Aarau
Der Maienzug von 1912 wird derzeit in Israel ausgestellt

Eine Ausstellung mit Bildern von Otto Wyler ist im Museum of Art bei Tel Aviv eröffnet worden. Dies nur dank den Bemühungen von seiner Tochter und Enkelin.

Hermann Rauber
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Otto Wylers «Maienzug» von 1912 schmückt die offizielle Einladung.zvg

Otto Wylers «Maienzug» von 1912 schmückt die offizielle Einladung.zvg

Die Retrospektive auf das Werk von Otto Wyler umfasst rund 50 Werke, von denen fast die Hälfte aus Aarauer Beständen den Weg in den Nahen Osten gefunden hat. Leihgaben stellten die Stadt Aarau und Private aus der Region zur Verfügung, wobei Galerist und Vizeammann Carlo Mettauer als Kunstvermittler den israelischen Kuratoren hilfreich zur Seite stand.

Die Ausstellung im Kibbutz Ein Harod ausserhalb von Tel Aviv ist aber nicht zuletzt dank den Bemühungen von Wylers Tochter Zimira Sprecher-Wyler und Enkel Yehuda Sprecher zustande gekommen.

Viele Aufträge als Stadtmaler

Otto Wyler, am 30. März 1887 geboren, entstammte zwar einer jüdischen Familie aus dem aargauischen Endingen. Er war aber kein eifriger Synagogengänger und setzte sich nie mit dem «Anderssein» auseinander, das für die jüdische Kunst typisch ist. Er lebte als Schweizer Staatsbürger in Aarau, wo er in der christlich geprägten Gesellschaft voll integriert war und sich ohne «theologische Fesseln» ganz dem Malen widmen konnte. Während seiner Studien in Paris und München liess er sich von Impressionisten und Expressionisten beeinflussen, zurück in Aarau, entwickelte Wyler seinen typischen Mal- und Farbstil, der sich am Vorbild Cézannes orientiert.

Die Inspiration für seine lichtvollen und räumlich klar gegliederten Landschaften holte er sich in der Stadt und Region Aarau, oft auch im nahen Jura oder an der Aare. Er avancierte zum eigentlichen «Stadtmaler» und erhielt in dieser Funktion zahlreiche Aufträge für Wandbilder in öffentlichen Gebäuden. Erinnert sei nur an die Fresken im Saal des Bezirksgerichtes oder an das monumentale Werk im Foyer des Grossratsgebäudes mit dem Titel «Ernte», das früher die Halle der Allgemeinen Aargauischen Ersparniskasse (heute NAB) schmückte.

Mehrfach künstlerisch dargestellt hat Otto Wyler auch den Aarauer Maienzug, zum Beispiel 1912 mit dem Zug der Jugend durch die Baumallee zum Telliring. Dieses Bild hat ebenfalls den Weg ins Museum Ein Harod gefunden und ziert gar die offizielle Einladung zur Vernissage in Israel. Möglich gemacht hat dies ein Beitrag der Stadt Aarau, die für die Retrospektive ihres berühmten Malers, der am 18. März 1965 gestorben ist, aus der Stadtammann-Hässig-Stiftung 10 000 Franken lockergemacht hat. Unterstützung erhalten hat das Projekt auch vom Aargauer Lotteriefonds und von der Pro Helvetia.

Wyler bislang in Israel unbekannt

Der Aarauer Kulturminister Carlo Mettauer, der sich an der Vernissage in einer kurzen Grussadresse in englischer Sprache an die Gäste wandte, zeigte sich überrascht vom Grossaufmarsch und vom Publikumsinteresse an der Ausstellung. Obwohl Wyler in Israel bisher völlig unbekannt war, sei das erste Echo auf die Bilder «überwältigend».

Beeindruckt war Mettauer auch vom Museum of Art in Ein Harod, mit Baujahr 1948 der älteste Kulturtempel dieser Art im Staate Israel, ein «fantastischer Rahmen» für die Werke des Aarauer Künstlers.