Der Aarauer Pont Neuf wird noch eine Weile nicht gebaut. Und doch will Einwohnerrat Matthias Keller (EVP) vom Stadtrat nun wissen, wie sicher die Baustelle für den Langsamverkehr ist. «Jeden Tag überqueren Aarauer Einwohner und Einwohnerinnen die Kettenbrücke zu Fuss oder mit dem Fahrrad, darunter auch viele Schülerinnen und Schüler», schreibt er in seiner Anfrage.

Während der Bauzeit wird der gesamte Verkehr über eine Hilfsbrücke geleitet, die schmaler ist als die heutige Aarebrücke (und später über den Pont Neuf). Ist das ein Sicherheitsproblem für den Langsamverkehr? Die az hat bei Roberto Scappaticci, Projektleiter Brückenbau beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt, nachgefragt.

Herr Scappaticci, während der Bauzeit für den Pont Neuf müssen Fussgänger und Velofahrer über die Hilfsbrücke. Ist das sicher?

Roberto Scappaticci: Damit die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährleistet bleibt, sind Baustellen unabdingbar. Sie fordern in der Regel angepasste Verkehrsbeziehungen. Diese müssen – je nach Bauetappe – mehrmals verändert werden. Die neu entstandenen Verkehrsbeziehungen sind vor allem am Anfang, bis sich die Verkehrsteilnehmer wieder daran gewöhnt haben, gefährlich. Aus diesem Grund ist es wichtig, möglichst wenige Anpassungen zu machen. Im Fall Pont Neuf haben wir für den Langsamverkehr den entsprechenden Platz auf der Hilfsbrücke und auf den beiden Trottoirs vorgesehen, die Brückenbreite entspricht den Vorgaben. Die Verkehrsbeziehungen bleiben für längere Zeit erhalten, damit sich die Verkehrsteilnehmer an die neuen Gegebenheiten herantasten können. Übrigens kann der Langsamverkehr die Aare auch bequem via Süffelsteg oder Zurlindensteg überqueren.

Wie wird der Langsamverkehr auf der Hilfsbrücke konkret geschützt?

Jeder Verkehrsteilnehmer hat auf der Fahrbahn seinen Platz und die Verkehrsbeziehungen bleiben wie erwähnt über längere Zeit bestehen. Die Verbindungen von der Brücke und zur Brücke sind so ausgestaltet, dass der motorisierte Verkehr den Bauperimeter mit geringer Geschwindigkeit befahren muss.

Eigentlich wollte man 2017 mit dem Bau starten. Weil sich der Baubeginn wegen der Einsprachen nun sowieso verzögert, werden Sie beim Bund erneut Geld aus dem Agglomerationsprogramm «AareLand» fordern. Bei einer Zusage müsste im Jahr 2019 mit dem Bau begonnen werden. Bis wann erfahren die Aarauer, ob es diesen Zustupf gibt?

Bis Ende Jahr wird das Gesuch für die dritte Generation des Agglomerationsprogramms eingereicht. Im Laufe des Jahres 2018 sollten die Gelder gesprochen werden.

Der Bund hat einen Antrag auf 10 Mio. Franken schon einmal abgelehnt. Und zwar mit der Begründung, die Massnahmen für den Fuss- und Veloverkehr seien zu teuer in Bezug auf den Nutzen. Wie gross schätzen Sie die Chancen ein, dass nun doch Gelder gesprochen werden?

Eine Prognose wäre Kaffeesatz-Lesen. Ob das zweite Gesuch angenommen wird, hängt davon ab, wie unser Projekt bezüglich der Aufwertung des Langsamverkehrs bewertet wird – und davon, wie gut die Konkurrenz ist.

Anfang Jahr sagten Sie gegenüber der az, man werde bezüglich Langsamverkehr auf dem Pont Neuf machen, was machbar sei.

Der Wettbewerb «Erneuerung Kettenbrücke Aarau» wurde so ausgestaltet, dass vor allem der Langsamverkehr profitieren soll. Im Zuge der Projektierungsarbeiten wurden unter anderem in der Zusammenarbeit mit Pro Velo weitere Optimierungen vorgenommen. Es wurde alles darangesetzt, die heutige Situation soweit wie möglich aufzuwerten. Zum Beispiel wird die Strassenfläche zugunsten der Langsamverkehrsfläche verkleinert.

Noch liegt das Projekt auf Eis, weil die Einsprachen verhandelt werden müssen. Ein Einsprecher hat ein Gutachten der Natur- und Heimatschutzkommission angefordert. Es wird im Moment erstellt. Zusätzlich wollte er ein Umweltverträglichkeitsgutachten (UVP). Warum verzichtet der Kanton darauf?

Im Zuge der Projektierungsarbeiten wurden alle für dieses Projekt relevanten Umwelteinflüsse berücksichtigt, abgeklärt und im Projekt umgesetzt. Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass das Projekt nicht UVP-pflichtig ist.