Aarauer Altstadt

Der Bus, die ewige Knacknuss: Stadtrat will einmal mehr prüfen, ob er umgeleitet werden kann

Vier Linien der Busbetriebe Aarau und zwei Postauto-Kurse fahren durch die eigentlich verkehrsfreie Altstadt. (Archiv)

Vier Linien der Busbetriebe Aarau und zwei Postauto-Kurse fahren durch die eigentlich verkehrsfreie Altstadt. (Archiv)

Pünktlich zum Frühlingsbeginn, wo es langsam wieder Spass macht, das Zmittag oder das Feierabendbier draussen zu geniessen, beantragt der Aarauer Stadtrat, der Einwohnerrat möge das Postulat «Busfreie Altstadt» überweisen. Eingereicht wurde dieses von der FDP-Fraktion, unterzeichnet haben es jedoch Vertreter aller Ratsparteien. Das bringt zum Ausdruck, dass es sich bei den Bussen in der Altstadt um ein breit diskutiertes Thema, mitunter auch um ein Ärgernis handelt. Denn in der vom Durchgangsverkehr befreiten Altstadt rechnet man nicht in jeder Sekunde mit einem zackig um die Ecke kommenden Bus, der knapp neben den Bistro-Tischchen der Strassencafés vorbeifährt.

Die Botschaft des Stadtrats lässt bei Bus-Gegnern indes nur wenig Hoffnung auf Besserung aufkommen: «Trotz der Nachteile der bisher evaluierten alternativen Routen ist nicht auszuschliessen, dennoch aus heutiger Sicht eine neue Busführung für die Altstadt zu finden, welche den verschiedenen Anforderungen gerecht werden kann.» Deshalb soll nun eine erneute Evaluation durchgeführt werden, «um neue Lösungen zu suchen».

Keine Bessere Lösung möglich

Seit 2014 hat der Stadtrat nicht mehr so recht über die Buslinienführung durch die Altstadt reden wollen. Auf eine damals im Einwohnerrat gestellte Anfrage hiess es sinngemäss, es gebe keine bessere Lösung. Denn die Strassen rund um Aarau sind während der Stosszeiten verstopft, die Busse haben fast nirgends eine separate Busspur und stehen im Stau. Würde man den öV aus der Altstadt verbannen, so liess der Stadtrat die Einwohnerräte wissen, würde sich die Fahrplanzuverlässigkeit noch weiter verschlechtern. Betroffen wären die Bus-Linien 1, 2, 4 und 6 sowie zwei Postauto-Kurse. Die letzten Evaluationen der Busführung in der Altstadt stammen aus den Jahren 2006 und 2010. Damals wurden verschiedene Routen geprüft, etwa via Tellirain, via Schachen und Allmendstrasse. «Im Vergleich zur heutigen Ist-Situation konnte jedoch keine Linienführung gefunden werden, welche denselben Nutzen bei gleichen Kosten lieferte», so der Stadtrat in der aktuellen Botschaft. Keine Route sei besser als die bisherige. Im Gegenteil: Eine bus- und postautofreie Altstadt bringe, so der Stadtrat, eine Verschlechterung des öV-Angebots und höhere Kosten mit sich. Die beiden altstadtnahen Haltestellen Holzmarkt und Rathaus – von der sich keine innerhalb der Kern-Altstadt befindet – könnten allenfalls nicht mehr bedient werden, heisst es weiter; ein Nachteil für das Gewerbe.

Shuttle-Busse in den Schachen?

Im FDP-Postulat wird angeregt, die Altstadt mit einem «alternativen öV-System» an die ausserhalb liegenden Buslinien anzuschliessen. Zum Beispiel mit kleinen Elektrofahrzeugen. Der Stadtrat gibt zu bedenken, dass man dies bereits 2006 geprüft, wegen der Mehrkosten und der sinkenden öV-Qualität aber verworfen habe. Auch entsprächen E-Kleinbusse, die im 7,5- oder 15-Minuten-Takt fahren müssten, nicht unbedingt dem Wunsch der Postulanten nach einer busfreien Altstadt. «Durch kleinere Shuttlebusse würden zwar weniger Busse die Altstadt durchfahren und bräuchten weniger Platz», so der Stadtrat. «Jedoch wäre zu bedenken, dass die Fahrbahn trotzdem nicht von Restaurants etc. genutzt werden könnte.»

Aber in der Botschaft steht auch: «Da die Variante mit einem Shuttlebus neben den genannten Nachteilen auch Vorteile hätte, sollte die Idee trotzdem weiterverfolgt werden.» Mit einem Shuttlebus, der die Gebiete Altstadt, Hirslanden und das Freizeitgebiet Schachen mit dem Bahnhof verbindet, könnte ein Mehrwert geschaffen werden, so der Stadtrat weiter.

Die Regierung hält es auch für denkbar, die Altstadt nur von Freitagabend bis Sonntagabend busfrei zu machen. Oder, dass die Busse nur noch während der Stauzeiten in die Altstadt dürfen, um rascher voranzukommen. Geprüft werden soll auch, ob das Abend-Regime (Busse stadteinwärts fahren ab 19 Uhr via Schiffländestrasse und Kasinostrasse zum Bahnhof) auf den Tag ausgeweitet werden kann.

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