Aarau
Der stimmige Orgel-Soundtrack zu «La Passion de Jeanne d’Arc»

Johannes Fankhauser improvisiert am «Musig i de Altstadt» auf der Orgel zu einem 5-Akte-Stummfilm.

Janine Gloor
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Am Gratisfestival «Musig i de Altstadt» öffnet auch die Stadtkirche ihre Tore – für einen ganz speziellen Beitrag. Johannes Fankhauser wird am Samstagabend um 20.30 Uhr auf der Orgel zu einem Stummfilm improvisieren. Den Film hat er selbst ausgewählt: «La Passion de Jeanne d’Arc» aus dem Jahr 1928. Er zeigt den Prozess, die Verurteilung und den Tod der legendären Freiheitskämpferin. Keine leichte Kost, dessen ist sich Fankhauser bewusst. «Das Thema ist sehr ernst, doch ich habe das bewusst gewählt. Es soll einen Kontrast zum restlichen, lustigen Teil des Fests darstellen», sagt er.

Improvisieren heisst nicht, dass Fankhauser den Film zum ersten Mal sieht und dazu einen Soundtrack erfindet. Eine sorgfältige Vorbereitung ist wichtig. «Man muss den Film kennen», sagt der Organist aus Therwil. Fankhauser hat am «Musig i de Altstadt» schon mehrmals improvisiert. Er hat sich den Ablauf des Filmes aufgeschrieben und überlegt, welche Musik am besten passen würde. Choräle schienen geeignet. Und natürlich das Lothringer Lied. Bei der Aarauer Orgel hat Fankhauser schon die passenden Register ausgesucht. Diese Vorbereitungen müssen reichen, eine Hauptprobe gibt es keine, die Orgel ist schon ausgebucht.

«Vor einer Improvisation bin ich schon ein bisschen nervös», gesteht Fankhauser. Während eines solchen Auftritts könne er schon mal ins Schwimmen kommen. «Dann braucht es ein gutes Krisenmanagement.» Gegen die Nervosität helfe, dass man als Organist nicht von den Zuschauern gesehen werde. Zumal sich diese sowieso auf den Film konzentrieren müssen.

Der Film dauert 90 Minuten und ist in fünf Akte eingeteilt. Optisch werden diese kaum merklich mit einem Szenenwechsel ineinander übergehen. Johannes Fankhauser aber gönnt sich und dem Publikum bei jedem Akt eine kurze Pause. Wer nach anderthalb Stunden Jeanne d’Arc mit ernsten Orgelklängen bleibende Schäden befürchtet, darf auch etwas früher davonschleichen. «Das nehme ich niemandem übel», sagt Fankhauser. «Bei diesem Festival geht es schliesslich darum, dass man an verschiedenen Orten reinhören kann.»