Mit viel Pomp und Aufmerksamkeit war es eröffnet worden, das Wasserwirbelkraftwerk «Dr. Bertrand Piccard» in Schöftland. Neben dem namensgebenden Abenteurer Piccard waren damals, im Jahr 2010, auch Regierungsrat Urs Hofmann und Delegationen aus Ländern wie China, Ecuador oder Ruanda anwesend. Es war das erste Kraftwerk dieses Typs in der Schweiz. «Möge es das erste von vielen sein», wünschte Urs Hofmann in seiner Ansprache.

Heute, sechs Jahre später, ist es das einzige geblieben. Schlimmer noch: Die Genossenschaft, die das Kraftwerk betreibt, ist seit Ende Mai pleite. Gegenüber Radio SRF erzählte Ingenieur Damian Städeli, wie er vor einem Jahr dem Vorstand beitrat und dann feststellte, dass die Genossenschaft überschuldet war. Nachdem sie verschiedene Finanzexperten konsultiert hätten, sei nichts anderes übrig geblieben, als Konkurs anzumelden.

«Rein wirtschaftlich gesehen, ist ein Wasserwirbelkraftwerk nicht rentabel», sagt Damian Städeli. Bei einer erzeugten Leistung von etwa 10 Kilowatt verdiene man – ohne Subventionen – gerade mal 80 Rappen pro Stunde. Bei solchen umweltfreundlichen Bauten sollte man aber einen Ideologiebonus dazurechnen, der schwierig in Geld zu beziffern sei, sagt er. «Das Kraftwerk belastet die Natur kaum, die Technologie ist simpel und es ist einfach zu bauen.» An der Idee liege ihm deshalb nach wie vor viel. Falls nicht für die Schweiz, könnte sie immerhin interessant sein für Entwicklungs- oder Schwellenländer.

2014 liessen sich indische Ingenieure eine Woche lang in Schöftland ausbilden. Sie hatten vor, in Indien 1000 solcher Kraftwerke zu bauen.

Bessere Turbine existiert bereits

Ähnlich sieht es Erwin Baumgartner, Grossrat und Mitinhaber der Tegerfelder Firma Vorteco. Sie hatte die Wasserwirbel-Technologie weiterentwickelt und vor zwei Jahren eine Turbine vorgestellt, die mehr als doppelt so effizient ist wie diejenige in Schöftland. Warum hat es in der Schweiz seitdem keine neuen Wasserwirbelkraftwerke gegeben? «Wir haben hierzulande einfach zu viel Strom», antwortet er. Zudem seien kleine Wasserkraftwerke in der Schweiz nicht besonders beliebt. «Der Stellenwert von Kraftwerken ist hier niedriger als derjenige der Fische.»

Laut Patrick Rötheli, Leiter Sektion Gewässernutzung beim Kanton Aargau, ist die Fischdurchgängigkeit tatsächlich entscheidend. Der Kanton erachte Wasserwirbelkraftwerke deshalb auch nur dann als unterstützenswert, wenn Wasserlebewesen besser daran vorbeikommen als bei üblichen Kraftwerken und wenn genügend Strom erzeugt wird.

Da die durchschnittliche Stromproduktion der letzten fünf Jahre in Schöftland etwa dem Strombedarf von acht Haushalten entspreche, betrachte der Kanton Wasserwirbelkraftwerke deshalb zurzeit als nicht unterstützenswert.

Der Kanton hat eine Studie durchgeführt, um gründlich abzuklären, ob Fische wirklich unversehrt an solchen Kraftwerken vorbeischwimmen können. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Sehnlichst darauf wartet unter anderem der Unternehmer Daniel Styger, Inhaber der DST Group und während der letzten drei Jahre Präsident und Finanzverantwortlicher der Genossenschaft hinter dem Kraftwerk in Schöftland.

Er trat zurück just am Tag, an dem entschieden wurde, dass die Genossenschaft Konkurs anmeldet. «Sie war alles andere als überschuldet», sagt Daniel Styger. Es wäre lediglich mehr Zeit nötig gewesen, sagt er. 14 Kraftwerk-Projekte in 6 Kantonen hat die Genossenschaft unter Styger angekündigt und dafür Geld gesammelt. Damit diese in Gang kämen, fehle gemäss ihm nur die Studie des Kantons. Zwei Investoren werfen ihm derweil vor, unrealistische Projekte verkauft zu haben. Dies weist er entschieden zurück: «Allen Vorwürfen gegen mich oder meine Firmen fehlen jegliche Grundlagen.»