Aarau

Der Maienzug ist auf der Kippe – gibt es eine Alternative?

Der Maienzug 2019 in Aarau mit dem Umzug durch die Stadt, der Feier im Telliring und dem Bankett in der Schanz. Aufgenommen am 5. Juli 2019 in Aarau. Im Bild: Die Morgenfeier im Telliring.

Maienzug 2019 in Aarau

Der Maienzug 2019 in Aarau mit dem Umzug durch die Stadt, der Feier im Telliring und dem Bankett in der Schanz. Aufgenommen am 5. Juli 2019 in Aarau. Im Bild: Die Morgenfeier im Telliring.

Einen normalen Maienzug wird aufgrund der Coronakrise es kaum geben. Wir das Aarauer Fest der Feste aber abgesagt? In kleinem Rahmen duchgeführt? Auf später verschoben? Es wäre nicht das erste maienzugfreie Jahr.

Ganz Aarau fragt sich: Kann der Maienzug – samt Vorabend – in der ersten Juliwoche stattfinden? Eine definitive Antwort gibt es noch nicht. Der Stadtrat entscheidet am kommenden Montag. Diese Woche, am Dienstagabend, hat aber die Maienzugkommission unter der Leitung von Stadträtin Suzanne Marclay-Merz einen Vorschlag ausgearbeitet , der im Sinne eines Antrags dem Gesamtstadtrat unterbreitet wird. Über den Inhalt hat die Kommission bis nächste Woche Stillschweigen vereinbart.

Suzanne Marclay sagt lediglich: «Wir wünschen uns alle, dass der Maienzug wie gewohnt stattfinden kann. Da der Bundesrat aber gemäss aktuellem Fahrplan frühestens am 8. Juni das Verbot für Versammlungen über fünf Personen lockern wird, wäre es utopisch, bereits einen Monat später eine solche Grossveranstaltung in gewohnter Form durchführen zu wollen.» An den Maienzug und insbesondere auch an den Maienzug-Vorabend, der von einem separaten Verein organisiert wird, kommen insgesamt Zehntausende Besucher.

Maienzug 2019 in Aarau – die schönsten Bilder:

In Kontakt mit Zofingen, Brugg und Lenzburg

Die Frage ist nun: Gibt es eine Alternative? «Wir haben in der Kommission alle Optionen intensiv diskutiert», sagt Suzanne Marclay. «Etwa eine Verschiebung, eine Teildurchführung oder eine komplette Absage. Auch stehen wir im Kontakt mit Lenzburg, Zofingen und Brugg, die mit ihren Jugendfesten dasselbe Problem haben.» Nun obliege es dem Stadtrat, einen definitiven Entscheid zu fällen. «Ich würde mir persönlich wünschen, dass der 3. Juli, selbst wenn der Maienzug nicht wie üblich durchgeführt werden kann, in irgend einer Form ein feierlicher Tag wird», sagt Suzanne Marclay.

Maienzug wurde schon mehrmals abgesagt

Ob das 1587 erstmals im Ratsmanual fassbare Aarauer Schulfest während der schweren Pestepidemie von 1630 (mit rund 700 Todesopfern allein in Aarau) stattgefunden hatte, ist nicht zu belegen, aber kaum anzunehmen Erwiesen ist, dass der traditionelle Festtag 1817 wegen einer Hungersnot (als Folge eines Vulkanausbruchs in Indonesien und einem «Jahr ohne Sommer» 1816 mit Missernten) ausfallen musste. Und 1826 waren die Aarauer erneut zum Verzicht des Maienzugs gezwungen, allerdings aus einem anderen Grund. In diesem Jahr wurde der Kadettenunterricht aus verschiedenen Gründen sistiert. Da man sich im Rathaus diesen Festtag ohne die Kadetten nicht mehr vorstellen konnte, verzichtete man auf die Durchführung des gesamten Anlasses.

1854 wurde erneut zu einem Jahr ohne Maienzug, Grund war «die grosse Teuerung». 1888  war es eine Scharlach-Epidemie, die das Fest ins Wasser fallen liess. In den Kriegsjahren 1915 bis 1918 gab es keinen Maienzug, während des zweiten Weltkriegs ab 1941 bis 1944 hingegen eine reduzierte Form (nur Umzug und Morgenfeier).

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