Aarau Rohr
Der Rohrer Schachen ist jetzt mehr als ein Erholungsgebiet

Im Rohrer Schachen erfahren Waldbesucher ab sofort alles über die Auenlandschaft: auf dem ersten dauerhaften Audiopfad in der Region. Mühsam eine Tafel zu entziffern, ist also nicht nötig.

Josua Bieler
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Mit dem Smartphone kann man bei den Posten einen QR-Code einlesen und dadurch die Texte anhören.

Mit dem Smartphone kann man bei den Posten einen QR-Code einlesen und dadurch die Texte anhören.

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Der Erlebnispfad, den die «Aargauische Naturforschende Gesellschaft» errichtet hat, ist äusserst praktisch. Man kann die Geschehnisse der Natur ungestört beobachten und sich gleichzeitig über den Rohrer Schachen informieren.

Alles, was man dazu braucht, ist ein Smartphone mit installiertem Scanner. Damit kann man an den zehn Infoposten des Audiopfads mittels QR-Code eine Audiodatei herunterladen und sich die Infotexte bequem anhören. Wer nicht über ein modernes Gerät verfügt, kann die Texte zuvor auch auf der Internetseite www.geopfad.ch in Text oder Audio-Form herunterladen.

Zehn Minuten bis zur Ruhe

Der Audiopfad beginnt bei der Bushaltestelle «Gemeindehaus» im Stadtteil Rohr. Man muss keine zehn Minuten laufen, da ist man schon in einer anderen Welt: Im Rohrer Schachen hört man keine Autos und sieht kein Beton mehr. Hier läuft man stillen Bächlein entlang und hört die Vögel singen.

Die Rundwanderung führt nicht nur durch den Wald, sondern auch vorbei an Wiesen und Äckern. Erst hört man im Wald den Kuckuck singen, wenig später zirpen auf den Feldern die Grillen. Und der Duft von frischem Holz wechselt sich mit dem Geruch von blühendem Raps ab.

Zusätzlich zur Erholung erhält man mit dem neuen Audiopfad nun auch neues Wissen: Zehn Holzpfosten sind auf dem knapp fünf Kilometer langen Pfad aufgestellt. Sie stehen so gut in die Natur integriert am Wegrand, dass man stets aufmerksam bleiben muss.

An einem Posten erfährt man, dass das Wasser aus den zahlreichen Bächen von Grundwasserquellen ganz in der Nähe stammt.

Es ist sehr sauber und die Aarauer Bevölkerung bezieht davon grosse Mengen Trinkwasser. Der Audiopfad blickt auch auf Ereignisse zurück: So wurde während des Zweiten Weltkrieg viel Wald gerodet, um durch den Ertrag aus der Landwirtschaft die Selbstversorgung der Schweiz zu sichern.

Schachen verändert sich ständig

Beim Zuhören merkt man, dass ein grosser Naturfreund die Texte geschrieben hat: «Jedes Hochwasser verändert den Raum. Eindrücklich, wunderbar, natürlich», beschreibt der Geograf und ehemalige Kantonslehrer Gerhard Ammann die Entwicklung des Rohrer Schachens. Er kennt diese Gegend wie kein anderer, hat er doch bei der Errichtung des Auenparks schon mitgewirkt.

Vorgelesen werden die Texte nicht von Ammann, sondern von einer professionellen Vorleserin. Doch als beim achten Posten das Bachneunauge vorgestellt wird, spricht der Schreiber selbst. Bei der Umwandlung der Larve zum erwachsenen Tier hört der Weissfisch auf, Nahrung aufzunehmen. Sein Darm verkümmert und stirbt kurz nach der Fortpflanzung. Ammann: «Ich fühle mich unglaublich betroffen. Einmal dadurch, was die Natur als Schöpfung bei Tieren hervorgebracht hat; dann darüber, wie am Beispiel des Bachneunauges Geschöpfe leben müssen. Mich schaudert.»

Der Audiopfad wird am Samstag, 10. Mai, um 14 Uhr offiziell eröffnet. Zuerst Rundgang, anschliessend Apéro.

Der Audiopfad ist Teil der Aarauer Umweltwochen, welche vom 3. bis zum 24. Mai stattfinden. Ebenfalls morgen Samstag kann man um 9.45 Uhr und um 10.45 Uhr das Grundwasser-Pumpwerk besuchen. Besammlung bei der Bibersteinerbrücke. Mehr Veranstaltungen unter: www.aarau.ch/umweltwochen