Aarau

Der Juramaler, der keiner sein wollte

Galerist Carlo Mettauer zeigt in der Ausstellung auch Selbstporträts von Max Burgmeier.

Galerist Carlo Mettauer zeigt in der Ausstellung auch Selbstporträts von Max Burgmeier.

Der Aarauer Künstler Max Burgmeier (1881 bis 1947) lebt in der Neuen Galerie 6 wieder auf. Burgmeier, von Hodler beeindruckt, war ein Meister der Landschaftsmalerei.

Die Begeisterung ist Carlo Mettauer anzumerken. In seiner Galerie in der Milchgasse tigert er von einem Bild zum andern, Stillleben, Juralandschaft, Bergdorf in Graubünden, wieder Juralandschaft, Selbstporträts, Dampfschiffsteg am Hallwilersee. Und dann das eindrückliche Gemälde «Bäume im Gewitter», ein Bild, das 1912 entstanden ist und ein wichtiger Markstein im Werk des Künstlers darstellt.

Es ist das imposante Werk von Max Burgmeier, einem der bedeutendsten Aargauer Maler, aus dessen Nachlass Mettauer eine Ausstellung gestalten durfte. Die Bäume, deren Äste sich im Gewittersturm biegen, sind Burgmeiers Referenz an seinen Förderer Adolf Stäbli. Dieser hatte 1899 anlässlich einer Reise in die Schweiz das Talent des damals 18-Jährigen entdeckt und ihm ein Studium in München empfohlen, wo der international anerkannte Stäbli wirkte. Stäblis um 1900 entstandenes Werk «Baum im Sturm», es befindet sich heute im Besitz des Aargauer Kunsthauses in Aarau, diente Burgmeier als Vorbild.

Aus dem Nachlass der Familie

Nach der Ausstellung mit Werken aus dem Nachlass von Roland Guignard (1917–2004), dem Vater des ehemaligen Stadtpräsidenten Marcel Guignard, seien Mitglieder der Familie Buser auf ihn zugekommen und hätten ihn auf den reichhaltigen Fundus im Besitz der Familie aufmerksam gemacht, erzählt Carlo Mettauer. Burgmeier hatte 1937 die Aarauerin Bertha Lina Buser geheiratet; seine erste Frau, Ida Scheller, war 1928 gestorben.

Burgmeier, der von 1881 bis 1947 lebte, war seinerzeit ein national beachteter Künstler. Auf Empfehlung des bereits erwähnten Adolf Stäbli studierte der Sohn des Sängers und Musikdirektors Joseph Burgmeier 1900 bis 1902 in München, wo er die Formensprache des Jugendstils vermittelt bekam. In Rüschlikon liess er sich zum Grafiker ausbilden. Es folgten Studien in Paris. 1904 gründete Burgmeier zusammen mit Künstlerkollegen die Aargauer Sektion der Gesellschaft Schweizer Maler, Bildhauer und Architekten GSMBA. Er präsidierte die Gesellschaft 30 Jahre lang und war auch Vorstandsmitglied und Vizepräsident der GSMBA Schweiz.

Burgmeier fühlte sich der Malerei des Expressionismus zugetan. Wenn er Landschaften und Naturobjekte auf der Leinwand festhielt, empfand er die Malerei als Poesie. Vor allem in der frühen Epoche entstammen seine Motive der engsten Heimat.

Grosszügige, farbkühne Bilder

Burgmeier mochte es nicht, wenn man ihn als «Juramaler» bezeichnete, doch er entdeckte wie kein anderer den Zauber der Aare- und Juralandschaften. Hodel und Amiet waren seine grossen Vorbilder. Grosszügige, farbkühne Bilder entstanden, für die «Bäume im Gewitter» ein grossartiges Beispiel ist. «Die sensible Farbwahl und Farbabstimmung bleiben ein besonderes Charakteristikum der Kunst Burgmeiers, auch in den späteren Werken, in denen die Lokalfarben sich mehr und mehr vom Gegenstand lösen», schrieb der Kunstkritiker Paul Müller im Buch, das 1994 zur damaligen Ausstellung im Aarauer Verlag Galerie Kleiner entstanden ist.

Neben der Landschaftsmalerei entwickelte sich Burgmeier zum Meister des Stilllebens und der Porträtmalerei. Infolge der wirtschaftlich schwierigen Verhältnisse arbeitete er nach dem Ersten Weltkrieg auch als Fassaden- und Wandmaler. Er gestaltete den Eingang des alten Aarauerhofs.

Er malte 1924 zusammen mit anderen Künstlern das Bühnenbild für das Eidgenössische Schützenfest in Aarau und 1932 dasjenige für das Eidgenössische Jubiläumsturnfest in Aarau. Ebenfalls zusammen mit Künstlerkollegen bemalte er 1933 die Fassade und den Kachelofen des Salmen in Aarau. Und auch die spielenden Affen im Affenkasten stammen von Burgmeier.

33 Werke hat Mettauer für die Ausstellung ausgewählt, Ölgemälde vor allem und Holzschnitte. Entstanden ist ein spannender Querschnitt durch ein Werk, das immer noch Beachtung verdient.

Ausstellung Max Burgmeier, Neue Galerie 6, Milchgasse Aarau, 25. April bis 23. Mai; Öffnungszeiten: Donnerstag, 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag, jeweils 14 bis 16 Uhr. Vernissage: Samstag, 25. April, 17.30 Uhr.

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