragestellungen seien, welche mit geringem Zeitaufwand beantwortet werden konnten».

Einigkeit unter den Parteien besteht allerdings darin, dass die Umfrage eines Vereins vor Wahlen legitim ist. Auch, dass der Verein Wahlempfehlungen generiert. «Das belebt die Auseinandersetzung mit wichtigen Themen im sonst eher flauen Wahlkampf», findet die Aarauer CVP-Präsidentin Sonja Eisenring. Was die meisten Parteien allerdings nicht goutieren, ist, dass der VAA auch von der Wahl von gewissen Kandidierenden abrät. «Das geht meiner Meinung nach nicht», sagt EVP-Präsidentin Therese Dietiker.

33 zur Wahl empfohlen

Irritierend ist, dass gar nicht alle Kandidierenden den Fragebogen erhalten haben. Nüsperli kann sich nicht erklären, wie dies passieren konnte.

Von den 162 Kandidaten haben 51 die Umfrage ausgefüllt zurückgeschickt. «Ich war überrascht, dass wir so viele Rückmeldungen hatten», sagt Nüsperli. 33 davon empfiehlt der Verein Altstadtbewohner Aarau zur Wahl. Sämtliche Parteien sind vertreten. Die Parteien glauben allerdings nicht, dass diese Empfehlung viel zum Wahlresultat beitragen wird.