Es ist Aaraus grösster, freier Platz in der Innenstadt: der Schlossplatz. Neu ist er, genauso wie der Anbau des Schlössli. 1,6 Millionen Franken waren für ihn budgetiert, inklusive Beleuchtung, Entwässerung und Gartenbauarbeiten. Kein gewöhnlicher Asphalt liegt auf dem Schlossplatz, sondern tausalzbeständiger Natursplitt. Die bituminöse Oberfläche wurde mit einem Kugelstrahlverfahren bearbeitet, sodass der helle Dolomit darin sichtbar wurde.

Alles in allem also ein edler Platz vor einem edlen Museum. Museum wie Platz haben die Hauptprobe aber noch vor sich: Sie müssen gut frequentiert sein, damit sich der Aufwand gelohnt hat.

Sitzplätze im Pärklein gut genutzt

Das Problem dabei ist: Den Schlossplatz kann man nur stehend bevölkern. Es gibt keine Bänke und es sind auch keine geplant. So picknicken die Leute mittags ausschliesslich im kleinen Schlosspärklein und auf der Treppe, die dort hinaufführt.

Auch gibt es kein Restaurant, das den Platz richtig belebt: Am Anfang des Schlossplatzes wird zwar bald die Bar OscarOne hinausstuhlen, doch der Hauptteil bleibt leer. Denn Einwohnerrat und Stadtrat haben dem Stadtmuseum untersagt, mit einem eigenen Restaurant das lokale Gewerbe zu konkurrenzieren. Dies wurde noch vor dem Bau beschlossen.

Immerhin ein kleins Bistro

So stehen heute die selbst geschreinerten Holzstühle vor dem Museumsanbau, innen wird Kaffee, Tee und Wähe von der Stiftung Schloss Biberstein verkauft. Das ist auch gemütlich. Aber hätte es nicht ein richtiges Bistro gebraucht, um den Schlossplatz zu beleben? «Wir haben ja ein Bistro», findet die Leiterin des Stadtmuseums, Kaba Rössler. «Und wir haben den einzigen öffentlichen Picknickraum für Schulklassen in der Stadt.» Sie fände das eine gute Zwischenlösung. «Aber wir schauen mal, wie es sich entwickelt. Möglicherweise machen wir dann doch noch eine Anfrage, ob das Angebot erweitert werden darf.»

Platz zum Flanieren

Ein richtiges Restaurant ist aber aufgrund der Infrastruktur sowieso nicht mehr möglich: Das Museum hat keine Küche, diese war aus dem Budget gestrichen worden, und auch die Hygienevorschriften wären laut Rössler fürs Museum schwer einzuhalten. «Schon nur die Ausstattung des Backoffice für die Lagerung der jetzigen Lebensmittel hat uns 70 000 Franken gekostet. Diese haben wir mit Sponsoren zusammengekratzt.»

Bleibt noch die Picknickdecke, um den Platz zu bevölkern. Oder: Ein entspanntes Flanieren über die ausladende und horizonterweiternde Weite des Platzes, währenddessen zum Beispiel über die weitere Belebung oder Beruhigung der Aarauer Innenstadt philosophiert werden kann. Oder die Massen am Maienzug-Vorabend.