Aarau
Der Stadtbach wird doch nicht weiter geöffnet

Ein letzter Versuch, den Stadtbach in der Vorderen Vorstadt zu öffnen, scheiterte knapp im Einwohnerrat.

Nadja Rohner
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Stadtbach

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Luis Hartl

Die Projektpläne für die Sanierung und Umgestaltung der Vorderen Vorstadt liegen schon bald öffentlich auf. Gestern bewilligte der Einwohnerrat einen Kredit von 393 000 Franken für Hochwasserschutzmassnahmen im Zusammenhang mit dem Stadtbach, der unterirdisch fliesst und eine grössere Röhre bekommen soll. Diese ist Teil eines grossen Massnahmenpakets mit Leitungen und Kontrollschächten (Kostenpunkt: rund 2,5 Mio. in den nächsten zwei Jahrzehnten), dank dem die Innenstadt künftig vor einem 100-jährigen Hochwasser geschüzt werden soll.

Die Notwendigkeit eines verbesserten Hochwasserschutzes war im Rat unbestritten, entsprechend fiel der Schlussentscheid einstimmig. Zu reden gab allerdings ein Rückweisungsantrag von Ueli Hertig (Pro Aarau). Er wollte das Projekt zurück an die Planer schicken, damit diese eine Öffnung des Stadtbachs analog zur Altstadt planen könnten. Hertig argumentierte, es komme so oder so zu einer Kostensteigerung, und den Hochwasserschutz könne man auch mit einer Offenlegung des Stadtbachs erreichen. Das Projekt müsste nicht neu angefangen, sondern lediglich überarbeitet werden. Es solle für 50 Jahre Bestand haben, «da kann eine kleine Verzögerung für ein attraktives Projekt problemlos in Kauf genommen werden». Petra Ohnsorg (Grüne) sagte, der offene Stadtbach sei als Element «historisch belegt» und sei «ganz wesentlich für die Herstellung eines Bezugs zur Altstadt». Die repräsentative Achse Vordere Vorstadt solle sich optisch mit der Altstadt verbinden. Nicola Müller (SP) pflichtete bei: «Wenn wir das Geld schon ausgeben, soll doch auch etwas Schönes dabei rauskommen.»

FDP, SVP und CVP sahen das anders und stimmten gegen die Rückweisung. Das Projekt solle «zügig angegangen werden können», so Rainer Lüscher (FDP). Susanne Heuberger (SVP) monierte unter anderem, dass der Rückweisungsantrag sehr kurzfristig eingereicht worden war (letzte Woche) und die Zeit für eine Meinungsbildung zu knapp gewesen sei. Ausserdem sei die Vordere Vorstadt punkto Verkehrsaufkommen nicht mit der Altstadt zu vergleichen. Vizestadtpräsident Werner Schib (CVP) warnte vor massiven Mehrkosten und langer Verzögerung.

Die Rückweisung wurde mit 24 Ja zu 25 Nein abgelehnt. Das Zünglein an der Waage spielte Alois Debrunner (SP), der als Einziger seiner Fraktion Nein stimmte. "Das wirst du in 20 Jahre noch zu hören kriegen", witzelte ein Ratskollege nach der Sitzung.