Aarau
Der Ventilator pustet kreativen Geist in die schmucklose Aula

Das Künstlerinnen-Duo Zobrist/Waeckerlin hat vor sechs Wochen ihr Atelier in die Aula des Oberstufenschulhauses verlegt. Seither arbeiten die Schüler mithilfe von bunten Papierstreifen, Konfetti und Farbrollen an einer grossen Schlussinstallation

Carla Stampfli (Text) und Chris Iseli (Fotos)
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Eine Schülerin der Oberstufe befestigt Streifen aus Krepppapier an einen Ventilator — und macht damit Luft sichtbar.

Eine Schülerin der Oberstufe befestigt Streifen aus Krepppapier an einen Ventilator — und macht damit Luft sichtbar.

Chris Iseli

Klebebänder türmen sich auf dem Boden der Aula des Oberstufenschulhauses Aarau. Auf den Tischen liegen bunte Krepppapier-Rollen, Scheren und pralle Luftballons. Mitten im Raum stehen Ventilatoren, von der Decke baumeln verschiedene Figuren aus Seidenpapier. Wie in einer Aula sieht es hier nicht aus, eher wie in einem Kunstatelier. Und das ist es auch — zumindest vorübergehend.

Vor fünf Wochen haben die Zürcher Künstlerinnen Agatha Zobrist und Theres Waeckerlin ihr Atelier in das Oberstufenschulhaus Aarau verlegt. Seither entwickelt und erarbeitet das Duo gemeinsam mit 65 Schülern aus drei Klassen und deren Lehrkräften verschiedene Ideen, die ihren Abschluss in einer Kunstinstallation finden werden. Es ist die dritte Umsetzung des Pilotprojekts «Artists in Residence an Schulen», das im Auftrag von «Kultur macht Schule», der Fachstelle für Kulturvermittlung des kantonalen Departements BKS, initiiert wurde (siehe Kontext).

Konfetti spuckender Ventilator ist Teil der Installation

An diesem frühen Nachmittag sind die Schüler der Integrations- und Berufswahlklasse im Einsatz. An einem Tisch schnipselt eine Schülerin Papier klein. Ihre Kollegin befestigt mithilfe von kleinen Klammern Perlmuttfolie an einen Standventilator und füllt den Zwischenraum mit den Konfetti. Der Ventilator beginnt zu brummen. Die Folie füllt sich mit Luft und bläst die bunten Papierschnipsel durch die Aula. Ein Lachen macht sich auf den Gesichtern der beiden Schülerinnen breit. Der Konfetti spuckende Ventilator wird Teil der Installation sein, die am Donnerstagabend anlässlich der Vernissage im Oberstufenschulhaus vorgestellt wird.

Die Luft sichtbar machen

«In diesen Wochen haben wir unter anderem ausprobiert, wie man Luft sichtbar machen kann», sagt Jeannine Hangartner, Leiterin des Pilotprojekts. Die Schüler, so die Kunstvermittlerin, hätten Spass daran, das Alltägliche in einen neuen Kontext zu stellen und mit verschiedenen Materialien zu experimentieren. «Die grosse Schwierigkeit lag darin, nicht zu wissen, worin die Schlussinstallation bestehen würde», sagt die 33-Jährige und fügt an: «Aber das ist auch das Besondere am Projekt.» Denn alles, was dem Künstler-Duo Zobrist/Waeckerlin zu Beginn ihrer Residenz zur Verfügung stand, waren die Räumlichkeiten: Aula, Werkzimmer und das sogenannte «Aquarium», einen von vier Fensterfronten geprägten Mehrzweckraum. Aus ihrem Atelier brachten die Künstlerinnen zusätzlich Arbeitsmaterial sowie einige Möbel mit. «Wir kamen einzig mit der Idee, eine Installation im ‹Aquarium› zu machen. Wie diese aussehen würde, war aber völlig offen», sagt Künstlerin Agatha Zobrist. So sind aus der gemeinsamen Arbeit in den vergangenen fünf Wochen etliche Ideen entstanden, die nun zusammengetragen werden. «Die Kunstinstallation wird ein Kompromiss zwischen unseren Welten und denen der Schüler sein», sagt Zobrist.

Papierbögen müssen trocknen

Wenige Tage fehlen bis zur Vernissage, die Zeit drängt. Schwungvoll gleiten im Werkraum Farbroller über grosse Papierbögen. «Das ist wie der Himmel», sagt Künstlerin Theres Waeckerlin und blickt auf die Tische, auf denen die Papierbögen in verschiedensten Blautönen liegen. Nun muss die Farbe nur noch trocknen, dann ist der Boden für die Installation fertig. In der Aula schneidet währenddessen die 16-jährige Johanna weissen Stoff, der später die Innenscheiben des «Aquariums» bedecken wird. «Die Arbeit mit den Künstlerinnen hat mir Spass gemacht. Wir würden gerne noch länger mit ihnen arbeiten», sagt sie und lächelt schüchtern.

«Super gemacht»

Kurz nach 15 Uhr ist die Doppelstunde mit malen, schneiden und kleben vorüber. «Ihr könnt richtig Gas geben», sagt Waeckerlin und blickt zu den Schülern der Berufs- und Integrationsklasse, die lässig in den mitgebrachten Sesseln hängen: «Das habt ihr super gemacht.» Kollegin Agatha Zobrist, Projektleiterin Jeannine Hangartner und Werklehrerin Sabrina Brogle nicken unisono. Die Jugendlichen verabschieden sich und verlassen die Aula — besser gesagt, das Kunstatelier.

Die Vernissage findet am Donnerstag,
18. September, um 19.30 Uhr, im Oberstufenschulhaus Aarau statt.