«Die Aussicht vom Dach ist einzigartig», verspricht Subramaniam Sathi noch vor dem Betreten des Gebäudes. Sathi ist Vorarbeiter der Baufirma Huber, die sich unter anderem am Rückbau des Rockwell-Hochhauses in Aarau beteiligt.

Lift bis zur letzten Minute genutzt

Es lärmt, klirrt, rumpelt, knattert und knallt: Gegen acht Mitarbeiter sind derzeit damit beschäftigt, das Hochhaus auf die mit Spannung erwartete Sprengung vorzubereiten.

Vieles ist Handarbeit, oftmals mit etwas mehr Gewalt, manchmal sogar liebevoll. «Es dürfen nur noch die Grundmauern aus Beton stehen bleiben, sonst muss hier alles raus», sagt Sathi weiter, während er SUVA-konform Helme verteilt.

Diese Helme scheinen denn auch bitternötig zu sein: Einen Liftschacht nutzen die Bauarbeiter aus, um die entfernten Baumaterialien wie Backsteine gefahrlos hinunterzuwerfen.

Fenster sowie die mit Asbest und PCB belasteten Bauteile sind längst entfernt worden. «Wir sind auf gutem Weg und liegen in der Zeit», so Sathi. Dann gehts gemeinsam mit dem einen Aufzug, der von den Bauarbeitern geschätzt wird, hoch in den 12. Stock - 50 Meter über Aarau.

Am Freitag wurde der Strom komplett abgeschaltet, der Lift ausgebaut. «Muss nun noch jemand hoch, muss er die Treppen hochlaufen», sagt Sathi lächelnd.

Atemberaubender Blick über Aarau

Auf dem Dach angekommen zeigt sich, dass der Vorarbeiter nicht zu viel versprochen hat: Rund zehn Zentimeter unberührter Schnee liegen auf dem Dach.

Es weht ein bissiger Wind. Doch der einmalige, atemberaubende Blick über das verschneite Aarau - den neuerbauten Bahnhof, die Gais-Überbauung oder auch die Sicht über das Torfeld-Süd-Areal - lässt einen die Eiseskälte blitzschnell vergessen.

Sprengkörper-Löcher sind gesetzt

«Ein schöner Arbeitsplatz», sagt Sathi selbst und streckt hoch über Aarau die Arme aus und blickt in die tief liegenden Wolken. Nach einigen Schnappschüssen über Aarau geht es wieder runter.

Zu Fuss über die Treppen, da der Lift in seinen letzten Zügen von den Bauarbeitern besetzt ist. Im sechsten Stock - also in der Mitte des Gebäudes - sind massive Vertiefungen in den Beton gespitzt worden. «Hier werden die Sprengkörper fixiert», erklärt Sathi.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

In der Nacht auf den 8. März werden die Sprengkörper ausgelöst. Innert weniger Sekunden wird das Hochhaus in sich zusammenfallen. Als Sprengmeister wurde Walter Weber aus Erlinsbach engagiert. Er zeichnete sich bereits für die Sprengung des Wankdorf-Stadions in Bern verantwortlich.

Erst 1966 wurde das Gebäude für Sprecher & Schuh erbaut, bevor Rockwell später in das Verwaltungsgebäude einzog.

Für die Sprengung gelten höchste Sicherheitsvorschriften, sodass das Gebiet Gais und einige Wohnhäuser rund um das Rockwell-Gebäude kurzzeitig evakuiert werden müssen.

Mit dem Zusammenfall innert weniger Sekunden kann zudem die Abbruchzeit des Hochhauses um vier bis sechs Wochen verkürzt werden.