Grosse, um nicht zu sagen Jahrhundertprojekte haben es in Aarau erfahrungsgemäss schwer, man denke nur an die Kunsteisbahn oder das Stadion. An die Widerborstigkeit der Aarauer hat man sich gewöhnt. Doch jetzt, da das (noch immer sehr grosse) Vermögen der Stadt wie Schnee in der Frühlingssonne schmilzt, entdecken sie auch noch ihre Sparsamkeit. Aber lohnt es sich, bei der neuen Kettenbrücke, dem Pont Neuf, zu sparen?

Am 28. September stimmen die Aarauer über das Neubauprojekt für die Aarebrücke, den Pont Neuf, ab. An die 33 Millionen hätte die Stadt knapp 10 zu zahlen. Es ist die zweite Abstimmung rund um die Aare. Am 9. Februar schickten die Aarauer nämlich mit einem Stimmenverhältnis von 60 zu 40 die Umgestaltung des östlichen Aareufers bachab und sparten 3,6 Millionen. Das deutliche Resultat konnte durchaus als Mahnung des Stimmbürgers gedeutet werden, dass mit dem Sparen Ernst gemacht werden muss. Wie auch immer, dass dieses Projekt fallierte, damit können die Stadträte und Stadtplaner wohl leben. Denn das Aareufer kann, wenn es in weiterer Zukunft zweckmässig sein sollte, immer noch zur «urbanen Flanierzone» umgestaltet werden.

Bei der Brücke verhält es sich anders. Wird nur die Brückenplatte ersetzt, müsste die Stadt von den 20 Millionen deren 3 tragen. Das ist günstiger als eine neue Brücke, doch die Rechnung ist damit noch nicht gemacht: Bereits in den Sand gesetzt wären die aufgelaufenen Planungskosten, an denen sich die Stadt mit rund 700 000 Franken beteiligt.

Dazu kommen unberechenbare Instandstellungskosten für die maroden Widerlager und Brückenköpfe. Und um die Sanierung der Anschlusswerke kommt die Stadt auch nicht herum. Ans Bein streichen könnte sie zudem den erhofften, allerdings noch nicht zugesicherten Bundesbeitrag aus dem Agglomerationsprogramm für die Massnahmen im Bereich des Fuss- und Veloverkehrs.

Über den Daumen gepeilt, spart die Stadt vielleicht vier bis fünf Millionen. Doch diese Sparübung lohnt sich nicht, ist kurzsichtig und verzögert nur den dringend nötigen Ersatz der altersschwachen Brücke. Der Mehrnutzen für die Velofahrer und Fussgänger, den die neue Brücke verspricht, würde leichtfertig verspielt.

Die Visualisierung, welche auch der Stadtrat in seiner Botschaft zur Abstimmung wieder zeigt, lässt den «Pont Neuf» vor dem kleinen Städtchen im Hintergrund durchaus protzig erscheinen. Doch die Perspektive täuscht. Die neue Brücke ist schön. Auch wenn darüber zu streiten, zugegebenermassen, müssig ist. Man kann es dem Aarauer auch nicht übelnehmen, wenn er sich an die alte Brücke gewöhnt hat und die neue reflexartig ablehnt.

Aber die neue Brücke, nur sie, erfüllt alle Bedingungen eines modernen Verkehrsträgers, den täglich nicht nur über 20 000 Autofahrer nutzen, sondern ist auch eine städtebaulich adäquate innerstädtische Verbindung für die Aarauerinnen und Aarauer hüben und drüben sowie deren Nachbarn im Norden.

Die Lebensdauer der alten Brücke ist nach 65 Jahren abgelaufen. Es ist an der Zeit, eine neue zu bauen –  und nicht am falschen Ort zu sparen.