Nun ist es definitiv: Im grossen Bürogebäude an der Heinerich-Wirri-Strasse 3 wird ein Kinderhort einziehen. Die Stadt als Eigentümerin der Liegenschaft und der Verein GönHort, der die Betreuungsstätte betreiben wird, haben sich geeinigt.

Die Stadt hat das Gebäude, in dem früher die Ausgleichskasse «GastroSocial» untergebracht war, 2015 für 7,9 Mio. Franken gekauft. Sie beabsichtigte zunächst, einige Verwaltungsabteilungen dort unterzubringen. Die Pläne scheiterten aber.

Derzeit steht das Gebäude fast leer. Seit gut einem Jahr versucht die Stadt, die Liegenschaft zu vermieten – am liebsten als Ganzes. Bisher ohne Erfolg. Seit der Schweizerische Turnverband, der hier während der Sanierung der Zurlinden-Villa temporär einquartiert war, wieder ausgezogen ist, gab es in der grossen Liegenschaft lediglich ein paar Co-Working-Arbeitsplätze (mittlerweile aufgehoben) sowie das Büro von Stadtarchivar Raoul Richner.

Dennoch wollte die Stadt zunächst nicht so recht, als es um die Vermietung von Räumen (ungefähr das halbe erste Obergeschoss) an die GönHort-GmbH ging. Denn mit einer definitiven Vergabe wären die Pläne, das ganze Haus als Büro- respektive Dienstleistungsfläche zu vermieten, vom Tisch gewesen.

«Grosse Nachfrage»

Nun konnte ein auf zwei Jahre befristeter Mietvertrag abgeschlossen werden. Der Hort wird definitiv am 6. August den Betrieb aufnehmen. Dies bestätigt Claude Müller, einer der Initianten des GönHort, gegenüber der AZ. Das Betreuungspersonal ist gefunden, derzeit werden die Betreuungsverträge mit den Eltern abgeschlossen.

Die Initianten sprechen von einer «grossen Nachfrage». Man habe aber noch an allen Tagen freie Kapazitäten, weshalb keine Wartelisten bestünden. Pro Tag können über 20 Kinder betreut werden. Die Betreuung beginnt ab der Mittagspause (11.45 Uhr) und dauert durchgehend bis 18.30 Uhr. Angeboten werden auch nur Schulferienbetreuung oder nur Mittagstisch.

An den Eltern-Infoabenden sei auch deutlich geworden, so Claude Müller, dass vor allem für die Kindergartenkinder eine Schulwegbegleitung gewünscht wird. Und zwar zu den drei umliegenden Schularealen Goldern, Gönhard und Binzenhof. «Wir evaluieren derzeit konkrete Lösungen, um auch diesen Bedarf abzudecken», so Müller.

Die GönHort GmbH wurde von zwei Elternpaaren ins Leben gerufen – aus persönlicher Erfahrung mit den langen Wartelisten der bestehenden Betreuungsinstitutionen. Die Stadt hat denn auch ein Interesse daran, dass im Gönhard die dringend notwendigen Hort-Plätze geschaffen werden, weshalb sie auch Geld in den Umbau steckt. Man werde «sämtliche notwendigen baulichen Massnahmen vornehmen, damit der Betrieb eines Kinderhortes mit Mittagstisch gewährleistet und bewilligt wird», sagt Oliver Brülisauer von der Abteilung Liegenschaften und Betriebe.

Der Geschäftsmietvertrag mit der GönHort GmbH läuft bis im Sommer 2020. «Die Stadt Aarau beabsichtigt, in den nächsten zwei Jahren im Gönhard-Quartier ein alternatives und längerfristiges Mietobjekt für den Betrieb einer familienergänzenden Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen», so Oliver Brülisauer weiter. «Es ist dabei beabsichtigt, dass die im Rahmen der aktuellen Zwischennutzung der Heinerich-Wirri-Strasse 3 durch die GönHort GmbH angebotene Kinderbetreuung nahtlos weitergeführt werden kann.»

Die Evaluation für einen neuen Standort wurde bereits in die Wege geleitet, wie die zuständige Stadträtin Franziska Graf vor einigen Wochen gegenüber dem Einwohnerrat ausführte. Sie sagte damals auch, der Stadtrat verfolge «weiterhin den Grundsatz, dass die Institutionen im Bereich der Kinderbetreuung auf privaten Initiativen beruhen sollen». Diese Initiativen unterstütze der Stadtrat «im Rahmen seiner Möglichkeiten», unter anderem «durch Vermietung von geeigneten eigenen Räumlichkeiten».

IT zieht wohl ebenfalls ein

Was passiert nun mit den restlichen freien Büroräumen in der städtischen Liegenschaft? Vonseiten der Stadt heisst es, man sei nach wie vor mit Interessenten in Verhandlung, welche die gesamte Restfläche mieten möchten. Und: «Ab Frühjahr 2019 wird voraussichtlich ein grosser Teil vom Erdgeschoss und die Restfläche im 1. Obergeschoss an die Informatikzusammenarbeit der Städte Aarau und Baden vermietet», so Oliver Brülisauer.

Hintergrund: Künftig wollen die Informatikabteilungen der Städte enger kooperieren und die Hardware-Infrastruktur gemeinsam nutzen. Das hatten sie 2017 mitgeteilt. Dadurch liessen sich die administrativen Abläufe optimieren, Kosten senken und das Angebot gegenüber der Öffentlichkeit verbessern, hiess es.