In dicken, roten Buchstaben klebt es auf der Schaufensterscheibe des CreaShops an der Kasinostrasse: «Totalliquidation». Im Ladeninnern steht Geschäftsführer Markus Bachmann zwischen den Regalen, streicht mit der Hand nachdenklich über die Stoffbahnen, die da liegen. «Schon fast die Hälfte ist weg», sagt er und lächelt. Ums Lachen ist es ihm nicht wirklich. «Bis Samstag muss alles leer sein.» Stoffe, Tischtücher, Knöpfe, Nähmöbel, Mercerie, Kinderspielsachen, ja sogar die Ladeneinrichtung werden mit bis zu 80 Prozent Rabatt verscherbelt.

Nach acht Jahren ist Schluss mit dem CreaShop. Die Zahlen sind nicht so, wie sie sein sollten. «Bei mir muss ein Geschäft lukrativ sein, ich mache das nicht als Hobby», sagt Bachmann, der nebst dem CreaShop mit der Binkert AG an der Hauptstrasse in Frick einen weiteren Laden mit Nähmaschinen, Spielwaren, Babyartikel und Kinderkleider führt. Doch bei allem Geschäftssinn ist da auch viel Wehmut: «Es hat viel gebraucht, mich zu diesem Schritt durchzuringen. Es fällt mir überhaupt nicht leicht.»

Boom poliert Zahlen nicht auf

Den Grund für das unrentable Geschäft sieht Bachmann in der Konkurrenz – im Internet und auf Platz: «In den letzten paar Jahren sind in Aarau mehrere Stoffläden aufgegangen. Das verträgt sich auf dem kleinen Raum schlecht.» Zwar sei es tatsächlich so, dass im Moment bei der jüngeren Generation ein Näh-Boom herrsche. «Viele junge Frauen werden zu so leidenschaftlichen Näherinnen, dass sie gleich alle Kleider für die Familie selber nähen», sagt Bachmann.

Trotzdem reichen diese angefressenen Kundinnen mitsamt den lieb gewonnenen Stammkunden nicht aus, um das Geschäft rentabel zu halten. Die älteren Generationen würden eher flicken denn Neues nähen. Dafür brauche man nicht viel Material, so Bachmann, geschweige denn regelmässig eine neue Nähmaschine. Und selbst die Schulen aus der Region und bis hinauf in die Täler, die für das Textile Werken die Stoffe bei ihm bezogen haben, hätten die Zahlen nicht so aufpolieren können, wie es nötig gewesen wäre.

Reparaturarbeiten sind gefragt

Gut gelaufen ist immer der Geschäftszweig mit den Nähmaschinen-Reparaturen. «Wir haben Maschinen aus dem ganzen Kanton und darüber hinaus geflickt», sagt Bachmann. Das Reparatur-Angebot bleibt zwar in der Filiale in Frick weiter bestehen, doch müssen die Maschinen auch dort abgegeben werden. Das sei nicht optimal, gerade für die Kunden aus dem Wynen- und Suhrental, sagt Bachmann. «Ich bin deshalb auf der Suche nach einer neuen Abgabestelle in einem anderen Aarauer Geschäft.» Eines, zu dem die Kunden problemlos zufahren können, damit sie die schweren Nähmaschinen nicht zu weit schleppen müssen.

Am Samstag nach Feierabend wird das Kapitel CreaShop definitiv geschlossen, bis Montagmorgen muss das Lokal geräumt sein. Die Nachfolger warten schon: Das Personalvermittlungsbüro Manpower zieht von der Kasernenstrasse an die Kasinostrasse.