«Leider ist das Gossip zu klein, ein Kinderwagenparkplatz zu sein» – mit diesem feinen Reim macht das Bistro in der Rathausgasse auf das Problem aufmerksam. Kinderwagen sollen bitte draussen bleiben. Die Kinder selbst sind im Gossip willkommen.

Aber wenn Servicekräfte vor lauter Kinderwagen kaum mehr zu den Tischen kommen und die Gäste beim Gang aufs WC einen Slalom absolvieren müssen, wird’s schwierig.

«Das Hinweisschild wird teilweise falsch interpretiert. Wir sind sehr kinderfreundlich, das zeigt auch unsere Kinderecke. Aber wenn ich mit einem Tablett voll heissem Tee über einen Kinderwagen stolpere, ist das einfach zu gefährlich», so Mirjam Peter vom Gossip.

Kinderwagen sind wie Fahrräder

Das Ganze sei zudem ein Phänomen der Zeit. «Früher war das kein Thema. Es war ähnlich wie mit Fahrrädern, die kann man ja auch nicht einfach mit ins Restaurant nehmen», erklärt Peter.

In anderen Gastronomiebetrieben in der Altstadt trifft man zwar keine Verbotshinweise, ist sich jedoch des Problems bewusst. So werden Kinderwagen in der Crêperie im Eingangsbereich gelassen, wo sie nicht stören.

Verbot sei intolerant

Diejenigen, die ohne Kinder und Wagen unterwegs sind, reagieren unterschiedlich. «Einerseits nervt es mich gewaltig, wenn ich von einem Kinderwagen angerempelt werde oder wenn sie in kleinen Cafés den Weg versperren. Andererseits finde ich ein Verbot intolerant», so eine Besucherin in der Krone.

Andere kinderlose Restaurantbesucher sind ähnlicher Ansicht. «Generell stören Kinderwagen nicht, aber abends oder an Samstagen kann es drinnen doch recht mühsam sein. Hinweise wie derjenige im Gossip sind trotzdem unpassend», erklären zwei junge Herren. Viele Eltern haben auch Verständnis dafür, wenn Kinderwagen nicht überall gerne gesehen sind.

«Wir versuchen, möglichst nicht im Weg zu sein. Aber ganz weglassen kann man den Wagen auch nicht, ich kann schliesslich nicht das Kind, die Windeltasche und drei Einkaufstüten tragen», sagt eine junge Mutter lachend.

Am Ende stellt sich die Frage, wie dem Platzproblem am besten zu begegnen ist. Viele Passanten und Restaurantbesucher sind sich einig, dass man kompromissbereit sein sollte. «Gegenseitiges Entgegenkommen ist wichtig.

Ich versuche, den Kinderwagen nicht in den Weg zu stellen, erwarte aber auch ein wenig Verständnis, weil mein Sohn nun mal erst sechs Monate alt ist und nicht selber laufen kann», so ein Vater.