Aarau
Der Treppenlift wäre für den Aarauer Rentner Gérald Erne kein Problem

Das Forum der Älteren Region Aarau fordert eine Bauordnung, die altersgerechtem Wohnen gerecht wird. Gérald Erne zeigt an seinem Wohnhaus, wie das geht. Er könnte auch mit Rollstuhl in seinem Haus wohnen bleiben.

Hubert Keller
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Gérald Erne vor seinem Wohnhaus am Philosophenweg: Er hat vorgesorgt und sein «Stöckli» altersgerecht gebaut.

Gérald Erne vor seinem Wohnhaus am Philosophenweg: Er hat vorgesorgt und sein «Stöckli» altersgerecht gebaut.

Chris Iseli

Man kann den alten Leuten von Aarau nicht vorwerfen, sie seien träge geworden, zumindest ihren Wortführern nicht, die jeweils mit Nachdruck ihre Interessen und Begehren anmelden. Und so hat der Verein der Älteren Region Aarau (Forära) Stadträtin Angelica Cavegn, Vertretern der Abteilung Alter und Mitgliedern der Alterskommission ein Grundsatzpapier unterbreitet, das «nachhaltige Wohnkonzepte für alle Lebensphasen bis ins hohe Alter» verlangt.

Was damit gemeint ist, lebt Gérald Erne am Philosophenweg vor. Der 71-jährige Rentner hat noch vor der Pensionierung sein Einfamilienhaus um ein «Stöckli» erweitert und das Haupthaus den Jungen abgetreten. Im Nebenhaus, das er mit seiner Frau Eva-Maria bewohnt, hat der noch rüstige Mann alles so eingerichtet, dass er es auch im Rollstuhl bewohnen könnte. Die Toilette ist ausreichend gross, Schwellen gibt es keine, ein Treppenlift kann problemlos montiert werden, die Rampe zum Hauseingang gibt es noch nicht, doch sollte sie einmal nötig sein, gibt es auch hier kein unlösbares Problem.

Mehrkosten tragbar

Das versteht Gérald Erne unter «nachhaltigem Bauen»: Die Häuser und Wohnungen sollten so konzipiert sein, dass sie bis ins hohe Alter bewohnbar bleiben. «Wenn dies von Anfang an berücksichtigt wird, verursacht das Mehrkosten von 1 bis 2 Prozent», sagt Erne. «Spätere bauliche Anpassungen sind, wenn überhaupt noch möglich, sehr teuer.»

Der Anteil der Menschen über 65 nimmt massiv zu. In der Stadt Aarau waren im Jahr 2010 rund 2360 Menschen zwischen 65 und 79 Jahre alt, 1240 waren älter. Im Jahr 2015 werden, so die Prognosen der Abteilung Alter, 3250 Personen zwischen 65 und 79 und 1740 Personen 80 und älter sein.

Die meisten älteren Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause bleiben und ihr Leben selbstständig und selbstbestimmt gestalten können oder, falls sie doch umziehen müssen, im Quartier, in der Nachbarschaft wohnen bleiben. Das Forum der Älteren verlangt deshalb, dass Wohnraum so gestaltet wird, dass er «in allen Lebensphasen genutzt werden» kann.

Label für altersgerechte Wohnungen

Dieses Anliegen müsse im Raumentwicklungs-Leitbild, bei der laufenden Revision der allgemeinden Nutzungsplanung und in der Bauordnung Niederschlag finden, verlangt das Forum. Momentan fordert das Baugesetz nur bei Gebäuden mit mehr als acht Wohneinheiten ein hindernisfreies Wohnen, das reiche nicht. «Gleich dem Energie-Label muss ein Label für altersgerechte Wohnungen geschaffen werden», steht im an den Stadtrat adressierten Papier. Dies würde der Stadt gut anstehen. Und entspreche auch dem städtischen Altersleitbild sowie der Alterspolitik des Kantons, der das Prinzip «ambulant vor stationär» propagiert.

Wenn nämlich die Zahl der Älteren, die einen Platz im Alters- und/oder Pflegeheim benötigen, möglichst klein sein soll, müssten mehr altersgerechte, das heisst lebensgerechte Wohnungen geschaffen werden. Wenn die Behörde erst im Rahmen der Baubewilligung darauf Einfluss nehme, sei dies zu spät.

Viele Anforderungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Wohnung altersgerecht ist, seien deckungsgleich mit den Bedürfnissen von Eltern mit Kinder, Verunfallten, Behinderten, Handwerkern und Hauswarten, argumentiert der Forära-Vorstand und spricht deshalb von «Wohnungen im Universaldesign für alle Lebensphasen».

Gérald Erne weiss aus eigener Erfahrung, dass das möglich ist: «Der Aufwand ist vertretbar und vernünftig, die Mehrkosten sind gut investiert.» Er hat rechtzeitig vorgesorgt, damit er möglichst lange im Quartier an der Aare wohnen bleiben kann.