Aarau
Der verdächtige Enkel soll in U-Haft – plante er noch ein Verbrechen?

Der Verdächtige im Fall der getöteten Seniorin soll in U-Haft kommen – auch wegen «Ausführungsgefahr». Das bedeutet: Würde er aus der Haft entlassen, müsste mit einem weiteren Verbrechen gerechnet werden.

Roman Michel
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In diesem Haus wurde die 81-Jährige tot aufgefunden.

In diesem Haus wurde die 81-Jährige tot aufgefunden.

Peter Rippstein/Tele M1

Die ersten Ermittlungen im Mordfall von Aarau haben die Staatsanwaltschaft Aargau dazu bewogen, für den tatverdächtigen 27-jährigen Enkel der getöteten Frau eine dreimonatige Untersuchungshaft zu beantragen.

Interessant liest sich die Begründung der Staatsanwaltschaft: «Geltend gemacht werden insbesondere die Haftgründe der Verdunkelungs- wie auch der Ausführungsgefahr», schreibt die Untersuchungsbehörde in einer Medienmitteilung. Während die Verdunkelungsgefahr ein bekannter Haftgrund ist (siehe Box), bedeutet die Ausführungsgefahr nichts anderes, als dass der Tatverdächtige drohte, ein weiteres Verbrechen zu verüben.

Untersuchungshaft

Die Untersuchungshaft wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft durch das Zwangsmassnahmengericht angeordnet. Damit eine U-Haft zulässig ist, muss eine Person einer Tat dringend verdächtig sein. Zudem ist eine der folgenden Voraussetzungen zu erfüllen: Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr, Wiederholungsgefahr oder Ausführungsgefahr. Die Untersuchungshaft muss innerhalb von 48 Stunden nach der Verhaftung von der Staatsanwaltschaft beantragt werden. Das Zwangsmassnahmengericht hat weitere zwei Tage Zeit, um den Fall zu beurteilen. Die Haft dauert höchstens drei Monate, danach kann sie jeweils für höchstens drei weitere Monate verlängert werden. (ROM)

Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, bestätigt: «Von Ausführungsgefahr wird dann gesprochen, wenn die Angst für ein weiteres Verbrechen da ist.» Zu möglichen Anzeichen oder Drohungen mit weiteren Verbrechen wollte sie im Mordfall von Aarau auf Anfrage aber keine Stellung nehmen: «Die Staatsanwaltschaft wird schon ihre Gründe für diesen Schritt haben.» Strebel geht davon aus, dass der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts am Montag gefällt wird.

Wegen Ausführungsgefahr sitzt auch ein Aarauer Stadtpolizist in U-Haft. Er wurde im vergangenen Jahr von seiner eigenen Ehefrau wegen häuslicher Gewalt angezeigt. Nach seiner Verhaftung im September beantragte die Staatsanwaltschaft im November eine Verlängerung der Haft. Der Grund: Sie war der Meinung, es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Polizist ein schweres Gewaltverbrechen begehen könnte. Der Antrag wurde gutgeheissen.

Tod durch «spitze Gewalt»

Im Mordfall von Aarau wurde der mögliche Täter in der Zwischenzeit zum ersten Mal einvernommen. Ein Geständnis liegt jedoch nicht vor. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Mann psychische Probleme hat. Nachbarn wissen, dass er zur Behandlung in einer entsprechenden Klinik war.

Neuigkeiten gibt es zum Tötungshergang: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Opfer durch «spitze Gewalt» umgebracht wurde. Demnach muss die 81-jährige Frau mit einem scharfkantigen oder spitzen Gegenstand attackiert worden sein. Die Obduktion der Leiche ist noch nicht abgeschlossen.

81-jährige Frau in Aarau umgebracht
13 Bilder
Die Tochter der 81-jährigen Frau machte sich Sorgen, weil sie ihre Mutter telefonisch nicht erreichen konnte.
Ermittler suchen an der Tannenstrasse Spuren.
Die Ermittlungen sind in vollem Gange.
Auf Spurensuche mit dem Hund
Die Kantonspolizei sucht in der Nachbarschaft nach Spuren
Die Polizei durchsucht die benachbarten Gärten
Das Tatmotiv ist noch unbekannt.
Die Polizei hat eine Obduktion der Leiche angeordnet.
Vor dem Haus der 81-jährigen Frau steht ein Polizeiauto.
Erste Ermittlungen der Polizei zeigen, dass der Enkel der 81-Jährigen mitverantwortlich sein soll.
Die Polizei wurde von Bekannten des Opfers alarmiert.
Ein Ermittler der Spurensicherung trifft am Tatort ein

81-jährige Frau in Aarau umgebracht

Peter Rippstein/Tele M1