Aarau
Der Schnee knickte sie um: Nun bekommt die Trauerweide professionelle Hilfe

Nach dem Schnee-Schaden: Fachleute helfen dem einstigen Aarauer Prachtsbaum, eine neue Krone aufzubauen.

Hans Peter Roth
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Die Trauerweide (Bildmitte) war ein markanter Baum vor der Silhouette der Stadt Aarau.

Die Trauerweide (Bildmitte) war ein markanter Baum vor der Silhouette der Stadt Aarau.

Mathias Küng

Motorsägen dröhnen, laut rattert ein Häcksler. Tonnenweise liegt Fallholz am Boden. Sie bietet ein trauriges Bild, die Trauerweide bei der Kettenbrücke an der Schiffländestrasse in Aarau. Sie war eine der mächtigsten ihrer Art im ganzen Kanton – bis zum grossen Schnee von letzter Woche. Dieser hat den Baum eines Grossteils seiner Krone beraubt. Sie brach unter der enormen Nassschneelast.

Der Todesstoss für die bis zu 140 Jahre alte Trauerweide? Nein. Die Baumpfleger wollen retten, was zu retten ist. Fachgerecht schneiden sie die Bruchstellen nach. Den Verantwortlichen ist es wichtig, den Baum für weitere Jahrzehnte zu erhalten. «Denn die Trauerweide hat für die Bevölkerung von Aarau eine sehr grosse Bedeutung», sagt Pascal Müller, Leiter Betrieb und Unterhalt der Stadt Aarau: «Sie ist stadtbildprägend und auf zahlreichen Fotos verewigt.»

Stadt sprach sich gegen das Fällen des Baumes aus

Müller hat deshalb gemeinsam mit Max Jaggi, Leiter Stadtgrün Aarau, den Erhalt des Baumes beschlossen. «Dafür werden nun geeignete Massnahmen eingeleitet», sagt Max Jaggi. «Wie gut sich der Baum von diesem Ereignis erholen wird, werden die nächsten Jahre zeigen.» Seit vier Jahren kontrolliert Fabian Dietrich die Trauerweide im Auftrag von Müller jährlich. Vor drei Jahren reduzierte der Baumpflegespezialist mit seinem Team die Angriffsfläche der imposanten Baumkrone für Sturm und Schnee durch einen Entlastungsschnitt.

Sehen Sie den Baumpfleger ganz oben? Das Team von Fabian Dietrich (vorne) kümmert sich um die verletzte Trauerweide.

Sehen Sie den Baumpfleger ganz oben? Das Team von Fabian Dietrich (vorne) kümmert sich um die verletzte Trauerweide.

Zur Verfügung gestellt

Bittere Ironie: «Der Termin für den nächsten Entlastungsschnitt wäre Anfang Februar gewesen.» Nun hat der schwere Schnee neue Fakten geschaffen und die Krone der Trauerweide auf seine Weise «entlastet». Allerdings betont Pascal Müller, «dass die angerichteten Schäden vermutlich noch gravierender ausgefallen wären», ohne die bereits erfolgten frühzeitigen Entlastungsschnitte. «Darum wurden diese Pflegemassnahmen auch regelmässig ausgeführt.»

«Weiden treiben rasch und kräftig wieder aus»

Fabian Dietrich zeigt sich denn trotz dem «traurigen Ereignis» auch optimistisch. «Die Vitalität des Baumes ist sehr gut», meint der Spezialist der Firma Baumpflege Dietrich GmbH aus Därligen BE: «Weiden treiben rasch und kräftig wieder aus.» So werde die Trauerweide im Laufe einiger Jahre «eine schöne Sekundärkrone» aufbauen.

Den Aufbau einer möglichst natürlichen neuen Baumkrone wollen seine Mitarbeiter mit jährlicher Kontrolle und einem «Aufbauschnitt» unterstützen. Fabian Dietrich ist überzeugt, dass die Trauerweide bei der Kettenbrücke eine gute Lebenserwartung habe und noch «viele Jahrzehnte» weiter bestehen könne. «Dies gilt auch für sehr viele andere Bäume, die durch den Schnee gelitten haben.»

Aarau bietet Gartenbesitzern ausserordentlichen Häckseldienst an

Aktuell stehen viele Gartenbesitzer vor dem Problem: Wohin mit den heruntergerissenen Ästen? Als erste Stadt bietet nun Aarau nächste Woche vom 27. bis 29. Januar mit dem Werkhof einen ausserordentlichen Häckseldienst an, zusätzlich zum geplanten Dienst vom 24. Februar (Anmeldung via Werkhof). Die Stadt bittet die Bevölkerung ausserdem, vorsichtig zu bleiben und sich nicht unter Bäumen aufzuhalten. «Es braucht Zeit, bis alle beschädigten Äste entdeckt und entfernt worden sind», so die Sektion Kommunikation. Seit Freitag ist die Stadt daran, die über 3000 öffentlichen Bäume zu kontrollieren und die Schäden zu erfassen. «Zurzeit haben wir noch keinen vollumfänglichen Überblick. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass mehrere Dutzend Bäume ersetzt werden müssen und dass mehrere hundert geschädigt wurden.» (ksc/hpr