Suhr
Der Steuerfuss von Suhr soll bei 105 Prozent bleiben – trotz tiefroter Zahlen

Die Gemeinde muss mit dem Budget 2014 in den sauren Apfel beissen: Die Investitionen für die Schulanlagen lassen die finanzielle Lage düster aussehen. Der Steuerfuss aber soll nicht erhöht werden.

Katja Schlegel
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Steigt der Cashflow in den nächsten Jahren nicht an, wird der Steuerfuss wohl steigen.

Steigt der Cashflow in den nächsten Jahren nicht an, wird der Steuerfuss wohl steigen.

Das harte Szenario, das Finanzvorstand Marco Genoni angekündigt hat, ist eingetroffen: Das Budget 2014 – zum ersten Mal nach dem neuen Rechnungsmodell HRM2 – schreibt tiefrote Zahlen. Das operative Ergebnis liegt 1,23 Millionen Franken im Minus, das Finanzierungsergebnis weist einen Fehlbetrag von gut 10,5 Millionen aus. Der Steuerfuss bliebt aber unverändert bei 105 Prozent.

Weitere Traktanden der Gemeindeversammlung

Für die Sanierung der Altlasten auf dem Gebiet des Schulhauses Feld müssen die Suhrer über einen Kredit von 255 000 Franken entscheiden. Dazu kommt ein Ausführungskredit über 6,5 Millionen für die Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Feld. Für die Schulraubeschaffung Dorf ist ein Projektierungskredit von 845 000 Franken zu bewilligen. Weiter sind verschiedene Bürgerrechtszusagen traktandiert.

Die Einwohnergemeindeversammlung findet am Donnerstag, 28. November, 19.30 Uhr, im Zentrum Bärenmatte statt. (ksc)

Von den rund 11,5 Millionen, die die Gemeinde 2014 investiert – alleine 8,5 Millionen werden im Bildungsbereich für Schulhausneubauten und Sanierungen gebraucht –, kann sie nur gerade 991 000 Franken mit eigenen Mitteln finanzieren. Mit dieser knappen Million liegt der Cashflow zwar leicht höher als noch im Budget 2013 (siehe Box mit Kennzahlen), liegt aber weit unter den Zielvorstellungen der Finanzstrategie. «Wir erhoffen uns, dass sich der Cashflow in den nächsten Jahren bei drei bis vier Millionen einpendelt», sagt Genoni. Denn der Selbstfinanzierungsgrad liegt heute bei nur gerade 8,6 Prozent. Ein kritischer Wert: Gemäss Richtwerten der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren sollte der Selbstfinanzierungsgrad mittelfristig im Durchschnitt gegen 100 Prozent betragen.

Cashflow muss unbedingt steigen

Leicht gestiegen ist der Umsatz: Er liegt bei 40,67 Millionen und damit rund 3,6 Millionen höher als im Budget 2013. Dieser Anstieg ist aber zu einem ansehnlichen Teil auf die Änderung des Rechnungsmodells zurückzuführen. HRM2 verlangt eine neue Abschreibungsmethode: Neu werden Investitionen linear über die gesamte Lebensdauer abgeschrieben, und nicht mehr nach Prozenten über einen kürzeren, fixen Zeitraum.

Mit der Umstellung mussten Investitionen der letzten 20 Jahre aktiviert werden, was im Falle von Suhr zu einer Aufwertung der Investitionen und Abschreibungen von 2,2 Millionen führt. Da in Suhr vor der Umstellung alle Anlagen vollständig abgeschrieben waren, kann der ganze Betrag von 2,2 Millionen aus der Aufwertungsreserve entnommen werden. «Derzeit haben wir noch keine zusätzliche Belastung, mit den Investitionen der nächsten Jahre werden die Abschreibungen aber auf drei bis vier Millionen steigen», sagt Genoni. Das operative Ergebnis, das durch die Abschreibungen mit 1,23 Millionen im Minus liegt, müsse künftig um eine schwarze Null bewegen, so Genoni. «Das operative Ergebnis darf sich nicht weiter verschlechtern.»

Steuerfuss soll bleiben

Um das zu erreichen, muss der Cashflow, also die Eigenfinanzierung, steigen. Diesbezüglich hat die Gemeinde bereits Vorarbeit geleistet, wie Genoni erklärt: Sie hat beispielsweise die familienergänzende Kinderbetreuung ausgebaut. Damit schlägt die Gemeinde zwei Fliegen auf einen Schlag: Erstens erhöht das Angebot die Attraktivität der Gemeinde und lockt neue Steuerzahler an. Zweitens zählt der präventive Aspekt; durch die frühe Betreuung der Kinder funktionieren Einschulung und Integration besser, was sich ebenfalls günstig auf die Ausgaben auswirkt.

Auch bezüglich Steuereinnahmen zeigt sich Genoni optimistisch: «Durch die erwartete hohe Neuzuzügerzahl und die Ansiedelung neuer Unternehmen erwarten wir eine Steigerung der Steuereinnahmen.» Gemeinsam mit den Darlehens-Rückzahlungen durch die TBS von einer Million pro Jahr könne so die Nettoschuld langfristig abgebaut werden. «Wir hoffen, dass wir so den Cashflow auf drei bis vier Millionen stemmen können und um eine Steuerfusserhöhung herum kommen», sagt Genoni. Man werde die Situation im Sinne eines Monitorings laufend überprüfen.