Buchs

Der SVP-Turbo, dem es in der Armee zu langweilig war

Samuel Hasler (22) amtet seit wenigen Wochen als Präsident der SVP Buchs.

Samuel Hasler (22) amtet seit wenigen Wochen als Präsident der SVP Buchs.

Samuel Hasler ist neuer Ortsparteipräsident der Buchser SVP – und in vieler Hinsicht aussergewöhnlich.

Ausgerechnet die SVP; ausgerechnet die Partei, die Heimat am grössten schreibt von allen, setzt in Buchs schon zum zweiten Mal auf einen Neuzuzüger: Samuel Hasler (22) hat das Ortsparteipräsidium von Wolfgang Schibler (69) übernommen – der Walliser beerbt den Freiämter. Dabei wohnt Hasler erst seit 2017 im Dorf. Die SVP war aber schon immer seine politische Heimat, für sie sitzt Hasler auch im Aargauer Jugendparlament, das er seit 2018 sogar präsidiert.

Aufgewachsen ist Samuel Hasler in Siders, wo mehrheitlich französisch gesprochen wird. Daheim war allerdings Deutsch angesagt, der Vater stammt aus St. Gallen, die Mutter ist Walliserin. Sie war es, die ihn politisiert habe, erzählt Samuel Hasler: «Wir haben oft zu Hause aktuelle Themen diskutiert. Sie war auch SVP-Mitglied, und ich habe sie ab und zu an Parteianlässe begleitet.» Schon seit 2015 engagiert sich Hasler selber politisch; unter anderem in der eidgenössischen Jugendsession, im Jugendparlament Wallis. Politische Bildung ist ihm ein wichtiges Anliegen.

Laut SVP-Website steht der Jungpolitiker ausserdem für «hartes Durchgreifen bei Sozialhilfebetrügern», will «keinen Luxus für Asylanten» und fordert, dass die «Sicherheit in Buchs auf jeden Fall gewährleistet» ist. Im persönlichen Gespräch mit der AZ ergänzt er: «Wir müssen gegenüber der EU viel stärker auftreten. Das Rahmenabkommen mit der EU zeigt, dass unsere derzeitige Regierung einfach nicht selbstbewusst verhandelt hat.» Ein Anliegen, das auf Bundesebene eingespeist werden muss – Hasler kandidiert für die Junge SVP auch für den Nationalrat.

Leidenschaftlicher Schütze

Bei der Postauto AG in Brig lernte Hasler Mediamatiker, arbeitete als Marketingspezialist in Sion, ebenfalls bei Postauto. Dann kam der Zivildienst. Und ja, da würden manche Leute stutzen, sagt Samuel Hasler: Dass er, der überzeugte SVPler und leidenschaftliche Pistolenschütze, keinen Militärdienst geleistet hat. Dabei habe er es versucht. Als Richtstrahler in Kloten. «Fünf bis sechs Wochen war ich da», erzählt Hasler, «und was ich gesehen habe, hat mich erschüttert. Unter anderem das stundenlange Nichtstun. Ich will einen Dienst an meinem Land leisten, der eine Wirkung hat. Das habe ich dort gar nicht erlebt.»

Als Zivildienstleistender konnte er schliesslich unter anderem bei einer Firma arbeiten, die Arbeitslose im Bereich IT ausbildet. «Da konnte ich einen direkten Impact sehen.» Trotzdem betont Hasler, stehe er hinter dem Militär: «Einfach nicht mehr in der bisherigen Form. Es braucht mehr Fokus auf Terrorbekämpfung, Cyberkriminalität und Katastrophenhilfe.»

Er fackelte nicht lange

Weil er vermehrt im IT-Bereich arbeiten wollte, suchte er sich nach dem Zivildienst einen Job in der «Üsserschwiiz» – «Das Wallis ist nach wie vor nicht gerade eine IT-Hochburg, und ich wollte noch mehr sehen von der Schweiz als nur Berg und Tal», sagt Hasler. Bei der Hint AG in Lenzburg fand er einen Job als Service Desk Manager IT, in Buchs eine kleine, günstige Wohnung, wo er noch heute mit seiner deutschen Freundin wohnt. «Hier fühle ich mich pudelwohl.»

Noch am Tag der Wohnungsübernahme im Herbst 2017 meldete er sich bei der SVP Buchs an. Kurz darauf kam der Anruf von Parteipräsident Wolfgang Schibler. Ein kurzes Telefonat und ein Treffen in der «Burestube» Buchs später stand Samuel Hasler auf der Kandidatenliste für die Einwohnerratswahlen. «Wenn ich etwas für die SVP tun kann, dann fackle ich nicht lange.»

Schulhaus hat «zu viel Luxus»

Zur Wahl gereicht hat es dem Neo-Buchser dann nicht, derzeit belegt er den zweiten Ersatzplatz. In den Vorstand schaffte er es schneller, erst als Kassier und nun eben als Präsident. Hasler sieht kein Problem in seinem Neuzuzüger-Status: «Ich stehe für Buchs ein.» Dazu gehörte in jüngster Vergangenheit auch die dezidierte Haltung gegen einen Beitritt zum «Zukunftsraum Aarau». «Ich sehe nicht ein, warum wir fusionieren sollten. Buchs hat alles, was es braucht – die Wirtschaft und das Dorfleben funktionieren.» Klar, da sei die Sache mit der schwierigen Finanzlage und der anstehenden Abstimmung über das neue Risiacher-Schulhaus: «Wir stehen dahinter, dass es ein neues Schulhaus braucht, aber die jetzige Version beinhaltet aus unserer Sicht zu viel Luxus.» Der Steuerfuss wird sehr wahrscheinlich vom Regierungsrat deutlich angehoben, «aber längerfristig muss er sicher wieder runter», so Hasler.

Auch punkto Raumplanung sieht Samuel Hasler Handlungsbedarf. Wie schon Parteikollege Dieter Stüssi im AZ-Interview kritisiert Hasler eine Parallelkultur-Bildung, besonders an der Aarauerstrasse («Little Istanbul»). Ja, sagt er, «ich war schon mal da und habe mir das angesehen. Es gibt sicher einen Markt für die Läden da – aber ich bleibe bei Migros und Coop.»

«Ich fühle mich hier sehr willkommen» – Stimmen und Eindrücke aus der Aarauerstrasse in Buchs

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