Aarau
Der Profi-Musiker aus dem Torfeld Süd: «Ich will auf tausend Hochzeiten tanzen»

Benno Ernst alias Niño spielt in acht Bands gleichzeitig. Aber auch solo hat der 31-Jährige aus Aarau Erfolg. Jetzt tauft er sein viertes Werk. Wichtig ist ihm ein roter Faden, der sich als Spannungsbogen durch sein Album zieht.

Katja Schlegel
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Niño alias Benno Ernst in seinem Musikzimmer. Manche seiner Instrumente tragen Namen.Emanuel Freudiger

Niño alias Benno Ernst in seinem Musikzimmer. Manche seiner Instrumente tragen Namen.Emanuel Freudiger

Zum Glück hat ihn seine Freundin damals nicht Mäuschen genannt. Oder Herzkäfer. Sondern Niño, spanisch für Bube – und der Name eines katastrophalen Klimaphänomens vor den Küsten Perus. Heute ist die Frau Geschichte, der Name ist geblieben.

Vor seinem ersten Soloauftritt 2003 wurde «Niño» zu Benno Ernsts Künstlername. «Das Kindliche und die Naturkatastrophe in einem, das bin ich», sagt er und grinst. «In meinem Leben geht es immer um Kontraste.»

Benno Ernst sitzt in seiner Küche, eben hat er Kaffee in den Zinntässchen seiner Grossmutter serviert. Vor dem Fenster tanzt eine Rebenranke im Wind, auf dem Rockwellareal dahinter biegen sich die Profilstangen.

Das Leben als Kunst

Hier im Torfeld Süd wohnt Ernst mit seiner Freundin im obersten Stock eines alten, eingewachsenen Hauses, eine lebendige Oase inmitten trister Industrie. Hier lebt, schreibt, komponiert und spielt er, hier nimmt er seine Songs auf, hier studiert er sie ein.

Stücke, die so eigen und wild sein sollen wie möglich, abwechslungs- und kontrastreich, inspiriert von ganz unterschiedlichen Stilrichtungen. Mal Klassik, mal Jazz, mal Elektro, mal Singersongwriter.

«Ich will eben auf tausend Hochzeiten tanzen», sagt er. Und weil sein Leben so kontrastreich ist, handeln auch die Texte ausschliesslich vom Leben. «Das Leben als Kunst, als Rausch, als Puls, als Vorbote des Todes oder als einfaches Tänzchen im Morgenrot», wie Ernst seine Stücke selbst beschreibt.

Bei allen Kontrasten, in einem Belang ist Benno Ernst geradlinig: Seit er fünf ist, macht er Musik. Nach der Matura blieb er dabei, kein Studium, keine Lehre, einfach nur Musik. Und Theater. Und Tanz.

Er nimmt sich die Freiheit, nur davon zu leben und er kann es. Nicht in Saus und Braus, aber es reicht. Inzwischen spielt er in bis zu acht Bands gleichzeitig, tritt solo an Firmenfesten, Geburtstagen, Parteitagen und Hochzeiten auf.

Solche Engagements schrecken ihn nicht, im Gegenteil. «Ich beobachte gerne Leute», sagt er. Wenn er da so sitze, habe er Zeit, die Gäste zu studieren. «Das inspiriert mich für neue Lieder, für neue Theaterstücke.»

Erste Aufnahme ist meist die perfekte

Jetzt kommt Niño mit seinem vierten Werk, «Departure». Kein Album, sondern eine EP, ein Mini-Album mit fünf Songs. «Ich mag es, wenn Alben homogen sind, und diese fünf Songs passen gut zusammen», sagt er.

Jedes seiner Alben habe einen roten Faden, einen eigenen Spannungsbogen. Erstmals hat er auch Gastmusiker mit Cello, Violine und Akkordeon hinzugezogen. Ein Novum; bei den ersten drei Alben hat er alle Instrumente selber eingespielt.

«Ich suche die grösstmögliche Authentizität», sagt er. Um so zu spielen, zu sprechen und sich so zu zeigen, wie er sich am wohlsten fühle, müsse er allein sein.

Authentizität ja, Perfektionismus nein. «Ich mag den unmittelbaren Moment, das Unverbrauchte, die Echtheit», sagt er. Auch wenn er die Tonspuren mehrmals aufnehme, sei doch oftmals die erste Aufnahme die perfekte.

«Je länger ich an etwas arbeite, desto deutlicher wird mir bewusst, dass es dadurch nicht besser wird.» Auch von Hauptproben hält er nichts, er sitzt hin und macht, spielt, singt oder tanzt frisch von der Leber weg. «Ich mag kaltes Wasser.»

Auch wenn die Songs eigen sind, wäre es für Niño ein Einfaches, mittels Highend-Produktion gut verdauliche Popsongs zu machen. Das wäre dem Erfolg wohl dienlich, meint er, schüttelt aber den Kopf.

«Erfolg und Talent haben heute oft nichts mehr miteinander zu tun. Wenn man nicht aufpasst, ertrinkt man in diesem Mainstream.» Für ihn stehe das Talent, das Werk im Vordergrund. Sich für den Erfolg durch Produzenten und Labels einschränken zu lassen, kommt für ihn nicht infrage.

EP-Taufe Samstag, 1. Februar, 21 Uhr im Raum von TangoAarau, Florastrasse 1