Hirschthal

Der Strom fliesst – das Wasser noch spärlich

Die erste Wasserschnecke im Aargau: Die Gäste inspizierten an der gestrigen Einweihung das Kraftwerk.  kus

Die erste Wasserschnecke im Aargau: Die Gäste inspizierten an der gestrigen Einweihung das Kraftwerk. kus

Das Kraftwerk mit der speziellen Wasserschnecke wurde gestern in Hirschthal mit rund hundert Gästen im Beisein von prominenten Gästen aus Politik und Wirtschaft eingeweiht.

Eine Leistung von 12,8 Kilowatt zeigte die Anzeige im Maschinenraum des kleinen Wasserkraftwerkes gestern an. Die Suhre führt nur wenig Wasser. Das war der Bauherrin, der Pfiffner Messwandler AG, während der Bauzeit dienlich, doch jetzt freut sich Chef Fritz Hunziker über mehr Regen. Als wäre sein Wunsch erhört worden, begann es während seiner Begrüssung zu regnen.

In den 90er-Jahren war sein Vater noch mit einem neuen Kraftwerkprojekt beim Kanton gescheitert – nun besitzt die Pfiffner Messwandler AG ein Vorzeigeprojekt. Sie hat es sich einiges kosten lassen: Mit 1,25 Millionen Franken Investitionen wurde gerechnet, laut Ingenieur Peter Meier wurde das Budget um rund 20 Prozent überschritten. Viel wurde in die Gestaltung der Umgebung investiert, dazu gehören die Fischtreppe und ein Fischzählbecken. Seit drei Wochen läuft die Wasserschnecke, 20 Tonnen Wasser drehen in ihr bachabwärts. Ingenieur Meier ist zufrieden: Die Geräte und Maschinen haben alle Tests und Notstopps tadellos gemeistert.

Schaffen wir es ohne AKW?

Nachdem Gemeindeammann Peter Stadler die Anlage als «sicht- und begreifbare Energieerzeugung» gelobt hatte, stand die Frage im Raum: Schaffen wir es ohne Atomkraftwerke nur mit erneuerbaren Energien? Denn das neue Kraftwerk liefert Energie für knapp 100 Haushalte – erst 20000 davon könnten die Leistung des AKW Gösgen ersetzen.

Gesprächsleiter Philipp Mäder, stellvertretender Chefredaktor der Aargauer Zeitung, forderte die prominenten Gäste am Podiumsgespräch heraus. Nationalrätin Corina Eichenberger fand, der Entscheid des Regierungsrates zum Atomausstieg sei differenzierter als jener des Bundesrates. «Es ist wichtig, dass wir uns der Atomtechnologie nicht ganz verschliessen, sie könnte wieder aktuell werden.» Das Beste sei ein Mix der verschiedenen Energiequellen.

Landammann Urs Hofmann sagte, Kleinstwasserkraftwerke würden sich nicht immer lohnen, ein Kleinwasserkraftwerk wie dieses sei aber ein gutes Beispiel. Und durch den Entscheid zum Atomausstieg entstünde Druck, den er gut finde.

Der dritte Podiumsteilnehmer, Hans-Kaspar Scherrer, Vorsitzender der Geschäftsleitung IBAarau, nannte dies eine «sportliche» Herausforderung für Unternehmen, ihre Produktion zu optimieren, um die steigenden Stromkosten zu kompensieren. Und sein Geschäftszweig? «Unsere Branche muss sich schnell neu orientieren. Photovoltaik reicht nicht, wir müssen nach weiteren Energieträgern suchen.» Denn auch die fossile Energie werde bald durch Strom ersetzt werden müssen. Vielversprechen sei die Geothermie.

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