Erlinsbach
Der Gehrenhof in Erlinsbach gehört jetzt dem Bauern

Der Kanton Aargau verkauft den Hof auf dem Schiessplatz Gehren in Erlinsbach an die langjährige Pächterfamilie Stucki. Daniel Stucki zeigt sich glücklich, dass sich die Familie einen langgehegten Wunsch erfüllen konnte.

Hubert Keller
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Der Gehrenhof liegt mitten im 90 Hektaren grossen Schiess- und Übungsgelände des Militärs. Kel Der Gehrenhof liegt mitten im 90 Hektaren grossen Schiess- und Übungsgelände des Militärs. Kel

Der Gehrenhof liegt mitten im 90 Hektaren grossen Schiess- und Übungsgelände des Militärs. Kel Der Gehrenhof liegt mitten im 90 Hektaren grossen Schiess- und Übungsgelände des Militärs. Kel

An den Schiesslärm habe sie sich längst gewöhnt, sagt Heidi Stucki, sie nehme ihn schon fast nicht mehr wahr. Heidi Stucki ist die Mutter des Gehrenhofbauern Daniel Stucki. Die Gehren, das Gebiet zwischen Erlinsbach und Küttigen, sind Soldaten ein Begriff. Es gibt wohl keinen, der dort nicht gefechtsmässiges Schiessen geübt hat.

Beim Gehrenhofbauern half man sich mit einem Ballen Stroh oder anderem Material aus, in der Beiz am Gegenhang gönnte man sich einen Kaffee fertig, zumindest früher noch, denn erstens lassen die heutigen Verhaltensregeln im Militärdienst solche Freiheiten nicht mehr zu und zweitens ist das ehemals beliebte Ausflugsrestaurant seit April 2010 geschlossen.

Eigentum und Baurecht

Beide Liegenschaften, das Restaurant Waldhaus und der von der Familie Stucki geführte Landwirtschaftsbetrieb, gehören dem Kanton. Gehörten dem Kanton, denn Pächter Daniel Stucki hat den Hof, Ökonomiegebäude und Wohnhaus vom Kanton erwerben können. Die für diese Gebäude und das Hofareal erforderliche Parzelle wurde im Baurecht auf eine Zeitdauer von 30 Jahren abgegeben.

Wie Urs Müller, Leiter Sektion Waffenplatz und Logistik, erklärt, ist gleichzeitig der Pachtvertrag für das Schiessareal angepasst und mit dem Baurechtsvertrag rechtlich verknüpft worden. Der neue Pachtvertrag läuft ebenfalls 30 Jahre.

Daniel Stucki ist glücklich, dass sich die Familie einen Wunsch erfüllen konnte, den man lange hegte. Nun kann er auf dem Hof Veränderungen und Investitionen vornehmen, wie er sie selber für richtig findet, auch wenn er betont: «Das Einvernehmen mit den Verantwortlichen bei Kanton und Militär, insbesondere auch mit Schiessplatzchef Alfred Binz, war über all die Jahre sehr gut.»

Die Anfänge des seit über 65 Jahren andauernden Verhältnisses zwischen der Familie Stucki und dem Kanton Aargau reichen in die Aktivdienstzeit zurück. Damals waren die Berner Oberländer Kavalleristen in Erlinsbach einquartiert. Unter den Soldaten befand sich Karl Stucki aus Blumenstein. An der letzten Kriegsweihnacht lernte er Marie Roth vom «Hard» in Erlinsbach kennen.

Die erste Pacht

Die beiden heirateten bald. Was zum Glück noch fehlte, war eine handfeste Existenz. 1945 kaufte der Kanton den Hof neben dem Schiessplatz. Die Eheleute Stucki bewarben sich um die Pacht, mit Erfolg. Stucki hatte vor seiner Aktivdienstzeit als Melker gearbeitet. Seit jener Zeit brach die Beziehung zwischen Pächterfamilie Stucki, Kanton und Militär nie ab.

Karl Stuck starb 1997. Ein Jahr früher, 1996, war ihm Sohn Walter, Heidi Stuckis Gatte, der schwer erkrankt war, im Tod vorausgegangen. Vor zwei Jahren verstarb im hohen Alter von über 90 Jahren die erste Gehrenhofbäuerin Marie.

In dritter Generation betreibt heute Daniel Stucki, der einen Sohn hat, den stattlichen Hof. Julian Baumann ist sein Lehrling. Seit 18 Jahren lebt und arbeitet Miggel Rüede als Stallarbeiter bei den Stuckis.

Das ganze Militärareal misst 96 Hektaren. Rund die Hälfte davon ist landwirtschaftlich nutzbar. Daniel Stucki hat weiteres Land zugepachtet und bewirtschaftet insgesamt rund 60 Hektaren. Er betreibt Milchwirtschaft und Ackerbau.

Im Stall stehen rund 30 Kühe und ebenso viele Kuhkälber, die Stucki zu stattlichen Kühen aufzieht, wie es sein Vater mit Erfolg vorgemacht hat. Rund 20 Hektaren dienen als ökologische Ausgleichsfläche.

Vom Militär rege genutzt

Der Schiessplatz Gehren ist vom Militär zu 70 bis 80 Prozent belegt, Durchdiener-Infanteristen oder Bootsschützen aus der Kaserne Brugg werden hier gedrillt. Auch Schützenpanzerfahrer üben in den Gehren. «Aus Rücksicht auf das Militär haben wir auch schon mal das Heu nicht rechtzeitig vor dem Regen eingebracht», berichtet Heidi Stucki. Man lernt, aufeinander Rücksicht zu nehmen auf dem Gehrenhof.

Übrigens, Heidi Stucki ist jeweils am Samstag auf dem Markt in Aarau anzutreffen. Da verkauft sie Zöpfe und schmackhaftes Bauernbrot. Im Keller hat sie eine Backstube eingerichtet. Drei Frauen helfen ihr. Schliesslich wollen auch Restaurants und jeden zweiten Tag zwei Läden beliefert werden.