Küttigen

Der «Ritzer» wird für alle teuer

Aktuell ist das Garderobengebäude auf dem Ritzer nicht gerade eine Augenweide.

Das Garderoben-Geschäft kann nun endlich vor die Gmeind gebracht werden.

«Endlich liegt der Ball vor dem Tor», etwa dies werden sich die Küttiger Fussballerinnen und Fussballer denken. Ihr neues Garderobengebäude beim Sportplatz Ritzer ist in Griffnähe, das Goal schiessen müssen aber die Stimmbürger. Mehr als zwei Jahre, nachdem das aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt präsentiert worden ist, kommt nun am 5. Juni der Kreditantrag vor die Gmeind.

3,36 Mio. Franken beantragt der Gemeinderat, um das alte, baufällige und viel zu kleine Garderobengebäude zu ersetzen. Der Betrag beziehungsweise der Kostenteiler ist der Grund, weshalb das Projekt mittlerweile eine stattliche Verspätung hat. Denn bei der Ausarbeitung des Vorprojekts hat der Gemeinderat festgestellt, dass der Neubau weit mehr kosten wird als ursprünglich angedacht – und weit mehr, als man auszugeben bereit war.

Eine Expertenfirma für Kostenüberprüfung und -planung nahm sich im Auftrag der Gemeinde des Projekts an. So konnte Sparpotenzial im Umfang von «mehreren hunderttausend Franken» eruiert werden, sagt Ammann Tobias Leuthard gegenüber der AZ. Der Gemeinderat habe ausserdem im Vertrag mit der Architektengemeinschaft Ritzer «das Ziel formuliert, die Realisierungskosten auf maximal 3 Millionen Franken zu beschränken». Aus dem Swisslos-Fonds werden aller Voraussicht nach 250'000 Franken an das Projekt gezahlt, ausserdem muss der FC einen finanziellen Beitrag leisten.

«Mit dem FC geeinigt»

Von Seiten des FC Küttigen hatte es noch im letzten Herbst geheissen, 275'000 Franken seien das Maximum, das man stemmen könne, dazu höchstens 18'000 Franken an die jährlichen Betriebskosten. «Die Gemeinde hat sich nun mit dem FC darauf geeinigt, dass der Verein 300'000 Franken an die Investitionskosten zahlt – zu begleichen innert 15 Jahren –, und 12'000 Franken an die Betriebskosten», so der Gemeindeammann. Unter Betriebskosten versteht man Reinigung der Garderobe, Wasser/Abwasser- und Stromkosten. Nicht inbegriffen sind die Reinigung und der Unterhalt des Gastrobereichs, diese rund 7000 Franken übernimmt der FC vollständig. Auch bringt der FC bestehendes Gastromobiliar im Wert von rund 20'000 Franken ein.

Im Interesse der Gesamtöffentlichkeit habe der Gemeinderat eine möglichst hohe finanzielle Beteiligung des FC aushandeln müssen, erklärt Leuthard. Man wolle dem FC aber keine unnötigen Steine in den Weg legen: «Wir sind sehr froh um den Verein. Er leistet einen wichtigen Beitrag zur Jugend- und Gesundheitsförderung, zur Integration und zum Dorfleben.» Der FC Küttigen, 1977 gegründet, zählt rund 300 Juniorinnen und Junioren sowie über 120 aktive Spieler und Senioren.

Es gibt auch noch Schutzräume

In den letzten Monaten wurde am Projekt eine wichtige Änderung vorgenommen: Neu sollen im Untergeschoss der Garderobe 300 öffentliche Schutzräume entstehen. Diese kosten die Gemeinde nochmals 750'000 Franken, wobei der Gemeinderat mit einem Beitrag aus dem Ersatzbeschaffungsfonds von über 200'000 Franken rechnet.

Die Schutzräume sind nötig, weil die bestehende Anlage «auf Stock», im Untergeschoss des Gemeindehauses, dringend sanierungsbedürftig ist. Sie umfasst einen Kommandostand mit Schutzplätzen für die Truppe und rund 135 Schutzplätzen für die Bevölkerung. Eine Komplettsanierung würde rund 1,2 Millionen Franken kosten. Der Gemeinderat möchte darauf möglichst verzichten und stattdessen unter der Garderobe im Ritzer Ersatz schaffen. So entstehe kostengünstig neuwertiger Ersatz und die Gemeinde erfülle die Vorgaben für die Schutzplatzpflicht.

Was mit den alten Schutzräumen auf Stock passiert, ist laut Gemeindeammann Tobias Leuthard derzeit noch in Abklärung. Die Varianten «Minimalsanierung» oder «Teilerhalt» stehen im Raum. «Wir werden aus heutiger Sicht aber sicher die Hälfte der Plätze verlieren», so Leuthard. Entwarnung gibt er für das historische Schaulager, das die Kommission Kulturgut Küttigen mit viel Mühen in der Zivilschutzanlage errichtet hat. «Wünschenswert wäre, wir könnten ihnen sogar noch weitere Räume zur Verfügung stellen», so der Ammann.

Dass unter das Garderobengebäude nun auch noch Schutzräume gebaut werden, habe auf die Bauzeit insgesamt nur wenig Einfluss, so Leuthard weiter. Sie verlängere sich nur um etwa sechs bis acht Wochen. «Wenn alles rund läuft, können wir das Garderobengebäude im Frühling 2021 beziehen.» Bald danach wird die Sanierung der unter den Naturspielfeldern gelegenen alten Deponie in Angriff genommen.

Infoveranstaltung geplant

Die Gemeinde organisiert am 16. Mai eine Orientierungsversammlung zum Projekt. Ziel ist es, Unklarheiten vor der Gmeind auszuräumen. Auch den Küttigern ist nicht entgangen, was in Muhen passiert ist, wo in einer Referendumsabstimmung ein teures Infrastrukturprojekt für den Fussballclub (Platzvergrösserung) abgelehnt wurde. Könnte das in Küttigen auch passieren? Der Ammann sagt: « Es geht unbestrittenermassen um viel Geld. Das nun vorliegende Projekt samt Kostenteiler entstand aber in einem längeren Prozess, in den auch die Finanzkommission und die Parteien eingebunden waren. Wir haben deren kritische Rückmeldungen aufgenommen und gehen davon aus, dass das Projekt nun breit abgestützt ist.» Als Beispiel nennt er den Kostenteiler mit dem FC oder das Vordach der Garderobe, welches nach Rückmeldung durch Ortsparteien nun grösser ausgestaltet wird.

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