Sein Schalk, sein Humor zeichnen ihn aus. Eine markante Figur der Aarauer Gastronomie tritt kürzer – zumindest vorübergehend. Roland Gubler (56) hat diese Woche nach 18 Jahren die Geschäftsführung des «Mr. Pickwick Pub» («Piwi») abgegeben. Er bleibt aber Mitbesitzer des Gebäudes am Graben. Und das Restaurant Weinberg am Fuss des Hungerberges gehört ihm ganz. Gubler sagt: «Im Moment weiss ich noch nicht, was ich dereinst tun werde. Längerfristig könnte ich mir vorstellen, etwas mit dem ‹Weinberg› zu machen.» Den «Weinberg» hat er 2008 gekauft und seither den Saal sowie die Wohnungen umgebaut. «Am Cachet der Gaststube haben wir praktisch nichts gemacht», erklärt Gubler, der in Gränichen wohnt.

Militär wird fehlen

Am «Weinberg» reizt ihn der Saal. Die Gesellschaften sind dem Vollblut-Gastronomen wichtig. Auf die schönsten Erlebnisse im «Piwi» angesprochen, nennt er sofort den Rüeblimärt. «Es gab Leute, die kamen jedes Jahr. Beispielsweise zwölf Personen aus der Bündner Herrschaft. Ich habe sie auch einmal besucht», erzählt Gubler. Er erinnert sich auch daran, wie Rekruten auf den Bänke standen und spontan die Landeshymne anstimmten, nachdem sich die Schweiz 2005 in einem historischen Spiel gegen die Türkei für die Fussball-WM qualifiziert hatte.

«Das war das schönste Erlebnis mit der Armee», so Gubler. Er bedauert den im Herbst stattfindenden Abzug des Militärs. «Wir haben Soldaten als gute Gäste geschätzt.» In der ersten Phase sei das «Piwi» die Militär-Beiz schlechthin gewesen, später hätten sich die Soldaten in der ganzen Altstadt verteilt. Die Armee habe mitgeholfen, dass Aarau im ganzen Land ein Begriff sei. Gubler erinnert sich an die älteren Herren, die mit ihren Partnerinnen vor dem Lokal vorbeigelaufen seien und von gemütlichen feldgrünen Ausgangs-Stunden geschwärmt hätten – im «Feldschlösschen», dem «Piwi»-Vorgänger.

Wirt Roland Gubler verlässt das Pickwick-Pub in Aarau.

Wirt Roland Gubler verlässt das Pickwick-Pub in Aarau.

Menue-Preise eingefroren

Das «Piwi» hat mittags und abends ganz unterschiedliche Kundschaft. Mittags wird gegessen, abends getrunken. «Das Mittagsgeschäft lief immer sehr gut – und frequenzmässig konstant hoch. Aber es wurde wegen des Preisdrucks immer schwieriger», erklärt Gubler. Die Preise seien praktisch eingefroren. Vor 18 Jahren habe das Menu inklusive Getränk 20 Franken gekostet. Jetzt seien es 21.50 Franken – nur 1.50 Franken mehr. Was wird im «Piwi» am meisten gegessen? «Extrem gut laufen der Calypso-Salat, ein Salat mit Poulet-Streifen, oder hausgemachte Spätzli», so Gubler.

Verändert hat sich das Abendgeschäft. Das «Piwi» hat die Schliessung des «KBA» gespürt. Es fehlten die Gäste, die vor dem Club einen Abstecher in den Pub machten. Und Auswirkungen hatte auch die Eröffnung der Coop-Filiale im Bahnhof. Gubler bezeichnet sie als «Hauptalkoholverkäufer» – die Jungen kaufen da ihren günstigen Schnaps und trinken ihn über die Gasse, anstatt im Pub einzukehren. Aber Gubler betont: «All diese Veränderungen konnten wir auffangen, und wir blieben ein beliebter Treffpunkt für die Jungen in Aarau. Das ‹Piwi› ist heute ein florierendes Gastrounternehmen.»

Kein Zigarettenrauch für Flüchtende

Roland Gubler begann 1986 als Geschäftsleiter im «Hardy’s» an der Metzgergasse (heute «JoJo»). Dann arbeitete er in der Verwaltung der «Hardy’s»-Kette, später kurz in der Migros-Gastronomie.

Als «Piwi»-Geschäftsführer war er ab und zu nicht ganz einverstanden mit den Vorgaben der Stadt. Etwa, wenn es darum ging, Grösse und Preis der Gartenwirtschaft festzulegen. Oder, weil ein Mitwirken der Aarauer Wirte an Grossanlässen aufgrund der hohen Gebühren kaum mehr möglich ist, ohne Verluste zu schreiben. Oder wenn ein Notausgang plötzlich aberkannt wurde, weil er nur durch das Fumoir zu erreichen war – wer vor dem Feuer flüchtet, soll keinen Zigarettenrauch einatmen.

Das «Mr. Pickwick Pub» feierte Anfang Mai das 30-jährige erfolgreiche Bestehen. Immer mit dabei war Thomas Reichle (60), mit Gubler zusammen Besitzer der Liegenschaft. Er übernimmt nach einem 18-jährigen Unterbruch jetzt auch wieder die alleinige Geschäftsführung – und verspricht: «Im ‹Piwi› bleibt alles beim Alten.»