Urs Jordi
Der «Hiestand»-Retter vom Rütihof: Aargauer soll den Milliardenkonzern in eine bessere Zukunft führen

Nach turbulenten Monaten beim Milliardenkonzern Aryzta hat Urs Jordi als Präsident und Interims-CEO übernommen. Jordi arbeitete schon einmal für Hiestand, nun gab er ein Comeback.

Urs Helbling
Merken
Drucken
Teilen
Urs Jordi begann seine Karriere mit einer Bäckerlehre.

Urs Jordi begann seine Karriere mit einer Bäckerlehre.

Yvonne Baumann

Der Konzern hat weltweit etwa 19'000 Mitarbeiter und betreibt 57 Grossbäckereien. Er geht, was das europäische Geschäft anbetrifft, letztlich auf Fredy Hie­stand und seine Idee «ofenfrische Gipfeli jederzeit, für alle» zurück. Heute heisst der börsenkotierte Konzern Aryzta, trägt sehr schwer an seiner Schuldenlast und hat turbulente Monate hinter sich. Doch vieles ist jetzt geklärt. «Aryzta-Führung hat freie Bahn und muss liefern», titelte die «NZZ» vor Weihnachten. Herausgefordert ist vor allem einer: Urs Jordi (55). Er ist seit Mitte September Verwaltungsratspräsident, seit Ende November auch Interims-CEO.

In einer Bäckerei in Muhen aufgewachsen

Jordi stammt aus dem Suhrental und lebt heute zwischen dem Suhren- und dem Wynental: auf dem Rütihof ob Gränichen. In einem ehemaligen Bauernhof. «Eher zurückgezogen», wie Rütihöfler berichten. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat Pferde.

Jordi ist als Bäckerssohn zusammen mit drei Schwestern in Muhen aufgewachsen. Er hat nach der Bezirksschule Bäcker gelernt, später Betriebswirtschaft studiert. Und er machte in der Armee Karriere (bis zum Hauptmann). Zwischen 1989 und 1995 war er kaufmännischer Leiter der Jowa in Gränichen. Dann wechselte er zu Hiestand, war lange in Polen, führte die Gruppe vorübergehend als CEO und leitete nach der Fusion mit der irischen IAWS zu Aryzta im Jahr 2008 das Europageschäft. «Jordi verliess das Unternehmen 2013, kurz bevor eine eindrückliche Wertvernichtung einsetzte», schreibt die Anlegerzeitung «Finanz und Wirtschaft».

Der Aktienkurs von Aryzta lag im Sommer 2014 über 18 Franken. Am letzten Mittwoch ging das Papier bei 0,68 Franken aus dem Markt – immerhin noch deutlich über den 0,28 Franken vom (Corona-)Frühling. In den letzten Monaten war umstritten, wie das Unternehmen gerettet werden soll. Es gab auch eine Übernahmeofferte der Heuschrecke Elliott.

Der ehemalige Hiestand-­Chef Jordi gab in diesem Prozess auf Wunsch von Grossaktionären sein Comeback, und er hat seit Mitte Dezember einen Verwaltungsrat um sich, der seine Strategie unterstützt. «Fokussieren, verschlanken, vereinfachen», wie es Jordi in der «Finanz und Wirtschaft» ausdrückte. Aryzta wird wohl das Nordamerika-Geschäft verkaufen und über eine halbe Milliarde Franken Schulden abbauen können.

Im Alleingang wieder Backwarenfirma werden

Das Unternehmen war in den letzten Jahren finanzgetrieben. Übernahmen spielte eine wichtige Rolle (dabei gab es auch Managementfehler). Das Indus­trielle habe nicht mehr Priorität gehabt, sagt Jordi. Das wird sich ändern. «Wir wollen wieder zu einem Backwarenunternehmen werden.» Auf den Boden zurück will man auch bei den Cheflöhnen: «Künftig wird kein Aryzta-Manager als Basissalär mehr als 1 Mio. Fr. erhalten», versprach Jordi in der «Finanz und Wirtschaft».