Aarau

Der Schatz wird vor dem Verblassen gerettet: Fotograf Werner Erne schenkt seine Fotos dem Stadtmuseum

Projektleiterin Laura Aellig holt den letzten Teil der Negative aus Werner Ernes Fotonachlass in dessen Wohnung ab.

Projektleiterin Laura Aellig holt den letzten Teil der Negative aus Werner Ernes Fotonachlass in dessen Wohnung ab.

In mehr als 60 Jahren als Fotograf hat Werner Erne (89) Abertausende von Bildern gemacht. Nun schenkt der Aarauer Fotograf seinen Fotonachlass dem Stadtmuseum Aarau.

Kistenweise tragen die Männer das Lebenswerk von Werner Erne die Treppe hinunter. Stock für Stock und durch die Buchhandlung Kronengasse auf das Altstadtpflaster hinaus. Das Pflaster, das der Fotograf aus seiner Wohnung genaustens beobachtet und festgehalten hat.

Das Ziel der Kisten ist nah, Werner Erne (89) hat seine Fotosammlung dem Stadtmuseum Aarau geschenkt. Gestern wurde die letzte Tranche des Fotonachlasses aus seinem Estrich abgeholt. «Ein befreiendes Gefühl», sagt Erne. In mehr als 60 Jahren als Fotograf hat er Abertausende von Bildern gemacht. Manchmal habe er einige Fotos wieder hervorgeholt und angeschaut. «Aber nur einen kleinen Teil.» Zudem sei er bald 90 Jahre alt, «man muss Ordnung machen». Die Löcher, die nun im Regal im Estrich zurückbleiben, geben Werner Erne ein Gefühl der Ruhe.

Die Bilder sind ja nicht weit. Und sie sind jetzt sicher aufbewahrt. «Jetzt geht es darum, die Sammlung zu erschliessen und fachgerecht zu konservieren», sagt Projektleiterin Laura Aellig. Einige der Bilder, zum Beispiel die Planfilmnegative zeigen Alterserscheinungen, sie sind brüchig und verblassen. «Die ­Zersetzung ist eine Folge des Essigsäure-Syndroms», sagt Fotokonservatorin Barbara Spalinger. Das Syndrom ist ansteckend und unaufhaltbar. Diese Bilder müssen so schnell wie möglich digitalisiert werden.

Die Aufnahmen zeigen, welche Arbeit hinter einer Werbung steckt.

Die Aufnahmen zeigen, welche Arbeit hinter einer Werbung steckt.

Die genaue Zahl von Bildern zu ermitteln, ist schwierig. Als Beispiel: Von den Planfilmnegativen sind insgesamt 12'250 Filme vorhanden. Dazu kommen 557 Aufträge mit mehreren Filmen pro Auftrag im Mittelformat und 3430 Filme à 36 Bilder im Kleinbildformat. Und Dias und nochmals mehrere zehntausend digitale Bilder.

Das wertvollste Stück der Sammlung aus kuratorischer Sicht ist aber kein Bild, sondern das sogenannte Tagebuch. In einem Ordner, dem man sein Alter ansieht, hat Erne die Filme notiert, mit Nummer, Stichwort und Datum versehen. Dieses Buch erleichtert dem Museum die Arbeit enorm.

Werner Ernes Werk in Worte zu fassen, ist ebenfalls schwierig. Er hat mehrere Jahrzehnte Zeitgeschichte dokumentiert, in der Region und im Ausland. Werbungen von Bally, Trüb und Kern, Porträts von Aarauer Persönlichkeiten, Pferderennen in Paris und das Schwarzeis des Silsersees. In seiner Wohnung an der Kronengasse steigt er die Treppen hinauf und hinunter, serviert Kaffee und begutachtet eine Reihe Negative auf der Leuchtplatte, bevor sie ins Stadtmuseum ziehen.

Angesprochen auf die Bilder, Aufträge und Momente in seinem Leben kommen ihm Anekdoten in den Sinn – «Blitzmomente» nennt er sie, über die er immer wieder lachen muss. Die Lücken sind bei Werner Erne nur im Estrich über seiner Wohnung.

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