Im Rathaus, im breiten Gang zwischen Foyer und Stadtbauamt, dominiert das eindrückliche Modell des Neubauprojekts Aarebrücke «Pont Neuf» die Ausstellung, in der Stadtpräsidentin Jolanda Urech und die Stadträte Werner Schib und Hanspeter Hilfiker die Abstimmungsvorlagen vom 28. September präsentieren: Nebst dem Ersatz der Kettenbrücke den Zusatzkredit für die Erneuerung der Kunsteisbahn Keba (siehe separaten Text). «Bei grösseren Projekten wollen wir so zur Meinungsbildung der Stimmbürger beitragen», sagt Stadtpräsidentin Urech. Die Ausstellung zeigt Visualisierungen, Pläne, politische Bewertungen, Daten und Fakten. Sie kann während den ordentlichen Öffnungszeiten besichtigt werden.

Für Werner Schib ist klar: «Es braucht die neue Brücke.» Auf 30 Millionen Franken werden die Kosten geschätzt, 30 Prozent oder 10 Millionen müsste die Stadt tragen. «Eine Billiglösung ist das nicht», sagt Schib, «aber eine nachhaltige Lösung für 80 bis 100 Jahre.» Die Nadelöhre, so Schib, würden auf beiden Seiten eliminiert, die Aareuferwege aufgewertet und die Aufenthaltsqualität massiv gesteigert.

Die Konsequenzen eines Neins

Mit einer Broschüre, die in diesen Tagen in alle Haushaltungen gelangt, macht der Stadtrat auf die Konsequenzen aufmerksam, welche eine Ablehnung am 28. September hätte: Die geleisteten Projektierungsarbeiten im Umfang von über 2 Mio. Franken, an denen die Stadt beteiligt ist, müssten abgeschrieben und die Projektierung neu angegangen werden. Der dringende Ersatz der Aarebrücke würde wieder um Jahre hinausgeschoben.

Auch bei einem Ersatz der Brücke von Widerlager zu Widerlager («ein mögliches, aber unerwünschtes Szenario» zitiert der Stadtrat den Kanton) würden der Stadt Kosten in Millionenhöhe entstehen.

Eine solche Lösung hätte laut Stadtrat den Nachteil, dass auf die Verbesserungen für den Langsamverkehr verzichtet werden müsste. «Die bestehende Brücke muss mit unverhältnismässig grossem Aufwand und finanzieller Beteiligung der Stadt im Bereich der Widerlager und Brückenköpfe einmal mehr so gut wie möglich repariert und instandgestellt werden.»

Stadtrat Werner Schib unterstreicht die städtebauliche Wirkung des Neubauprojekts «Pont Neuf». «Die Einpassung ins Ortsbild ist ein wichtiger Aspekt des Projekts, gerade weil die Altstadt als Ortsbild von nationaler Bedeutung im Bundesinventar ISOS geführt wird.» Altstadt, Zollrain und neue Brücke bildeten eine gestalterische Einheit. Schib kontert Argumente der Gegnerschaft und betont, dass das ISOS nicht Sträucher und Bäume an den Auffahrtsrampen als schützenswert definiere. «Das Ortsbild als solches ist geschützt und nicht die Vegetation.» Bäume und Pflanzen müssten wegen der Ersatzbrücke, die unterhalb der Kettenbrücke erstellt würde und über die der Verkehr während der Bauzeit aufrechterhalten bleibt, sowie wegen den Bauinstallationen gefällt und entfernt werden, sagt Schib.

Flügelmauer statt Böschung

Zwar sieht das Projekt beim Übergang zum Zollrain eine Flügelmauer statt der heutigen Böschung vor, im Rahmen der Detailplanung, so Schib, bestehe aber die Möglichkeit, über die Art der Bepflanzung zu sprechen. Anstelle der Böschung seien entlang der Promenade einheimische Bäume vorgesehen. Auf der Nordseite würden Hecken und Bäume wieder instandgestellt oder neu angepflanzt.

Im März 2014 hat sich der Einwohnerrat mit 33 Ja- zu 12 Nein-Stimmen deutlich für das Neubauprojekt «Pont Neuf» ausgesprochen. Ein Ja empfiehlt auch der Stadtrat: «Der Lebenslauf der bestehenden Brücke ist nach bald 65 Jahren abgelaufen. Das Projekt beinhaltet nicht nur den Ersatz der Brückenplatte, sondern wertet den ganzen Aareraum in diesem Bereich für Naherholung und Langsamverkehr deutlich auf.»