Aarau
Der letzte freie Fleck auf dem Hungerberg soll Wiese bleiben

Die Wohnlage am Aarauer Hungerberg ist beliebt, bietet sich doch von dort eine grossartige Aussicht. Das letzte Stück Wiese soll aber bleiben, was es ist: Wiese. Dafür verzichtet der Bauherr sogar auf einen ordentlichen Gewinn.

Daniel Vizentini
Merken
Drucken
Teilen
2014 wird die letzte freie Wiese am Südhang des Aarauer Hungerbergs so aussehen.zVg

2014 wird die letzte freie Wiese am Südhang des Aarauer Hungerbergs so aussehen.zVg

Die Wohnlage am sonnigen Südhang des Hungerbergs ist begehrt. Das meiste Land am ehemaligen Rebberg mit Aussicht auf die Aare und die Aarauer Altstadt ist heute überbaut. Die letzte grössere freie Wiese gehört Pierre Rothpletz, dem ehemaligen Geschäftsleiter der Baufirma Rothpletz, Lienhard und Cie. Dieses Stück Land hat der 76-Jährige von seinem Urgrossvater geerbt, er selber hat keine Erben. Als Nachlass an die Aarauer hat Rothpletz entschieden, dass die Wiese am Hungerberg nicht bis ins letzte Eck überbaut werden soll. «Ich wollte etwas Schönes auf dieser Wiese machen lassen», sagt er. Als Architekturfan wünschte er sich ein architektonisch wertvolles Gebäude, das in Einklang mit der Natur steht und genug von der Wiese sichtbar lässt.

Gebäude in Landschaft eingebettet

Engagiert hat er dafür die Stararchitekten Andreas Fuhrimann und Gabrielle Hächler, die Tochter des Lenzburger Bildhauers Peter Hächler. Die Architekten erhielten von Rothpletz freie Hand. «Macht einfach etwas Kreatives, habe ich ihnen gesagt.» Herausgekommen ist ein Projekt für sechs Einfamilienhäuser und zwei Ateliers, die auf vier Gebäude verteilt werden. Diese sollen so in die Landschaft eingebettet werden, dass der steile Hang in weiten Teilen als Naturwiese bestehen bleibt. «Das war auch eine Auflage der Stadt bei der Prüfung des Baugesuchs», sagt Manuela Olmesdahl, Geschäftsinhaberin der zuständigen Immobilienfirma Engel und Völkers.

Ein Schräglift wird die künftigen Bewohner von der Weinbergstrasse zu ihren Häusern führen. Mit den Anwohnern der bereits bestehenden Häuser am Hungerberg soll eine Nutzniesservereinbarung getroffen werden, so Olmesdahl. Die neue Tiefgarage wird zusätzliche Plätze für die Autos der umliegenden Anwohner haben. 60000 Franken wird dort ein Abstellplatz kosten.

«Man hätte die Wiese komplett überbauen und dabei viel mehr Geld herausholen können», sagt Olmesdahl. Damit der anspruchsvolle Bau finanziell aufgeht, verzichtet Rothpletz auf mehr Gewinn: «Herr Rothpletz veräussert das Land rund 50 Prozent günstiger, als es tatsächlich wert wäre. Weil die Baukosten womöglich noch ansteigen werden, wird er wohl noch weniger für das Landstück erhalten», sagt sie. Pierre Rothpletz: «Ich wollte kein reines Renditeobjekt. Mir ist es wichtig, dass es ein spezieller Bau wird.» Alle Häuser werden mit Sichtbeton gebaut, mit grossen Fenstern und begrünten Dächern. Für flache Spielwiesen oder Schwimmbecken wird es jedoch keinen Platz geben.

Wohnungen für Vermögende

Rothpletz verzichtet zwar darauf, einen hohen Preis für das Bauland zu verlangen. Billig sind die Wohnungen dennoch nicht. Zwischen 0,98 und 2,22 Mio. Franken kostet je eine der Wohnungen und Ateliers. «Das Bauen an dieser steilen Hanglage ist sehr teuer», sagt Olmesdahl. Mit einem Landpreis, wie er aktuell auf dem Markt verlangt wird, kämen die Wohnungen aber weitaus teurer. Auch wenn die architektonisch speziell gestalteten Wohnungen für höhere Einkommensklassen gedacht sind: «In Aarau ist das viel Geld. Im Raum Zürich könnten wir viel mehr verlangen», sagt Olmesdahl.

Ende 2014 sollen die Häuser bezugsbereit sein. Nachdem die Stadt den Südhang des Hungerbergs 2002 zur Einfamilienhauszone erklärt hatte, wurden Jahr für Jahr die freien Parzellen am ehemaligen Rebberg bebaut. Mit der Wiese von Pierre Rothpletz ist die letzte grosse Fläche am Hungerberg an der Reihe.