Aarau
Der Leuchtturm KiFF braucht mehr Stabilität

Das KiFF in Aarau möchte das Dauerproblem der Liquiditätsengpässe endlich aus der Welt schaffen. Der Kanton hat dem KiFF zusätzliche 200 000 Franken zugesprochen.

Hubert Keller
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AZ

«Das Musikgeschäft ist nicht einfach», sagt Gisela Roth, Präsidentin des Vereins KiFF. Die Finanzen im Griff zu halten, auch nicht. Der Kanton hat dem KiFF zusätzliche 200000 Franken zugesprochen. Mit dem Beitrag verbunden ist eine Leistungsvereinbarung, die Regierungsrat Alex Hürzeler und die KiFF-Verantwortlichen vor wenigen Tagen unterzeichnet haben. Ist damit finanzielle Sicherheit erreicht?

«Mit dem zusätzlichen Kantonsbeitrag können wir den Betrieb so wie jetzt weiterführen», sagt Simon Kaufmann, der für die Finanzen zuständige Co-Geschäftsleiter. Die notwendigen Neuanschaffungen und Reparaturen sind damit aber noch nicht möglich. Hier hofft man auf die Stadt, die bis jetzt einen jährlichen Betriebsbeitrag von 240000 Franken leistet. «Mit weiteren 150000 bis 200000 Franken wären wir auf der sicheren Seite», erklärt Kaufmann, «und wären nicht alle zwei Jahre auf Sonderkredite angewiesen.» Es würden auch die wiederkehrenden politischen Diskussionen über Sinn und Zweck des KiFF vermieden. Apropos: Das KiFF hat als «Leuchtturm» des Kulturkantons Aargau das Qualitätssiegel längst erhalten und muss sich nicht mehr beweisen.

Teurere Shows - mehr Risiko

Von der öffentlichen Hand, Kanton und Stadt erhält der Kulturbetrieb 670000 Franken, die oben erwähnten 200000 vom Kanton, 230000 vom Kuratorium, 240000 von der Stadt. Das KiFF macht einen Umsatz von 2,1 Millionen Franken und erwirtschaftet 70 Prozent des Aufwands selber. «Das ist ein ausserordentlich hoher Eigenfinanzierungsgrad», stellt die KiFF-Leitung mit wohl berechtigtem Stolz fest.

Darin bestehe aber auch ein Risiko, erklärt Simon Kaufmann. «Das KiFF ist dadurch gezwungen, grössere und teurere Shows mit mehr Risiko zu veranstalten, um die nötigen Umsätze an der Bar zu erwirtschaften.» Es sei, von einigen Ausnahmen abgesehen, fast nicht mehr möglich, Geld über das Programm (Ticketeinnahmen abzüglich der direkten Kosten) zu verdienen. Der Löwenanteil der Erträge wird an der Bar erwirtschaftet.

Auf zusätzliche Mittel angewiesen

Das KiFF ist in der Liegenschaft der ehemaligen Futterfabrik Kunath in der Telli eingemietet. Daher kommt auch der Name: Kultur in der Futterfabrik - KiFF. Im Jahr 2009 wurden für Miete, Unterhalt und Energiekosten 231000 Franken ausgegeben. Unterhalt und Reparaturen würden in den nächsten Jahren noch mehr Geld verschlingen, da bisher nur das Nötigste habe investiert werden können, stellt Kaufmann fest. Seit 2009 mache sich der Nachholbedarf deutlich bemerkbar. Konsequenz: «Das KiFF ist auf zusätzliche Mittel angewiesen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.»

«Liquiditätsengpässe sind ein Dauerproblem, da man auf Reparaturen und Ersatzgeräte nicht verzichten kann, wenn der Betrieb aufrechterhalten bleiben soll», erklärt Kaufmann weiter. «Statt in die Infrastruktur investieren zu können, müssen jährlich mehrere zehntausend Franken an die Darlehen aus dem Umbau im Jahr 2000 zurückbezahlt werden.»

2015 läuft der Mietvertrag aus

Das KiFF ist im Aargau eine der ganz wichtigen Kulturinstitutionen. Pro Saison werden rund 250 Veranstaltungen durchgeführt, Disco und Theater, vor allem aber Konzerte in den Bereichen Rock, Pop, Folk, Singer/Songwriter, Metal, Reggae, Hip-Hop und wie die Stilrichtungen der modernen Populärmusik alle heissen. Viele namhafte Formationen aus dem Ausland und fast alle einheimischen Bands von Bedeutung seien ein und aus gegangen, stellt die KiFF-Leitung fest. Viele lokale Nachwuchsgruppen hätten auf der KiFF-Bühne erste Auftrittserfahrungen gesammelt. In den Ateliers fanden in den vergangenen zwei Jahrzehnten 35 Künstlerinnen und Künstler Platz für ihre Arbeiten.

2015 läuft der Mietvertrag mit der Immotelli AG GmbH aus. Dann braucht dieser Aargauer «Leuchtturm» ein neues Domizil. Die Zukunft dieser Institution, die im Pop- und Rockbereich nationale Beachtung findet, langfristig zu sichern, ist Aufgabe eines bereits 2009 von der Stadt eingesetzten Beirats, in dem nebst Stadt und KiFF-Vorstand auch der Kanton, Abteilung Kultur, vertreten ist. Auftrag dieser Projektgruppe ist es, die mittelfristige Sicherstellung der Infrastruktur am heutigen Standort und Optionen eines künftigen Standorts aufzuzeigen.