Die neue Brücke über die Aare in Aarau soll ein Jahrhundertbauwerk werden. Das schlägt sich mit rund 33 Millionen Franken auch in den Baukosten nieder. Die Aarauer haben den sogenannten «Pont Neuf» am 28. September letzten Jahres mit 54 Prozent Ja-Stimmen bewilligt. Knapp 10 Millionen Franken beträgt der Anteil der Stadt.

Nun geht es darum, ob der Kanton bereit ist, ein Teil der Mehrkosten für die Brücke zu übernehmen. Denn der «Pont Neuf» ist rund sechs Millionen Franken teurer als eine schlichte Brücke ohne spezielle Architektur und Ausbau der Brückenköpfe.

Der Regierungsrat ist überzeugt, dass das Sinn macht. Er schlägt dem Grossen Rat vor, die 23 Millionen Franken Anteil Kanton zu bewilligen. Damit übernähme der Kanton die sechs Millionen Franken Mehrkosten zur Hälfte. In der Wettbewerbs-Jury, die den «Pont Neuf» ausgewählt hatte, war auch der Regierungsrat vertreten. Die Jury hatte befunden, dass die «hohen städtebaulichen, architektonischen und konstruktiven Qualitäten» in diesem Fall eine höhere Bausumme rechtfertigen, da es sich um ein Bauwerk handle, welches die Stadt auf lange Zeit präge und deshalb wichtig sei. Über die jetzige Kettenbrücke fahren heute täglich rund 22 000 Fahrzeuge.

Der Kanton hatte zum Kredit für die neue Kettenbrücke von Oktober 2014 bis Januar 2015 eine Anhörung durchgeführt. Diese führte zu 18 Eingaben.

Die FDP Aargau, der Nutzfahrzeugverband Astag und der TCS sind nicht einverstanden damit, dass der Kanton sich an den Mehrkosten beteiligen will «für ein städtebaulich und architektonisch deutlich erweitertes» Projekt. Der Regierungsrat argumentiert aber, laut der Gesamtverkehrsstrategie «mobilitätAARGAU» werde der Strassenraum an Kantonsstrassen gemeinsam mit den Gemeinden umgesetzt. Dabei seien immer auch gestalterische Massnahmen mit entsprechenden Kosten enthalten, «welche über die rein technische Notwendigkeit hinausgehen.»

Parteien mehrheitlich dafür

Die SVP Aargau findet die Kosten für den Brückenersatz sehr hoch, wäre aber mit der vorgesehenen Aufteilung einverstanden. Die Partei will lediglich, dass die Kosten für eine Sanierung anstelle eines Erstatzbaus offengelegt werden und auch die Kosten von vergleichbaren Projekten bekannt gegeben werden.

Der Regierungsrat antwortet, um die genauen Kosten für eine Sanierung zu ermitteln, müsste extra ein Projekt ausgearbeitet werden. Eine Vergleichsstudie wurde aber 2006 gemacht. Die Lebenserwartung, Verkehrsbehinderungen, Einpassung in die Umgebung, Statik und Kosten wurden dort einander gegenüber gestellt. «Dabei hat sich gezeigt, dass der Ersatz praktisch bezüglich aller Beurteilungskriterien nur Vorteile bietet.» Durch die längere Nutzungsdauer eines Neubaus sei ein solcher auch wirtschaftlicher.

Vier Brücken wären günstiger

Der Vergleich mit anderen Neubauten sei schwierig, schreibt der Regierungsrat. Ein Vergleich mit der Reussbrücke Gnadental ergebe, dass der Quadratmeter Brückenfläche für den «Pont Neuf» 2100 Franken (rund 28 Prozent) höher sei. Ungefähr gleich viel günstiger wären vier der fünf anderen Brücken des Aarebrücke-Wettbewerbs gewesen. Doch die Brücke in Aarau müsse eben deutlich höhere Ansprüche an die städtebaulichen, architektonischen und konstruktiven Qualitäten erfüllen, wiederholt der Regierungsrat.

Die Grünen Aargau fordern eine Bevorzugung des Fuss- und Radverkehrs und den Einsatz von Recyclingbeton. Man habe die Situation für Fussgänger und Radfahrer mehrmals verbessert, wo dies möglich gewesen sei, antwortet der Regierungsrat. Recyclingbeton könne aus technischen Gründen nur bei sekundären Bauwerken verwendet werden.

BDP, CVP, EVP, GLP und SP unterstützen das Vorhaben. Das Geschäft soll bis vor den Sommerferien vom Grossen Rat behandelt werden.