Aarau
Der lange Weg zu hängenden Gärten in Aarau

Neben dem Autobahnzubringer T5 zu wohnen ist ganz schön laut. Zehn Jahre lang verhandelten die Anwohner deshalb wegen Lärmsanierungen. Jetzt haben sie die Mauer und den Garten.

Heidi Hess
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Zehn Jahre lang mit dem Kanton verhandelt: Hans Müller freut sich über das Grün hinter der Steinmauer.

Zehn Jahre lang mit dem Kanton verhandelt: Hans Müller freut sich über das Grün hinter der Steinmauer.

Toni Widmer

Wunder hat Hans Müller hier nie erwartet. Was den Lärm betrifft, sowieso nicht. Ruhiger aber sei es neben dem Autobahnzubringer T5 schon geworden, sagt er. Besonders, wenn man direkt hinter der Steinkorbmauer steht.

Und hinter dieser Mauer grünts und blühts. Zwar werden hier kaum die hängenden Gärten von Aarau entstehen, aber die eine oder andere Grube für einen kleinen Teich ist ausgehoben; Ahorn, wilde Kirsche und einheimische Sträucher sind bereits gepflanzt und Steinhaufen warten auf sonnenanbetende Eidechsen.

Wie die Eigentümer der neun Liegenschaften an der Rohrerstrasse die Fläche hinter der Lärmschutzwand nutzen, steht ihnen frei.

Vom Teich und der Quitte

Hans Müller liess einen Teil seiner Gartenfläche bekiesen und setzte auf eigene Kosten Steinquader in den Hang. Müller wohnt an der Rohrerstrasse 109, im Haus, in dem schon seine Eltern und Grosseltern wohnten und das sein Urgrossvater um die Jahrhundertwende gebaut hatte.

Als Sitzplatz wird er die neue, untere Terrasse dennoch nicht nutzen. «Dafür liegt sie zu tief», sagt er. Eine weitere Niveauanhebung um rund drei Meter habe er sich zwar überlegt.

Dafür selber Geld in die Hand zu nehmen, lohnte sich aus seiner Sicht aber nicht. Er will den Platz überdachen, um Holz zu lagern und Gartengeräte zu versorgen. Daneben klafft ein Loch, bald wird es mit Wasser gefüllt und so zum Teich. Der Sitzplatz des Ehepaars Müller aber bleibt wie bisher oben, neben dem Haus.

Lärmschutzwand: Dahinter wächst die grüne Wiese

1975 wurde der Autobahnzubringer T5 zwischen Aarau und Rohr gebaut. Seither nahm der Verkehrslärm für die Anwohner, deren Häuser schon seit 100 Jahren an dieser Strasse stehen, kontinuierlich zu, war je länger, je schwerer zu ertragen. Die Eigentümer und Bewohner der Häuser an der Rohrerstrasse wehrten sich. Das aber brauchte Geduld: Zehn Jahre lang verhandelten die Anwohner mit dem Kanton, verlangten eine nachhaltige Lärmsanierung. Nach verschiedenen Projektvorschlägen einigte man sich schliesslich auf eine Steinkorbmauer am Autobahnzubringer. 250 Meter lang, ab Fahrbahnhöhe zwischen 3 und 6 Meter hoch. Dahinter wird die Lücke zwischen Abhang und Mauer aufgeschüttet. Für die Eigentümer der neun betroffenen Liegenschaften zwischen Rohrerstrasse und Aaretalstrasse entstand mit der Aufschüttung ein Flächengewinn. Von Anfang an war allen Beteiligten klar, dass sich die Anwohner prozentual an den Kosten beteiligen würden. 163 500 Franken sollten sie nun an die Gesamtkosten von über 2,7 Millionen Franken für die Lärmsanierung bezahlen. Weil der Flächengewinn für die neun Eigentümer unterschiedlich gross war, fiel auch die Kostenbeteiligung unterschiedlich hoch aus. Auf dieser Fläche hinter der Lärmschutzmauer sollten im besten Fall Gärten für die Anwohner entstehen. Einen Streifen mit Unterhaltsweg direkt an der Steinmauer aber nutzt der Kanton selbst. Er hat dort einheimische Pflanzen und Sträucher gesetzt. (HHS)

Ein paar Parzellen weiter liegt der Garten von Eigentümer Willy Fisch. Auch er liess sich vom Kanton eine Grube ausheben: Hier aber spiegelt sich auf der Wasseroberfläche bereits sein eigenes Haus. Fisch hofft auf laichende Lurche und Frösche.

Als Sitzplatz wird aber auch er den Garten kaum nutzen – obwohl er einen Quitten- und einen Birnbaum gepflanzt hat. Dennoch sagt er: «Die Sanierung hat etwas gebracht. Meine Tochter schläft jetzt wieder bei offenem Fenster.» Er sagt auch, wenn man jetzt von oben aus dem Fenster schaue, dann biete sich unten ein schöner Anblick.

Noch keine Pläne hat Daniel Hauri, dessen Familie im Besitz des Restaurants Jura ist. Dort hatte der Pächter einen Streichelzoo geplant. Nach ausstehenden Mietzinsen hatte Hauri seinem Pächter jedoch Ende Februar gekündigt, worauf sich dieser, ohne zu zahlen, aus dem Staub gemacht hatte.

Hauri sagt: «Es ist sicherlich ruhiger geworden, vor allem in den Wohnungen in den unteren Stockwerken. In den obersten Wohnungen ist die Veränderung minimal.»

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