Wenn einer an seine Idee glaubt, bleibt er dran. Das gilt auch für Stephan Müller. Der ehemalige Einwohnerrat hat gleich zwei Bürgermotionen eingereicht – eine verlangt die Prüfung eines alternativen Stadion-Standorts (az vom 26.6.) und eine bezweckt, den Aarauern endlich wieder eine Flussbadi zu verschaffen. Das hat Stephan Müller schon einmal versucht. Mitte 2011 reichte er vergeblich eine Motion ein, die fast gleich lautete wie die heutige: «Der Stadtrat ist eingeladen zu untersuchen, wo, wie und zu welchen Konditionen an der Aare eine öffentliche Aarebadi errichtet werden kann.» Müller will, dass sowohl «baulich einfachere wie auch aufwendigere Möglichkeiten geprüft werden».

Als Beispiele führt Müller die erfolgreichen Flussbadis Marzili (Bern) und Letten (Zürich) an. Eine Flussbadi habe auch das Potenzial, das mit dem «Summertime» und der «Schwanbar» bereits aufgewertete Flussufer noch attraktiver zu machen, so der Motionär.

Schon zwei Badis gehabt

Flussbadis sind für Aarau an sich nichts Neues. 1868 eröffnete die erste Aarebadi bei der heutigen Überbauung Aarepark, oberhalb der Kettenbrücke. 1931 zog die Badi flussaufwärts. Die Bushaltestelle «Alte Badeanstalt» an der Erlinsbacherstrasse deutet noch heute die Position im Kanal oberhalb des IBAarau-Kraftwerks an. Es gab allerdings Probleme mit der Instandhaltung. Die Wasserqualität verschlechterte sich derart, dass die städtischen Schulen ab 1952 auf Schwimmunterricht in der Aarebadi verzichteten. Amtliche Stellen stuften das Baden als «bedenklich» ein. Man einigte sich darauf, im Schachen ein Freibad ohne direkten Aare-Zugang zu bauen, gespeist mit sauberem Grundwasser. 1955 wurde es eröffnet – der Anfang vom Ende der organisierten Baderei in der Aare.

Vielleicht in Nachbargemeinde?

Stephan Müller plädiert nun dafür, wieder eine Flussbadi mit Einrichtungen wie Duschen, Toiletten und Liegewiese zu bauen. Diese könne privat oder öffentlich betrieben werden. Es gehe auch kostengünstig ohne Badmeister, wie das auch in Bern und Zürich der Fall sei, wo das Schwimmen auf eigene Gefahr erfolge. Müller führt einige Standorte an, die aus seiner Sicht infrage kämen: die früheren Standorte der Aarauer Flussbadis (bei der Kettenbrücke vor dem «Aarepark» oder im Kanal oberhalb des Kraftwerks), das Ufer vor der Schwanbar, die beiden Aareinseli, der alte Aarelauf gleich neben dem Freibad im Schachen oder auch Stellen im Stadtteil Rohr. Und: «In zweiter Linie kann – in Absprache mit den allfällig betroffenen Nachbargemeinden – eine Aarebadi ausserhalb der Aarauer Stadtgrenzen geprüft werden.» Zudem, so Müller, solle man prüfen, ob die IBAarau an einem Sponsoring interessiert wäre.

Der letzte Anlauf für eine Aarebadi, die Motion von 2011 (Stephan Müller, Ernst Jenny, Sonja Kretz, Eva Schaffner und Markus Schenk) scheiterte im Einwohnerrat. Er verzichtete gemäss Antrag des Stadtrats darauf, die Motion zu überweisen, allerdings knapp mit 21:24. Für eine Überweisung plädiert hatte damals die heutige Stadträtin Franziska Graf namens der SP-Fraktion. Die SVP war dagegen, sprach von einem «Wunschprojekt» und gab zu Bedenken, zuerst müsse die Hallenbadsanierung in Angriff genommen werden.