Der Frust von Fuhrhalter Siegrist

«Buchs hat bei der Kehrichtentsorgung den Konkurrenzvergleich völlig falsch dargestellt.»

Urs Helbling
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Daniel Siegrist beschäftigt 115 Angestellte und hat unter anderem fünf Kehrichtfahrzeuge.

Daniel Siegrist beschäftigt 115 Angestellte und hat unter anderem fünf Kehrichtfahrzeuge.

Bild: uhg

Daniel Siegrist (43) ist Chef und Besitzer der Siegrist Transporte AG in Oberentfelden. Er beschäftigt 115 Angestellte und ist schwergewichtig im gekühlten Überlandtransport (Lebensmittel und Pharma) tätig. Aber auch im Abfuhrwesen. Er ist dort mit seinen fünf Kehrichtfahrzeugen ein Mittelgrosser (fünf Chauffeure und sieben Belader) und entsorgt in Suhr, Gränichen, Teufenthal, Unterkulm sowie den beiden Entfelden. Gerne wäre er auch mit Buchs ins Geschäft gekommen. Die Art und Weise, wie er den Auftrag nicht bekommen hat, wurmt ihn. Und er befürchtet, dass der Fall längerfristig Auswirkungen auf das Entsorgungswesen haben könnte. «Der Konkurrenzvergleich ist in der Einwohnerratsbotschaft völlig falsch dargestellt worden. Dieser Fehler wirft ein schlechtes Licht auf die Privatunternehmer», sagt Daniel Siegrist.

Vollkostenrechnung mit Stundenansätzen verglichen

Die Privaten haben, so Siegrist, einige Vorteile: «Wir können sehr schnell auf neue Marktgegebenheiten eingehen.» Er fahre auf transportierte Tonnen und nicht auf geleistete Stunden. Das Risiko liege so beim Unternehmer. Der Druck, den Wagenpark und die Mannschaft möglichst optimal auszulasten, sei gross. Und aus Kostengründen auch die Bereitschaft, die neueste Technologie einzusetzen. «Wir ersetzen unsere Fahrzeuge nach sieben bis acht Jahren», sagt Siegrist. Immer mehr Kommunen würden die Vorteile der Privatisierung erkennen: So stelle jetzt auch die Stadt Baden um.

Buchs hat 8018 Einwohner und einen eigenen Güselwagen. Das Fahrzeug, das aktuell im Einsatz ist, wurde 2009 angeschafft und muss vor Ablauf der Abschreibungsdauer (2024) wegen hoher Reparaturkosten ersetzt werden. Der Kehrichtwagen ist an etwa zweieinhalb Tagen pro Woche im Einsatz.

Die Ersatzbeschaffung des netto 325000 Franken teuren Kehrichtwagens war so wichtig, dass es dafür ein separates Geschäft im Einwohnerrat brauchte. In der Botschaft waren auch die Abfuhrkosten (Option Outsourcing/Fremdvergabe) kurz ein Thema. Der dort angeführte Vergleich basiert auf Zahlen eines Angebots der Firma Siegrist. In der Botschaft steht: «Der Kostenvergleich zeigt, dass die Fremdvergabe für die aufgeführte Entsorgungen insgesamt ca 10 Prozent teurer zu stehen kommt als die Abfuhren durch das Bauamt.»

Mit dieser Aussage war und ist Daniel Siegrist gar nicht einverstanden. Aber er verfügte über zu wenig Beziehungen, sich nachhaltig in die politische Diskussion einzubringen. Siegrist sagt: «Wir haben eine Vollkostenrechnung gemacht. Sie haben fälschlicherweise nur mit den Stundenansätzen des Bauamtes kalkuliert.» Siegrist weiter: «Es fehlen so – konservativ gerechnet – jährlich 100000 Franken für das Fahrzeug.» Die Konsequenz: «Der Entscheid basiert auf falschen Grundlagen», sagt Siegrist, der sich wundert, dass die Einwohnerratsbotschaft nach seiner Intervention aus dem Internet verschwunden ist.

«Die wollten das unbedingt selber behalten»

Für den Unternehmer ist rückblickend klar: «Die wollten das unbedingt selber behalten.» Der Einwohnerrat hat sich zwar zweimal mit dem Geschäft befasst, die Fremdvergabe war dabei aber praktisch kein Thema. Es ging vor allem um den Antrieb: Gas oder elektrisch? Der Kredit (mit Gasbetrieb) ist im Oktober genehmigt worden.

Da wusste Daniel Siegrist längst, dass er in Buchs verloren hat. Aber er hofft, dass die Art und Weise, wie das Thema abgewickelt wurde, nicht Schule macht.