Eduard Buholzer kniet zwischen zwei langen Regalen und wühlt im Meer von weissen Schaumpolstern in der Kartonschachtel zu seinen Füssen.

Dann fischt er sie behutsam heraus: Eine Glühbirne, stolze 30 Zentimeter lang, produziert Mitte des 20. Jahrhunderts in der früheren Glühlampenfabrik Aarau.

Funktioniert sie noch? Ja, versichert Buholzer nach einem Blick auf den von Hand eingezogenen Glühdraht. «Die Birne war noch nie in Betrieb.»

Schnell hat er die passende Halterung zur Hand, schraubt die Birne hinein und setzt sie unter Strom. In Sekundenbruchteilen erhellt die Glühlampe den Lagerraum – zum ersten Mal seit der Herstellung vor über 60 Jahren.

Die Glühbirne aus Aarauer Produktion ist nur eine von rund 5500 verschiedenen Lampen, die in den Gestellen der Firma Aarlux an der Tellistrasse 118 lagern.

Inhaber Eduard Buholzer hat die Geschäftsräume neben dem KiFF vor kurzem bezogen, nachdem er den Standort an der Asylstrasse wegen Umbauarbeiten nach 20 Jahren verlassen hatte.

«Es ist deshalb noch etwas unordentlich», sagt er beim Rundgang durchs Lager. Obwohl viele Schachteln noch zugeklebt am Boden stehen, ist die Menge der bereits eingeräumten Lampen eindrücklich: Buholzer hat fast jede erdenkliche Birne an Lager.

Die günstigste – ein Taschenlampen-Birli – kostet 30 Rappen; die teuerste, eine Quecksilberdampflampe für Druckmaschinen, stolze 2500 Franken. Vor allem Firmen kaufen hier ein. Im Laden stehen auch Privatkunden.

«Oft konnten diese eine Birne beim Grossverteiler nicht finden», so Eduard Buholzer. Dies komme wegen unzähliger Modelle öfters vor, als man denkt. «Zählen Sie nur einmal die verschiedenen Lampen in ihrer Wohnung – und vergessen sie jene in Schaltern, Mikrowelle und Herdplatten nicht.» Die Liste hätte kaum auf einem A4-Blatt Platz.

Auch für andere Lebensbereiche hat Eduard Buholzer das ganze Sortiment an Birnen, egal ob für die Weihnachtsbeleuchtung, Disco, Sportplatzbeleuchtung oder Autoscheinwerfer.

Letztere gibt es bei Buholzer für den Oldtimer aus den 1940er-Jahren bis hin zur LED-Technologie. Viele der alten Birnen wird er nie verkaufen können. «Ich habe viele Ladenhüter. Aber es kommen ständig Liebhaber, die solche Lampen suchen.»

An Lager hat Eduard Buholzer auch die guten alten Glühbirnen; seit dem Verbot vor zwei Jahren jedoch nur noch wenige.

Vom Verbot hält Buholzer wenig. «Die Glühlampe ist mit ihren natürlichen Materialen die sauberste Lampe überhaupt.» Dem Argument, dass bei der Glühbirne wegen starker Abwärme 90 Prozent der Energie verpufft, hält er dagegen: «Dafür muss man weniger heizen.»

Die Glühbirne sei nicht das Problem. «Das Problem beim Energieverbrauch ist, dass immer mehr Leute für immer mehr Geräte Strom brauchen.» Das Licht habe daran einen kleinen Anteil. Wenig Verständnis hat er auch für die Verordnung der EU, dass Lampen wegen des Helligkeitsverlusts nicht mehr matt sein dürfen. «Klare Lampen blenden stattdessen.»

Trotz neuer Gesetze und Konkurrenz durch Grossverteiler ist Eduard Buholzer überzeugt, dass besondere Lampen auch in Zukunft gefragt sind. Der 69-Jährige will deshalb weitermachen, solange es die Gesundheit zulässt. Das grosse Geld bringt der Lampen-Handel nicht, was für Buholzer auch zweitrangig ist.

«Wichtiger ist mir die Freude an der Arbeit und die Leidenschaft für das Licht.» Schon sein Vater war Elektriker und der Grossvater ebenfalls ein wissensdurstiger Mann. So ist Eduard Buholzer auch Sammler von alten Messgeräten. Einen Teil seiner Sammlung, darunter Birnen aus der Glühlampenfabrik Aarau, wird er dieses Jahr dem Stadtmuseum schenken. «Durch die frühere Lampenfabrik gehören Birnen zur Geschichte Aaraus. Deshalb möchte ich einen Beitrag zum Museum leisten.»