Unterentfelden
Der Rotstift erwischt sogar die Papiermulde im Werkhof

Im Dezember noch brachten die Unterentfelder Stimmbürger keine konkreten Sparvorschläge, um das Budget zu entlasten – jetzt zeigen sie sich als Sparfüchse. Selbst über den Beitrag für das «Äntefescht» wurde am Montag abgestimmt.

Katja Schlegel
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Montage SSA

Die Unterentfelder quetschen ihr Budget aus wie eine Zitrone. Vom dicken Tropfen von 50000 Franken für die kostenlose Bestattung von Einheimischen bis zum Spritzer von 2000 Franken für den Waldumgang – jeden vertretbaren Posten hat der Gemeinderat gestrichen, um seinen Stimmbürgern das Budget mit einem Steuerfuss von 108 Prozent doch noch schmackhaft zu machen.

Diese gingen nun an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Montagabend noch weiter und stellten auch Positionen infrage, die der Gemeinderat belassen will. «Wir haben kein Geld und feiern doch eine Party?», fragte jemand aus dem Publikum. Eine nicht ganz unberechtigte Frage. Sie zielte auf die 55000 Franken für das «Äntefescht» ab, das alle drei Jahre gemeinsam mit Oberentfelden gefeiert wird.

Sind neue Büromöbel nötig?

Er habe nichts gegen das Feiern und gönne den Kindern ein Fest, sagte der Votant. Aber die Frage sei angesichts der prekären Lage durchaus angebracht und ein Fest könne auch günstiger ausfallen. Im gleichen Atemzug monierte er die Positionen für neue Büromöbel im Steueramt (5700 Franken), die Stühle für die Einwohnerkontrolle (2000 Franken) und den Beitrag an den Verkehrsverein Aarau (1650 Franken). Zwar waren jeweils nur eine Handvoll Stimmbürger für die Streichung der einzelnen Beiträge beziehungsweise den Austritt aus dem Verkehrsverein Aarau, doch zeigten die Anträge eines deutlich: Die Unterentfelder haben verstanden, dass der Rotstift angesetzt und neue Geldquellen generiert werden müssen.

Parkplätze nicht mehr gratis

Eine neue Einnahmequelle wurde am Montagabend bereits gefunden: Die Parkplätze auf Gemeindegebiet, die derzeit kostenlos genützt werden können. Dem Überweisungsantrag eines Stimmbürgers, eine Parkplatzbewirtschaftung einzuführen, stimmten 126 der 199 Anwesenden zu, 36 waren dagegen. Der Punkt wird damit an einer der nächsten Gemeindeversammlungen traktandiert. Auch kündigte Gemeindeammann Heinz Lüscher an, dass die Unterentfelder im Sommer noch einmal über die Einführung von Abfallgebühren entscheiden werden müssen. Beide Positionen haben aber keine Auswirkungen auf das Budget 2014.

Mit dem Ja zum Budget mit dem Steuerfuss von 108 Prozent (172 zu 14 Stimmen; siehe az von gestern) werden Positionen wie beispielsweise der Unterhalt des Fussballplatzes gekürzt (6000 Franken) und die Neugestaltung des GV-Büchleins (2000 Franken), der Beitrag an die Bibliotheken (6600 Franken) und der Winterdienst auf den Gehwegen (10 000 Franken) gestrichen. Verschwinden wird auch die Papiermulde auf dem Werkhof (4500 Franken).

Bestattungen nicht mehr gratis

Die mit 50000 Franken gewichtigste Position betrifft die Bestattungen: Bisher hatte die Gemeinde bei der Bestattung von Unterentfelder Einwohnern einen Grossteil der Bestattungskosten übernommen. Neu geht der Aufwand für die Bestattung zulasten des Nachlasses der verstorbenen Person. Einzig die Grabstelle – mit Ausnahme von Familiengräbern – wird weiterhin unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Teilrevision des Bestattungs- und Friedhofreglements stimmten die Anwesenden mit 9 Gegenstimmen zu.