Menschenrecht

Der Klotz hinter Zschokkes Rücken: Baugesuch für Denkmal im Aarauer Kasinopark liegt auf

Die Bauprofile zeigen den Standort und demonstrieren die Dimension des Menschenrechtsdenkmals, das im Kasinogarten errichtet werden soll.

Die Bauprofile zeigen den Standort und demonstrieren die Dimension des Menschenrechtsdenkmals, das im Kasinogarten errichtet werden soll.

Die Bauprofile stehen, das Baugesuch für das Menschenrechtsdenkmal im Aarauer Kasinopark liegt auf.

Drei Metallstangen stehen im Kasinopark – im Dreieck wie die Säulen eines Galgens. Keine Bange: Es sind Bauprofile, die sich auf den Steinplatten neben dem «Bus im Park» in die Höhe recken, da wo die Sitzbänke der Randständigen verlassen im Regen stehen. Die 2,65 Meter hohen Profile zeigen an, wo das geplante Menschenrechtsdenkmal errichtet werden soll. 13 oder 14 Meter beträgt die Distanz zur Bronzefigur des Schriftstellers und Politikers Heinrich Zschokke (1771–1848). Erhaben auf seinem Steinsockel wendet dieser dem Kasinopark den Rücken zu, das Haus «zum Schlossgarten», den ersten Sitz der Helvetik-Regierung, vor Augen.

Die Bauprofile lassen es erkennen: Wie ein Sperrriegel wird das Werk von Bettina Eichin, das der Verein Menschenrechtsdenkmal hier platzieren will, in der Landschaft stehen: vorbei der Blick auf Zschokkes grünen Rücken. Gut fünf Meter lang sind die Seiten des gleichseitigen Dreiecks, auf dem sich die Messingwände der Kammer erheben sollen, welche «die Studierstube der Menschenrechte» simuliert. Eine schmale Öffnung wird den Blick auf Tisch, Stuhl und Schreibfeder freigeben. Von einer «Puppenstube» sprachen deshalb auch schon Kritiker.

Leserbriefschreiber und Online-Kommentatoren stiessen sich an der Dimension des «Klotzes». Und am Standort: Einer wünschte das Ganze nicht gerade ins Pfefferland, aber wenigstens in die Markthalle: «Dort passt es hin und stört am wenigsten.» Ob die verbliebenen Rasenflachen in den Aarauer Pärken noch weiter vollgestopft werden müssten, fragte einer. Und ein anderer stellte fest: «Was nicht einmal bei den Baslern mit ihrem Sinn für Spleeniges willkommen war, soll nun im Aarauer Kasinopark seine Bleibe erhalten.» Wegen Bedenken der Denkmalpflege und der Stadtbildkommission hatten die ursprünglichen Initianten den Standort Petersplatz in Basel nicht durchsetzen können.

In einer Hinsicht ist der Standort im Kasinopark zweifellos ideal gewählt: Im Jahr 1798 hat das revolutionäre Frankreich die Menschenrechtsideen in die Eidgenossenschaft gebracht. 1798 lautet sinnigerweise auch die Parzellennummer, auf der das Denkmal zu stehen kommen soll.

Im Aarauer Rathaus liegt seit gestern das Baugesuch auf. Die Einsprachefrist läuft bis zum 13. Juni. Gesuchsteller ist der Verein KMA, Aarau. Projektverfasserin ist die CMZ (Castellani Melbourne Zumbach) Architekten SIA GmbH. Das Grundstück gehört der Einwohnergemeinde Aarau. Die Baukosten werden, inklusive Umgebungsarbeiten, auf 140 000 Franken veranschlagt.

Das von zahlreichen Stiftern finanzierte Denkmal mit den eingravierten Texten verschiedener Menschenrechtserklärungen ist fast fertig. Was noch fehlt, sind beispielsweise die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 und die Gitter ums Denkmal herum. Ab dem 20. Juni können gemäss Website des Vereins noch fehlende Buchstaben gestiftet werden — der Buchstabe zu 10 Franken.

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