Der Star des Abends glänzte durch Abwesenheit. Nicht einmal ein Kübel saftiger Äpfel vermochte den neuen Platzhirsch des Wildparks Roggenhausen zu seiner eigenen Taufe am Donnerstagabend herbeizulocken. Dabei hatte man das Rudel extra tagsüber auf Diät gesetzt, damit es abends der Festgesellschaft vom «Club 100 Roggenhausen» – oder eher den angebotenen Früchten – etwas näher kommen würde, verriet Peter Heuberger.

Der Präsident des Vereins Wildpark Roggenhausen freute sich, dass über 60 Mitglieder des «Club 100» erschienen waren. «So viele wie noch nie», stellte er zufrieden fest. «Auch die Mitgliederzahl nimmt stetig zu – das ist eine Freude für uns und für die Kasse.» Der «Club 100» besteht aus juristischen Personen, die den Wildpark finanziell unterstützen.

Alterndem Hirsch fehlte die Libido

Eine Hirschtaufe kommt im «Roggi» nicht alle Tage vor. Lange Zeit war Platzhirsch Aaro der unangefochtene Chef des Rotwildes im Wildpark Roggenhausen. Aber mit dem Privileg, einziger Hirschstier im Rudel zu sein, kommt Verantwortung: Jemand muss ja schliesslich Kälber zeugen.

Und als der in die Jahre gekommene Aaro – er war 13 – das Interesse an seinen Damen verlor, wars das für ihn. Er musste Platz machen für den neuen Hirsch. Und nein, es war kein natürlicher Tod, aber ein schneller.

Hirschstier kostete zehn Steinböcke

Der Neue ist ein fünfjähriger Bayer, aus Salching. Das Roggi hat ihn eingetauscht gegen zehn Steinböcke. Aber so ganz unproblematisch war die Integration in Aarau nicht: Kaum angekommen, nahm der Neue einen gewaltigen Satz über den 2,20 m hohen Zaun und fand sich bei den benachbarten Damhirschen wieder. Das war im Februar. Nur mit viel Geduld und etwas List schafften es die Wildparkmitarbeitenden vor wenigen Wochen, ihn ins richtige Gehege zu bugsieren.

Dort steht er nun, mit seinen Hirschkühen, und zeigt null Anstalten, diese wunschgemäss zu umgarnen. «Aber das wird kommen», versprach Stadtoberförster Fabian Dietiker, der die Gelegenheit nutzte, dem Publikum den «König des Waldes» näher zu bringen. «Jetzt geht die spannendste Zeit des Jahres los – die Brunft», sagt Fabian Dietiker.

In der Wildnis duellieren sich die Hirschstiere meist am selben Ort, und der Sieger – der Platzhirsch – darf die Hirschkühe bespringen. Der Neue in Aarau braucht solche Kämpfe nicht auszufechten, er hat freie Bahn.

Der Name sorgte für Gelächter

Aber wie heisst er nun, der künftige Vater der «Roggi»-Rothirschkälber? Mit Schwung enthüllte Peter Heuberger das Namensschild – und erntete Lacher. «SILVIO» heisst das neue Tier, und natürlich drehten sich alle zu alt Regierungsrat Silvio Bircher, Heubergers Vorgänger als Vereinspräsident, um.

«Es ist überhaupt nicht so, wie ihr alle denkt», betonte jedoch Peter Heuberger: Der Name komme vom lateinischen Wort «silva» für Wald. Weil sich doch der neue Hirsch mit Vorliebe im Wald verstecke. Und weil er auch während seiner Taufzeremonie dort blieb, rief ihm Heuberger halt zu, dass er von nun an auf den Namen Silvio zu hören habe. Obs funktioniert?